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Party-Gag Marke „Migrantenschreck“

Ein Arzt aus der Oberlausitz bestellt bei einem rechten Onlinehandel verbotene Waffen. Dafür stand er nun vor Gericht.

© Toni Lehder/ LausitzNews

Von Sebastian Kositz

Die ganze Aufregung kann er nicht verstehen. Der 66-Jährige aus Wehrsdorf gibt sich selbstbewusst, winkt lachend ab. Schließlich, so sagt er, sei doch alles nur ein Spaß gewesen. Zwei Revolver hatte der Mediziner bei dem jedoch weniger lustig klingenden Internetportal Migrantenschreck bestellt. Waffen, die als „Meinungsverstärker“ angeboten wurden, um seinem „Ärger Luft“ zu machen. Ärger bekam der Lausitzer dann tatsächlich. Monate nach der Bestellung stand die Polizei vor seiner Tür, am Mittwoch fand er sich auf der Anklagebank im Amtsgericht Bautzen wieder – wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

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Monatelang waren über den dubiosen Internetshop mit der Bezeichnung Migrantenschreck in Deutschland verbotene Waffen verkauft worden. Dahinter steckte ein Verkäufer, der den Vertrieb mit Hetze gegen Flüchtlinge und der Angst vor Ausländern befeuert hatte. Eine Waffe wurde sogar mit Bezug zu Bautzen angeboten – „Migrantenschreck DP 120 Professional Bautzen Edition“. Angepriesen für alle, die es „sich nicht gefallen lassen wollen, dass ihre Stadt zum Tummelplatz von Asylforderern wird.“ Mehr als 300 Menschen hatten dort bestellt. Die Kundenliste fiel den Ermittlern in die Hände, die Anfang 2017 das Portal dichtgemacht hatten.

Gegen Ausländer, das beteuert der Arzt, habe er allerdings gar nichts. Er habe selbst im Ausland gearbeitet. Die Waffen habe er lediglich bestellt, um auf seiner Feier zum 65. Geburtstag in seinem Garten für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen. „Ich bin fest davon ausgegangen, dass es reines Spielzeug ist“, erklärt der Mediziner. Die Revolver zum Verschießen von Gummigeschossen – das sei doch durchaus etwas, um während der Feier die „Mannschaft bespaßen zu können“, dachte sich der Internist, der seit Jahren Mitglied in zwei Schützenvereinen ist und auch einen Waffenschein vorweisen kann.

Mitte Juli 2017 orderte er für fast 1 170 Euro zwei Komplettpakete des Modells mit dem Namen „Antifaschreck“. Und das vermeintliche Schießspielzeug kam offenbar gut an. Von den hetzerischen Werbetexten will der 66-Jährige bei der Bestellung allerdings nichts mitbekommen haben.

Amtsrichter Ralf Nimphius hielt die Erklärungen des „Spielzeugs für die Geburtstagsfeier“ für durchaus plausibel. Auf seine Anregung hin wurde das Verfahren gegen Auflage eingestellt. Der Mediziner muss nun 5 000 Euro an die kriminalpräventive Gesellschaft Bürger und Polizei in Bautzen spenden. Ein teurer Geburtstagsspaß.