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Strippen ziehen war gestern

Der Dresdner Handwerksbetrieb EBE setzt auf moderne Technik. Für die europaweiten Aufträge kompletter Elektroanlagen braucht er aber zusätzliche Mitarbeiter.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Die Auftragsbücher der Firma sind mindestens bis zum Jahresende prall gefüllt. Geschäftsführer Bernd Engst könnte mehr machen, so sucht er händeringend neue Mitarbeiter. Auch über geeignete Lehrlinge für seinen Handwerksbetrieb freut er sich. „Wir könnten sofort fünf Elektriker einstellen“, sagt er.

Der 70-jährige Elektromeister hat 1991 seine Firma EBE Bernd Engst gegründet, zuerst als Einzelunternehmen im privaten Einfamilienhaus. Seinen ersten Telefonanschluss erhielt er dank Beziehungen 1992. Zuvor musste er über öffentliche Telefonzellen mit den Kunden verhandeln. Im Handyzeitalter ist das heutzutage nicht mehr vorstellbar.

1995 wurde aus dem Einzelbetrieb eine GmbH & Co KG. „Wir haben europaweit riesengroße Projekte übernommen wie die komplette Elektroanlage im Bayrischen Landeskriminalamt in München oder den zentralen OP-Trakt im Klinikum Augsburg. Unsere Mitarbeitern waren oft auf Montage unterwegs“, sagt er. Doch inzwischen boomt der Dresdner Markt wieder, und so sind die meisten Kunden im Umfeld zu finden. 2002 hatte das Unternehmen seinen Firmensitz auf der Otto-Mohr-Straße in Reick gebaut.

Schwiegersohn als Nachfolger

Längst geklärt hat Engst die Unternehmensnachfolge: Seit 2014 ist sein Schwiegersohn Uwe Sprößig neben ihm und seiner Ehefrau Adelheid Geschäftsführer. Die Übergangszeit haben sie auf fünf Jahre festgelegt. Sprößig hatte im Februar 1990 seine Ausbildung als Elektroinstallateur beendet. „Damals hielt mich wenig zu Hause. Ich bin nach Mannheim umgesiedelt, weil ich mich umsehen wollte“, erzählt der 46-Jährige. Parallel zur Arbeit im Handwerksbetrieb machte er seinen Elektromeister. 1995 ging Sprößig zurück nach Dresden.

War es Zufall? Er begann bei Bernd Engst zu arbeiten und übernahm dort schnell verantwortungsvolle Aufgaben. Und er lernte Engst Tochter Annette kennen und lieben. 2002 haben sie geheiratet, vier Jahre später wurde der Sohn geboren. Ob sich der Junge einmal für die Firma interessiert, bleibt abzuwarten.

Die derzeit 25 EBE-Mitarbeiter sind beispielsweise im Wohnungsbau in der Friedrichstadt oder bei diversen Wohnungsgenossenschaften im Einsatz. Mittelständische Unternehmen wie Hermes Schleifkörper, Präzis-Werkzeugbau, Meissner Fenstertechnik gehören ebenso zu den Kunden. „Neben der kompletten Elektroinstallation bieten wir auch Datennetzwerke und Gebäudeautomation an“, zählt Sprößig auf. Gern arbeitet er für Privatkunden, die für ihre Einfamilienhäuser eine gehobene Ausstattung mit Bus-Datenübertragungssystemen wünschen. Strippen ziehen war gestern, so wirbt die Firma.

Diese Vielfalt bei den Aufgabengebieten mache auch die Ausbildung in dem Unternehmen reizvoll, hofft er. Neben dem Tarifgehalt zahle der Innungsbetrieb leistungsbezogene Zuschläge. Um Auftragsspitzen abzufangen, muss Bernd Engst auch auf Arbeitskräfte aus Zeitarbeitsfirmen setzen. Festeinstellungen würden ihm aber mehr zusagen, versichert er. Rund 1,5 Millionen Euro betrage der Jahresumsatz des Unternehmens.

Dem Handwerk gehe es gut, allerdings sei vieles komplizierter geworden. „Wir wollten nach der Wende eigentlich Bürokratien abbauen, davon ist nicht viel übrig geblieben“, sagt Engst. Er sei vielfältig engagiert, nicht nur in der Handwerksinnung. Ende der 1990er-Jahre war er Präsident beim DSC-Fußball. Heute unterstütze er lieber Kinderprojekte.

Die Bürokratie bremst ihn im Moment etwas aus. Seit fast einem Jahr will er eine 100 Quadratmeter große Lagerhalle neben seinem Firmensitz bauen. Die Grundplatte dafür ist bereits fertig. „Aber ich habe das zu naiv gesehen und Fehler bei der Antragstellung gemacht“, bedauert er. Er hat das Prozedere wiederholt und hofft nun auf eine schnelle Baugenehmigung, den Sommer müsse er für das Bauprojekt nutzen.