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Strauss-Kahns hübscher Stolperstein

Tristane Banon wirft dem Ex-IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vor – und wehrt sich gegen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit.

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Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

Ist sie eine skrupellose Opportunistin, die auf dem Rücken Dominique Strauss-Kahns maximale Aufmerksamkeit erreichen will? Oder doch eine aufrichtige Frau, die nur mit Mühe der Begierde eines der mächtigsten Männer der Welt entkam und erst jetzt eine juristische Vergeltung wagt? Tristane Banon, Autorin und Journalistin, entzweit die französische Öffentlichkeit, seit sie gestern in Frankreich Klage gegen den ehemaligen IWF-Chef eingereicht hat. Die 32-jährige Französin wirft Strauss-Kahn versuchte Vergewaltigung vor. Strauss-Kahn kündigte seinerseits eine Gegenanzeige wegen falscher Anschuldigungen an.

Die Vorwürfe reichen zurück in den Februar 2003. Der damalige französische Finanzminister, mit dessen Tochter sie befreundet und dessen zweite Frau ihre Taufpatin war, habe sie in eine kaum möblierte Wohnung eingeladen. Sie wollte ihn für ihr erstes Buchprojekt interviewen. Schnell habe er sich ihr angenähert, versucht sie zu entkleiden, sich wie ein „brünstiger Schimpanse“ auf sie gestürzt, bis sie entsetzt floh.

Sie habe damals nicht geklagt, weil sie nicht für immer „das Mädchen, das Probleme mit einem bekannten Politiker hatte“ sein wollte, sagte sie 2007 in einer TV-Sendung, in der der Name Strauss-Kahn mit einem Piepton überdeckt wurde. Ihre Mutter Anne Mansouret, eine sozialistische Regionalpolitikerin, habe ihr ebenfalls abgeraten. „Ich glaube ehrlich, dass sie keine Chance gehabt hätte, gehört zu werden“, sagt diese heute. Dass Tristane Banon ausgerechnet jetzt doch vor Gericht zieht, macht sie für viele unglaubwürdig; der Strauss-Kahn-Vertraute Jean-Marie Le Guen spricht von einer Schmutzkampagne: Nicht umsonst arbeite sie für die regierungsnahe Internet-Seite Atlantico.