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Steht Pirnas Postsäule falsch herum?

Auf dem Obelisken sind die Zielorte der Postkutsche eingemeißelt. Allerdings kann man die Angaben kaum lesen.

© Daniel Förster

Frisch saniert wurde sie im November wieder aufgestellt: Pirnas letzte verbliebene kurfürstliche Postmeilensäule. Viele Bürger fragen sich seitdem allerdings, warum die Entfernungsangaben zu den Reisezielen der Postkutsche ausgerechnet auf der Rückseite eingemeißelt sind. Wer sie lesen möchte, muss auf schmalem Pfad um den Obelisken herumgehen. Ist beim Aufstellen der Säule etwa ein Fehler passiert?

Nein, sagt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel. Das habe alles seine Ordnung so. Denn die Säule solle nicht nur Reiseziele und Entfernungsangaben ausweisen, sondern auch die richtige Himmelsrichtung zeigen. Würde man die Säule 180 Grad um die senkrechte Achse drehen, dann könnten Säulen-Bewunderer zwar besser lesen, wohin man anno dazumal mit der Postkutsche von Pirna aus reisen konnte, aber die Richtung stimmte nicht mehr.

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Stadt, Denkmalamt und die Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen hätten sich dafür entschieden, die Säule historisch korrekt auszurichten. Weil man sich des Problems der schlechten Lesbarkeit aber durchaus bewusst gewesen sei, habe man den Bereich um die Säule extra so gestaltet, dass Interessierte ringsherum gehen können.

Als die Postsäule 1722 errichtet wurde, mussten Postkutschen-Reisende übrigens nicht erst umständlich durch die Blumenrabatten an der Grohmannstraße steigen, um die Entfernungsangaben lesen zu können. Der Obelisk stand damals am Eingang der Breiten Straße, und zwar vermutlich genau in der Fahrbahnmitte. Auf dem Canaletto-Gemälde „Die Breite Gasse in Pirna“ von 1753 jedenfalls ist die Säule so dargestellt. Pläne, sie wieder dort aufzustellen, sind laut Stadt zumindest so lange nicht aktuell, wie Pirna keine Südumfahrung hat. Denn im Moment tobt am historischen Standplatz des Obelisken der Verkehr auf der B 172. (SZ/ce)