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Studentenwerke haben zu kämpfen

Hohe Studienanforderungen machen immer mehr Studenten zu schaffen. Sie brauchen in Zukunft Hilfe.

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© René Meinig

Von Jana Mundus

Mehr psychische Probleme, mehr Bedarf an günstigen Wohnungen, mehr zu tun in den Mensen. Auf die vier sächsischen Studentenwerke in Dresden, Leipzig, Freiberg und Chemnitz kommt in Zukunft eine Menge Arbeit zu. Das wurde jetzt anlässlich der Veranstaltung zum 25. Wiedergründungsjubiläum der Studentenwerke deutlich. Die Einrichtungen stehen vor großen Herausforderungen. Diese zu bewältigen, ist oft auch mit mehr Geld verbunden.

Für insgesamt 113 000 Studenten an 23 sächsischen Hochschulen sind die Studentenwerke momentan Ansprechpartner in Sachen Wohnheim, Bafög-Antrag oder Sozialberatung. „Sie sind das Rückgrat der Hochschullandschaft“, sagte dazu Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Dass sich die sozialen Angebote aber an eine sich veränderte Studentenschaft anpassen müssen, zeigte Karl Lenz, Professor für Mikrosoziologie an der TU, anhand von Studiendaten. So lernen etwa immer mehr Studenten aus dem Ausland an sächsischen Hochschulen. Im Wintersemester 2015/16 stammten die knapp 15 500 Studenten in Sachsen aus 160 verschiedenen Ländern.

„Wir müssen uns überlegen, wie wir auf diese kulturellen und sprachlichen Herausforderungen reagieren wollen“, erklärt dazu TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen in der Podiumsdiskussion. Wichtig sei es, eine gute Integration zu ermöglichen. Auch ein anderer von Lenz angesprochener Punkt wurde bei der anschließenden Podiumsdiskussion als Herausforderung genannt. Das Thema Inklusion, also das Einbinden von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wird in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle an den Hochschulen spielen. Fast die Hälfte der Menschen mit gesundheitlichen Problemen sind psychisch beeinträchtigt oder erkrankt. Die psychosoziale Beratung durch die Studentenwerke ist für Marcel Wodniok, langjähriges Mitglied im Studentenrat der Universität Leipzig, auch deshalb besonders wichtig. Aber es gebe noch viel mehr Beratungsbedarf. „Das Studium ist heute deutlich verschulter als früher. Das bedeutet mehr Druck für die Studenten“, sagte er. Diese psychische Belastung mache manche krank. „Es muss eine gesamtuniversitäre Aufgabe sein, zu überlegen, wie solche Menschen eingebunden werden können.“

Konkurrenz aus Deutschland

Bisher stiegen die Studentenzahlen stetig an. Bis zum Jahr 2025 sollen in Sachsen mit 95 000 Studenten dann deutlich weniger als noch im Moment studieren. „Dieser Rückgang kommt nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre“, erklärte Aline Fiedler, hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag. Dadurch werde auf jeden Fall ein besseres Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und den Studierenden erreicht. Derzeit erhält Sachsen jährlich 90 Millionen Euro zusätzlich vom Bund für seine Hochschulen. Mit diesem Geld sollen freie Studienplätze erhalten werden für die übergroße Nachfrage aus den westdeutschen Bundesländern. 2020 läuft allerdings dieser sogenannte Hochschulpakt aus. „Bis dahin müssen wir wissen, wie wir gute Wissenschaft finanzieren können“, formulierte Holger Mann von der SPD-Fraktion. Andere Experten bezweifeln hingegen, dass die Studentenzahlen überhaupt sinken werden. Eva-Maria Stange sieht Sachsen künftig einer noch viel stärkeren Konkurrenz mit anderen Hochschulstädten in Deutschland ausgesetzt. Wenn dort dann wieder Studienplätze frei werden, beginnt die Konkurrenz der Hochschulen. „Sie werden in Zukunft noch massiver um Studenten werben.“ Auch darauf müssten sich die Hochschulen und Studentenwerke hierzulande einstellen.