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Suche nach Azubis wird schwieriger

Das Ausbildungsjahr beginnt in wenigen Tagen. Viele Lehrstellen sind aber noch unbesetzt. Die Gründe sind vielfältig.

© André Braun

Von Verena Toth

Döbeln/Leisnig. Für Oliver Bergmann hat gerade ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt begonnen. Seit wenigen Tagen ist er als Auszubildender in dem Leisniger Unternehmen Heiche angestellt. Er ist einer von derzeit drei jungen Leuten, die ab diesem Jahr in der Firma ausgebildet werden. „Nun ist bei uns nur noch ein Ausbildungsplatz unbesetzt“, sagt Ute Gersten, in der Firma Heiche Oberflächentechnik verantwortlich für die Lehrstellenbewerber.

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Diese positive Bilanz ist heutzutage längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Für die meisten Unternehmen, vor allem auch in der ländlichen Region, ist es zunehmend schwieriger, geeigneten Fachkräftenachwuchs zu finden. Bundesweit melden 34 Prozent der Betriebe, dass sie nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Manche Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr. Nur wenige Wochen vor dem Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres sind auch im Bereich der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) Chemnitz noch hunderte Lehrstellen unbesetzt.

In der regionalen Lehrstellenbörse im Internet sind aktuell noch über 700 offene Angebote eingetragen. Außerdem gibt es auch schon über 200 Angebote für das Jahr 2019. Dennoch wird der Start des Ausbildungsjahres in der Region Chemnitz optimistisch eingeschätzt, so Gabriele Hecker, Geschäftsführerin Bildung in der IHK Chemnitz. Ausreichend betriebliche Ausbildungsangebote seien vorhanden. „Zum 30. Juni wurden 2305 betriebliche Ausbildungsverträge eingetragen, das sind 2,3 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr“, so Gabriele Hecker.

Lehrstellenbörse online

Die große Ausbildungsmesse „Schule macht Betrieb“ wird am 22. September im WelWel Sport- und Freizeitzentrum Döbeln von 10 bis 15 Uhr veranstaltet.

Auf der Internetseite der IHK Chemnitz können sich junge Leute ausführlich über Ausbildungs- und Praktikumsplätze sowie über die Berufsfelder informieren. Die Lehrstellen Angebote gibt es unter www.karriere-rockt.de

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Warum eine große Lücke zwischen Angebot und interessierten Bewerbern klafft, versuchte die IHK mit einer Befragung unter den Ausbildungsunternehmen herauszufinden. Im Frühjahr konnten sich Firmen an der Online-Umfrage beteiligen. Bundesweit machten 10 335 Unternehmen mit, in der Region Chemnitz waren es 123. Der häufigste Grund für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen sei demnach der Mangel an geeigneten Bewerbern.
„70 Prozent der Betriebe haben zwar Bewerbungen erhalten, die Bewerber waren aber nicht geeignet für den angebotenen Ausbildungsplatz. Als größtes Ausbildungshemmnis sehen die Unternehmen die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger über Berufsbilder und die Anforderungen an die Ausbildung“, erläutert Gabriele Hecker. Die Berufsorientierung müsse daher noch mehr ausgebaut und praxisorientierter werden – insbesondere an den Gymnasien, so die Forderung.

Genau das hat die Leisniger Firma AEL Apparatebau Leisnig bei ihrer Lehrlingssuche bereits berücksichtigt. Mit Erfolg: In diesem Ausbildungsjahr werden sieben Nachwuchskräfte ihre Lehre beginnen. Dass die Firma alle Stellen besetzen konnte, ist aber kein Zufall. „Wir kennen die meisten der Azubis bereits von Praktika oder Ferienarbeit, die sie bei uns absolviert haben. Somit wissen sie, was sie bei uns erwarten können und welche Aufgaben für sie anstehen“, erläutert Nicole Liebernickel. Und auch der Ausbildungsbetrieb selbst hat den Vorteil, seine künftigen Azubis schon zu kennen. In vier verschiedenen Berufen bildet das Unternehmen aus.

Auch der Kontakt zu den Berufsschulen sei gut. „Da gibt es eigentlich keine Probleme“, so Nicole Liebernickel. Schwieriger sei für die jungen Leute eher, dass sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch in die Berufsschule kommen können. Die Verbindung nach Chemnitz sei ein großes Problem. Vor allem diejenigen, die noch minderjährig sind und nicht selbst Auto fahren dürfen, seien oft gezwungen, dort das Internat zu besuchen. „Das ist natürlich für manche eine große Hürde“, erläutert sie. Viel einfacher wäre es, wenn die Azubis stattdessen in Leipzig die theoretische Ausbildung machen könnten, weil die Verkehrsanbindung in den Norden wesentlich besser ist. Doch das wird ein Wunsch bleiben, denn Leisnig gehört zum Landkreis Mittelsachsen und somit zum IHK-Bezirk Chemnitz.

Auch Ute Gersten ist froh, für fast alle Azubi-Stellen einen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben. „Es wird tatsächlich immer schwieriger, interessierte, junge Leute für die verschiedenen Berufe zu begeistern“, schätzt sie ein. Bewerbungen erhalte sie dennoch recht viele. „Wenn ich dann unter den Bewerbern den oder die Richtige gefunden habe und das Gespräch erfolgreich verlaufen ist, ist es fast wie ein Jackpot beim Lotto. Da müssen wir nicht ewig weitersuchen“, freut sie sich. Dass der Ausbildungsplatz im Bereich Büromanagement noch offen ist, sei ein unglücklicher Umstand. „Wir hatten auch hier schon unsere geeignete Bewerberin gefunden. Leider ist sie krank geworden, sodass sie die Stelle letztlich doch nicht antreten konnte“, berichtet Ute Gersten.