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Stauraum per Knopfdruck

Die Freitaler Firma SES Solutions entwickelt faltbare Boxen fürs Autodach. Das Unternehmen wagt den nächsten Schritt.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Carina Brestrich

Freital. Die Idee kam Serle-Johann Espig vor einigen Jahren im Ski-Urlaub. Um die Ausrüstung zu verstauen, sollte eine Box auf dem Autodach befestigt werden. Zusammen mit einem Freund machte sich Espig ans Werk. Doch so schnell und einfach, wie erhofft, klappte es nicht: Eine halbe Stunde brachten die beiden Männer mit der Montage der Box zu. Und das bei Minusgraden. „Da war uns klar: Das muss schneller gehen“, sagt Serle-Johann Espig.

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So sieht die aufgestellte Dachbox aus. © Visualisierung: SES Solutions

Die Lösung hat sich der gebürtige Göttinger selbst geschaffen: eine faltbare Dachbox, die nur einmal montiert wird und ohne Mühe verschwinden kann, wenn sie nicht gebraucht wird. Stauraum per Knopfdruck – Espig glaubt, dass das viele Autofahrer begeistern kann. „Umfragen belegen: Der Gepäckraum ist ein kaufentscheidender Faktor.“ Der Betriebswirt hat deshalb vor vier Jahren seine Idee zu einem Produkt gemacht und das Unternehmen SES Solutions gegründet. 2014 zog die Firma in das Technologie- und Gründerzentrum Freital. Inzwischen kümmern sich sieben Mitarbeiter um die Entwicklung der Dachbox. Nachdem die ersten Prototypen schon das Interesse einzelner Autohersteller geweckt haben, steht nun der nächste große Schritt in der Geschichte des Start-ups an: Die Dachboxen sollen in Serie gehen. Nach der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Main im September soll es soweit sein. „Nachdem wir jahrelang unser Produkt im stillen Kämmerlein entwickelt haben, sind wir nun bereit, den Schalter umzulegen“, sagt Espig.

Doch dafür braucht die Firma finanzielle Unterstützung. Etwa 500 000 Euro an staatlichen Fördermitteln hat Espig seit der Gründung von SES Solutions bekommen, weitere 700 000 Euro hat er von privaten Investoren eingeworben. Frisches Geld für die Markteinführung liefern soll nun eine relativ neue, aber unter Start-ups gebräuchliche Form der Finanzierung: Crowdinvesting. Dabei investieren viele kleine Anleger in eine Geschäftsidee. In der Regel handelt es sich um kleinere Geldbeträge. Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Rendite – vorausgesetzt, das Unternehmen hat mit seiner Idee Erfolg.

Anleger gesucht

Serle-Johann Espig ist optimistisch. Mit seiner Crowdfunding-Kampagne will er mindestens 50 000 Euro in 90 Tagen einsammeln. Über die Internet-Plattform Funder Nation können die Anleger bis Ende Mai Beträge von mindestens 100 Euro zu seinem Unternehmen beisteuern. Neben dem Geld bringt diese Form der Finanzierung auch noch andere Vorteile mit sich, erklärt Marco Kaufmann von Funder Nation: Die Anleger helfen, die Produktidee bekannter zu machen. Gleichzeitig sind sie potenzielle Verbraucher: „Der Unternehmer kann auf ihr Feedback zurückgreifen“, erklärt Kaufmann.

Das Geld soll in den Vertrieb und in die weitere Entwicklung fließen. So möchte Espig mit seinen Dachboxen zunächst den deutschen und in einigen Jahren auch den europäischen Markt erobern. Außerdem wollen Espig und sein Team weiter an der Entwicklung der Box feilen. Das Start-up arbeitet bereits daran, die Autobox für eine breite Palette von Automodellen kompatibel zu machen. Geplant ist auch eine vollintegrierte Version , bei der die Boxen mit der Zentralverriegelung und der Alarmanlage des Autos gekoppelt sind. Außerdem soll es zur Bedienung eine App geben. Espig sieht seine Idee auf einem guten Weg. Um möglichst viele Autofahrer anzusprechen, konzentriert sich das Unternehmen bei der Entwicklung auf die beliebten Automarken. Außerdem glaubt Espig, dass die steigende Nachfrage nach Hybridfahrzeugen positiv auf sein Geschäftsmodell wirkt. Durch deren aufwendigere Motorensysteme entfällt Stauraum, den die Dachbox wiederum zurückgeben könnte. Der Unternehmer denkt aber auch noch weiter. So geht seine Vision über den Transport der eigenen Habseligkeiten hinaus. Stattdessen könnte die Dachbox auch den Versandhandel revolutionieren. Denn mit ihrer Hilfe können auch Pakete gebracht werden. Privatpersonen könnten so künftig zu Paketzustellern für andere Private werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik.