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Sternekoch auch privat insolvent

Es ist ein rabenschwarzes Jahr Stefan Hermann. Nach der Insolvenz seiner Firma zu Ostern muss er nun auch Privatinsolvenz anmelden.

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© Sven Ellger

Julia Vollmer

Dresden.Es ist ein rabenschwarzes Jahr für Sternekoch Stefan Hermann. Nach der Insolvenz seiner Firma zu Ostern muss er zwei Tage vor Heiligabend nun auch Privatinsolvenz anmelden. Und das alles in einem Jahr, das so vielversprechend begann: Erst im Januar feierte er das zehnjährige Jubiläum seines Restaurants Bean&Beluga auf dem Weißen Hirsch.

Der Grund für die Insolvenz sind Umsatzsteuer-Nachforderungen des Finanzamtes. Hermann hatte mit einem Lizenzvertrag die ihm persönlich gehörende Wortmarke „Bean & Beluga“ seinem Gastronomieunternehmen, der Bean & Beluga GmbH, zur Nutzung überlassen, sagt sein Insolvenzberater Bruno M. Kübler. Dieser begleitet die Sanierung des Unternehmens in Hermanns Eigenverwaltung. Daraus leitete das Finanzamt eine sogenannte „Organschaft“ des Sternekochs für seine Firma ab. Darum muss er nun persönlich die Umsatzsteuerforderungen des Fiskus begleichen, erklärt Sebastian Glaser, Sprecher der PR-Firma, die Kübler vertritt. Der Bescheid habe eine finanzielle Größenordnung, die nun auch die persönliche Insolvenz des Kochs unvermeidbar gemacht habe, so Kübler. Wie hoch die Steuerschulden sind, will Glaser nicht kommentieren. Dieser Bescheid sei erst nach der Insolvenz der Firma im April eingegangen. „Stefan Hermann hat in den letzten Monaten mit großem persönlichen Einsatz die Sanierung der Bean & Beluga GmbH auf den Weg gebracht“, betont Kübler. „Dass er jetzt auch seine privaten wirtschaftlichen Verhältnisse bereinigen will, ist ein logischer und konsequenter Schritt.“

Wie geht es jetzt weiter? Es soll ein Insolvenzplan erarbeitet werden, der ihn kurzfristig schuldenfrei machen soll. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Olaf Seidel von der Kanzlei Wolff Rapp bestellt. Kübler wird Stefan Hermann bei der Ausarbeitung des Plans beraten. Hermanns unternehmerische Aktivitäten in seiner Firma sind von der privaten Insolvenz nicht betroffen.

Während es um seine privaten Finanzen aktuell schlecht steht, macht die Sanierung seines Unternehmens Fortschritte. Die Pachtverträge über die gastronomische Betreuung von Semperoper und Schauspielhaus mit dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) konnten verlängert werden. „Dass die Verträge mit einer Laufzeit bis 2027 geschlossen wurden, schafft nicht nur langfristige Planungssicherheit, sondern ist auch ein großer Vertrauensbeweis, betont sein Berater Bruno Kübler. Der 43-jährige Hermann und sein Team werden auch 2018, wie in den vergangenen Jahren, die Gäste des Semperopernballs bekochen. Im Staatsschauspiel betreibt er sein Restaurant William.

Mit dem Weihnachtsgeschäft zeigt sich Kübler zufrieden. Vor allem mit der Eisbahn auf dem Konzertplatz und dem Verkaufstand auf dem Striezelmarkt. Um Gäste auf den Konzertplatz zu locken, investierte Hermann noch mal kräftig. Das Unternehmen hat die bisher gepachtete Eisbahn und die Almhütte mit Zustimmung des Sachwalters Rechtsanwalt Ralf Hage gekauft und wird diese künftig in Eigenregie betreiben. „Das sichert höhere Erträge im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft“, sagte Kübler. Die Almhütte sei für Weihnachtsfeiern nahezu ausgebucht. „Bean & Beluga ist dadurch aber auch in der Lage, die Almhütte im Sommer zu nutzen und so die gastronomische Betreuung von Hochzeitsgesellschaften auszubauen.“ Nach wie vor sind Hermann, der in diesem Jahr seinen Stern verteidigen konnte, und seine Berater auf der Suche nach einem externen Geldgeber. „Es laufen Verhandlungen mit mehreren Interessenten für eine Übernahme von Bean & Beluga“, sagt Kübler. Doch es gebe genügend wirtschaftlichen Spielraum, um sich bei der Investorenauswahl Zeit zu nehmen. Die Firma erwirtschafte seit Verfahrensbeginn positive Erträge, so der Sanierungsexperte.

Der Blick ins kommende Jahr ist ein optimistischer. „Auch für das nächste Jahr ist Bean & Beluga schon jetzt wirtschaftlich gut aufgestellt, um die sommerliche Flautezeit zu überbrücken.“