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Streit um Sperrmüll

Ein Dorfbewohner lässt alte Möbel abholen – die Entsorgungsfirma nimmt allerdings nicht alles mit. Tage später liegt noch immer Müll da.

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Von Uta Büttner

Strehla. Streit um sechs zerrissene Müllsäcke am Straßenrand: Wer muss sie entsorgen? Rainer Schröder aus Paußnitz ist verärgert. „Bei der Sperrmüllabholung haben die Fahrer die Säcke einfach zerrissen und dann liegengelassen, so dass sich der Inhalt auf der Straße verteilte“, schimpft der Rentner. In einem Beschwerdeschreiben an die Firma Remondis fordert der Paußnitzer die sofortige Abholung der Müllbeutel. „Die haben die Säcke kaputt gemacht, also ist es jetzt ihr Eigentum“, meint Rainer Schröder. „Damit muss Remondis die Müllbeutel nun auch abholen“, sagt er.

Die mit der Entsorgung beauftragte Firma Remondis teilte Rainer Schröder schriftlich mit, dass alle Abfälle, die in einen Müllsack oder Karton passen, in den Restabfall gehören. Außerdem sei auf der Abholkarte eindeutig darauf hingewiesen, dass unter anderem Schadstoffe und Bauschutt nicht zum Sperrmüll gehören. Das Unternehmen verweist dabei auch auf die Hinweise auf den Sperrmüll-Bestellkarten im Abfallkalender.

Die SZ fragte bei Remondis nach, warum die Fahrer die Müllsäcke aufgerissen haben, wenn diese generell nicht mitgenommen werden. „Das ist eine gute Frage, die habe ich mir auch schon gestellt“, antwortet Geschäftsführer Thomas Schiefelbein. „Die Fahrer wollten nett sein und schauen, was in den Säcken ist. Wenn es auch noch Sperrmüll gewesen wäre, hätten sie die Säcke mitgenommen.“ Er ergänzt: „Dabei haben die Fahrer die Säcke aber nicht zerrissen, sondern nur eine Sichtkontrolle gemacht. Das heißt, es sind jetzt etwa zehn Zentimeter große Löcher in den Beuteln. Dabei stellten die Fahrer fest, dass sich Dämmwolle darin befindet“, berichtet der Geschäftsführer. Damit handele es sich um Schadstoff, der nicht als Sperrmüll abgeholt werde.

Schadstoffe und andere Bauabfälle müssten gesondert entsorgt werden. „Deshalb teilten wir Herrn Schröder in dem Schreiben mit, dass er die Säcke selbst entfernen muss“, sagt Thomas Schiefelbein. Außerdem hätten seine Mitarbeiter die Säcke ordnungsgemäß an die Straßenseite geräumt und nicht, wie von Herrn Schröder behauptet, auf der Fahrbahn liegen lassen, ergänzt Thomas Schiefelbein.

Der Rentner ist mit der Antwort von Remondis nicht einverstanden. Er meint, die Firma müsse die Müllbeutel entsorgen. „Schließlich haben sie diese auch zerstört.“

Rechtsanwalt Andreas Henke von der Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte aus Dresden sieht das allerdings anders. Als Fachanwalt für Verwaltungsrecht beschäftigt er sich auch mit Fragen aus dem Abfallrecht. Er sagt: „Das war eine reine Kontrollhandlung, um zu prüfen, ob der Müll darin überhaupt mitgenommen werden muss.“ Dies sei nicht mit dem Fall vergleichbar, wenn man zum Beispiel im Laden etwas zerstört und es dann kaufen muss. Denn die Müllabholung erfolge nicht mit dem Ziel, sich Eigentum anzueignen. Deshalb müsse der Betroffene die kaputten Müllsäcke mit der Dämmwolle selbst entsorgen. Diese könne er zum Wertstoffhof bringen.

Informationen beim Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal, Telefon 0351404040, [email protected].

Region Riesa-Großenhain: Wertstoffhof Umladestation Groptitz, Weidaer Straße 2,Telefon 03525 733317