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Supermodel der ersten Stunde

Kleine Zahnlücke, leichter Silberblick und die Nase etwas schief. Doch Lauren Hutton ist auch mit 75 noch im Geschäft.

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© picture alliance / dpa

Von Barbara Munker, Los Angeles

Ihre Chancen waren denkbar schlecht, ein Supermodel zu werden. Als Lauren Hutton Mitte der 60er-Jahre in New York bei Agenturen anklopfte, bekam sie eine Abfuhr: zu alt (mit 22), zu klein (bei 1,70 Metern), eine zu große Lücke zwischen den Schneidezähnen und nach eigenem Bekunden eine „knollige, krumme“ Nase, wie Hutton einst der New York Times erzählte.

Auch Eileen Ford, die legendäre Gründerin der New Yorker Modelagentur Ford Models, hätte ihr gleich empfohlen, ihre Nase richten zu lassen. Hutton weigerte sich, wurde am Ende aber doch unter Vertrag genommen und wurde zu einem von Fords berühmtesten Models. Als Naturschönheit mit frech-erotischer Ausstrahlung hob sich Hutton von den stark geschminkten Models der 60er ab.

Mehr als 50 Jahre danach flaniert sie immer noch über Laufstege. Hutton, die am Samstag 75 Jahre alt wird, steht vor Filmkameras und prangt auf den Titelseiten von Modemagazinen. Die zarte, blonde Amerikanerin, die als Supermodel der ersten Stunde gilt, machte mit 73 Unterwäsche-Werbung für Calvin Klein. Kurz vor ihrem 74. Geburtstag machte sie Geschichte als das älteste Model auf dem Cover der italienischen „Vogue“. Dies sei die wichtigste Titelseite ihrer Karriere gewesen, sagt Hutton. Eine Frau ihres Alters, die lacht, attraktiv und voller Leben ist, könne die Gesellschaft ändern, erklärte Hutton.

Starfotografen wie Richard Avedon und Helmut Newton rissen sich um die Blondine. Mit 30 Jahren wurde sie als Revlon-Gesicht zum Millionen-Dollar-Model. Es war der erste Vertrag in der Branche, der ein Model exklusiv mit einer Kosmetikfirma verband. Der Vertrag mit Revlon lief aus, als sie 40 wurde, zehn Jahre später war sie wieder an Bord. Die Branche respektierte ihren Wunsch, ohne Schönheitsoperationen ihr wahres Alter zu zeigen. Mit 61 ließ Hutton für die Zeitschrift Big die Hüllen fallen. Auch als Schauspielerin machte sie Karriere. 1970 drehte Hutton mit Robert Redford den Rennsportfilm „Stromer der Landstraße“. In „Ein Mann für gewisse Stunden“ (1980) wurde sie von Richard Gere verführt, und in diesem Jahr war sie an der Seite von Amy Schumer in der Komödie „I Feel Pretty“ zu sehen. (dpa)