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Ein Jahr nach „Friederike“

Am 18. Januar 2018 wütete ein Orkantief über die Region hinweg. Das Unwetter hinterließ viele Schäden. Die meisten sind mittlerweile behoben.

Von Verena Toth
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Erst „Herwart“, dann „Friederike“: Vor einem Jahr fielen ganze Waldabschnitte den Orkantiefs zum Opfer. Die Spuren der Stürme sind noch deutlich zu erkennen. Die meisten umgeknickten Bäume wurden mittlerweile beräumt und die Flächen wieder aufgeforstet, s
Erst „Herwart“, dann „Friederike“: Vor einem Jahr fielen ganze Waldabschnitte den Orkantiefs zum Opfer. Die Spuren der Stürme sind noch deutlich zu erkennen. Die meisten umgeknickten Bäume wurden mittlerweile beräumt und die Flächen wieder aufgeforstet, s © Dietmar Thomas

Region. Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometer, Stromausfälle, abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, Rettungskräfte im Dauereinsatz und am Limit – vor genau einem Jahr wütete das Sturmtief „Friederike“ über Sachsen hinweg. Nach einigen Stunden orkanartiger Windböen war das Ausmaß des extremen Wetters besonders dramatisch in den Wäldern zu sehen. Ganze Waldstücke fielen dem Sturm zum Opfer.

Während an vielen Gebäuden, die vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurden, die Spuren schon beseitigt werden konnten, sind die Wälder Mittelsachsen noch immer schwer gezeichnet. Monatelang mussten umgestürzte Bäume herausgeholt und verarbeitet werden. Übrig geblieben sind große Lichtungen und massenweise Holz.


Vorher-Nachher-Vergleich: Die Löcher im Dach des Kuhstalls im Kloster Buch sind repariert. Fotos: Heiner Stephan/Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: Die Löcher im Dach des Kuhstalls im Kloster Buch sind repariert. Fotos: Heiner Stephan/Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: Das Flachdach bei DMI in Leisnig, war weg und wird jetzt repariert. Fotos: Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: Das Flachdach bei DMI in Leisnig, war weg und wird jetzt repariert. Fotos: Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: Ein Jahr nach Friederike sieht die Zimmermann-Turnhalle schmuck aus. Fotos: Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: Ein Jahr nach Friederike sieht die Zimmermann-Turnhalle schmuck aus. Fotos: Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: In das Gebäude an der Chemnitzer Straße in Leisnig zieht wieder Leben ein. Fotos: Dietmar Thomas
Vorher-Nachher-Vergleich: In das Gebäude an der Chemnitzer Straße in Leisnig zieht wieder Leben ein. Fotos: Dietmar Thomas

Mit ihrer ganzen Macht hatten der stürmische „Herwart“ Ende Oktober 2017 und „Friederike“ nur knapp drei Monate später in den sächsischen Wäldern sogar noch schlimmer gewütet als „Kyrill“ im Jahr 2007. Wochenlang mussten ganze Wälder gesperrt werden. „Herwart“ mit zirka 0,8 Millionen Kubikmeter und „Friederike“ noch einmal mit etwa 1,2 Millionen Kubikmeter haben mehr Schadholz verursacht als „Kyrill“ (1,8 Millionen Kubikmeter). Fast ein Jahreseinschlag, der 2,3 Millionen Kubikmeter beträgt, fiel somit in den Wäldern aller Eigentumsarten Sachsens diesen Stürmen zum Opfer, davon zu 70 Prozent im Wald des Freistaates Sachsen, zu 30 Prozent im Privat- und Körperschaftswald.

Doch nicht nur die Natur hatte dem Sturm nicht viel entgegenzusetzen, auch zahlreiche Gebäude wurden teilweise schwer beschädigt. Das Dach einer Halle der Obstland AG hielt nicht stand. Die Dächer des Döbelner Rathauses , der Pestalozzi-Schule und anderer Gebäude sind teilweise abgedeckt worden. So hatte es auch die Dachdeckung und das Tragwerk des ehemaligen Kuhstalls im Kloster Buch erwischt. Große Löcher klafften im Dach des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Eine Mammutaufgabe für den Förderverein, der die Reparaturkosten in Höhe von rund 100 000 Euro mithilfe von Fördermitteln und Spenden stemmen konnte.

Bei einem unbewohnten Haus an der Ampelkreuzung Chemnitzer-/Colditzer-Johannistal-Straße in Leisnig war eine Esse eingestürzt und hatte Teile des Daches beschädigt. Die Kreuzung und der Fußweg mussten sogar komplett gesperrt werden. Heute zeugt ein Gerüst am Haus und ein neues Dach davon, dass wieder Leben in das Gebäude einkehrt. Auch die Fassade des Nachbarhauses zeigt sich erneuert und verschönert.

Beim Archivdienstleister DMI in Leisnig hatte der Orkan das Dach des dreistöckigen Verwaltungsgebäudes auf der Muldenwiese weggerissen. Den Mitarbeitern sind die stürmischen Stunden vor einem Jahr noch allzu gut im Gedächtnis. Sie mussten sich in den unteren Etagen des Hauses in Sicherheit bringen. „Das ging damals aber ganz geordnet und mithilfe der Feuerwehr ohne Probleme“ erinnert sich Betriebsleiter Bengt Dölitzscher. Doch auch hier werden die Spuren des Sturmtages nun beseitigt, das Gebäude ist eingerüstet, die Arbeiten am neuen Dach haben begonnen. Bengt Dölitzscher geht davon aus, dass die Reparatur bei guter Wetterlage im Februar abgeschlossen werden kann. Verzögert hatte sich die Maßnahme, weil im Zusammenhang mit den ohnehin geplanten umfangreichen Sanierungsarbeiten des gesamten Standortes technische Fragen zu klären waren. Etwa zehn Millionen Euro sollen in den Leisniger Standort investiert werden.

Die Zimmermann-Turnhalle in Leisnig ist fast nicht wieder zu erkennen. Nachdem sich Friederike auch hier an Dach und Fassade mächtig ausgetobt hatte, waren Reparaturarbeiten dringend nötig geworden. So bekam die Turnhalle mittlerweile eine völlig neue Ansicht. Mithilfe von Fördermitteln wurde nun auch noch die Heizungsanlage modernisiert. Mit Gesamtkosten von rund 67 000 Euro steht die Sportstätte rundum erneuert da.