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Stemmen, brechen, stehlen

Im Radebeuler Westen und in Coswig häufen sich die Einbrüche. Die Masche ist die gleiche, der Ärger groß.

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© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Im Einkaufsviertel zwischen Moritzburger Straße, Meißner Straße und Bahnhofstraße in Radebeul schlafen die Menschen derzeit unruhig. Wieder sind nachts Einbrecher mit Stemmeisen unterwegs und versuchen Türen aufzubrechen.

Die bislang größte Bruchtour gab es in der Nacht zum Montag dieser Woche. An der Moritzburger Straße ein Werbebüro, zwei Läden der Fahrradhändler Tretmühle, in der Bahnhofstraße ein Friseurgeschäft, eine Modeboutique, ein Telefongeschäft und einen Whisky-Spezialladen waren das Ziel der Ganoven. Alles auf wenigen Hundert Metern Abstand.

Bereits vorige Woche versuchten es Einbrecher an der Physiotherapie von Ulrike Vollmer in Altkötzschenbroda. Die Hebelspuren vom Stemmeisen sind noch deutlich an dem langen Erdgeschossfenster zu sehen. Der Rahmen hielt stand, aber die Sorge ist groß. Ulrike Vollmer: „Es ist erschreckend, wie das zunimmt. Über mir wohnen doch auch Leute, da müsste doch jemand etwas bemerken.“ Auch Friseurmeisterin Ivett Jäger von den „Haarweibern“ wundert sich. Die Bahnhofstraße sei doch keine unbelebte Straße. „Selbst nachts geht hier jemand lang“, sagt sie. Sie ist erschrocken, weil bei ihr zum zweiten Mal Diebe zugange waren, wie vor zwei Jahren. Die Eingangstür musste ersetzt werden. 2 000 Euro habe das gekostet. Das zahle die Versicherung nicht jedes Mal.

Jörg Kretzschmar ist Leiter der Kriminalpolizei im Revier Meißen und hat seinen Sitz in Radebeul. Er sagt, dass Einbrecher zumeist nach einer Minute aufgeben und weiterziehen, wenn das Fenster, die Laden- oder Terrassentür nicht aufgeht. So war es auch an einigen Läden in der Bahnhofstraße. Zwei bis drei Hebelspuren zeichnen sich im Laden ab. Die Kosten zum Ausbessern betragen einige Hundert Euro.

Nicht so im Fahrradladen Tretmühle. Geschäftsführer André Stübner zeigt auf die Tür. Trotz Alarmanlage und Mehrfachriegel sind die Diebe eingedrungen. Gestohlen haben sie ein E-Bike, ein Kinderrad und ein sehr auffälliges Fatbike mit dicken Reifen. Der Schaden betrage rund 10 000 Euro. André Stübner: „Das grün-schwarze E-Bike kostet fast 4 000 Euro. Das Fatbike dürfte einmalig sein – 24 Zoll, türkis, gelb und blau lackiert.“

Die Tretmühle-Betreiber Michael Huhn und André Stübner wollen jetzt in Sachen Sicherheit nochmals aufrüsten. „Wir werden Rollläden mit extra verstärkten Stahlgittern anbringen lassen. Eine neue Alarmanlage wird installiert. Das kostet mehrere Tausend Euro.“ Bis das dran ist, wolle André Stübner im Wohnmobil vor dem Laden übernachten.

Der Tretmühle-Geschäftsführer hat in den letzten Wochen einiges erlebt. So hat sich vor wenigen Wochen ein seriös erscheinender junger Mann deutscher Herkunft mit Personalausweis und 50 Euro Gebühr ein 5 300 Euro teures Mountainbike ausgeliehen und ist nicht wieder erschienen. Per Anzeige bei der Polizei erfuhr Stübner, dass der Mann bereits Monate mit dieser Masche unterwegs sei. Den Personalausweis habe er zwar als gestohlen gemeldet, aber nur, um von sich abzulenken.

Am Montag fiel dem Radladenbetreiber ein silberner Golf IV mit zwei jungen Männern, einer davon tätowiert, auf. Stübner: „Die fuhren hier auffällig langsam durch die Straße und kundschafteten offenbar aus, wo was zu holen ist. Ich habe ein Foto mit Nummernschild gemacht und bin den beiden bis zur Tankstelle von Centners an der Meißner Straße gefolgt.“ Der Sofortanruf bei der Polizei ergab, dass das Nummernschild nicht zum Auto gehörte, so Stübner. An der Tankstelle waren die Mitarbeiter gewarnt. Dort hatten die beiden Männer, mit Akzent deutsch sprechend, nach Telefonkarten gefragt, so eine Mitarbeiterin. Als sie mitbekamen, dass diese verschlossen aufbewahrt werden, seien sie abgezogen.