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Thielemann übergibt seine Firma

Zur Ruhe setzt sich der Stadtrat aber nicht. Er verbringt unter anderem Zeit in Bayern – als Miteigentümer eines Hotels.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Begonnen hat alles in den eigenen vier Wänden. Seine Firma für Heizung, Klima und Sanitär gründete Christian Thielemann Anfang der 90er-Jahre in seinem Wohnhaus. Auf den Handwerkerpfad kam der Unternehmer allerdings schon viel früher. „Mein Opa hatte eine Schmiede, wo auch mein Vater gearbeitet hat. Was handwerkliche Arbeiten anging, haben wir alles gemacht.“ Thielemann stammt aus Schirmenitz, nördlich von Strehla. Schon mit dreizehn Jahren ging der kleine Christian mit auf die Baustellen in der Region. Das war prägend. Seine Lehre und die ersten Berufsjahre verbrachte er bei der Riesaer Firma Epperlein.

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Langweilig wird dem 61-Jährigen Risaaer Christian Thielemann nun sicher nicht. So gehört er etwa zur Eigentümergemeinschaft des Hotels Sonnenhof.
Langweilig wird dem 61-Jährigen Risaaer Christian Thielemann nun sicher nicht. So gehört er etwa zur Eigentümergemeinschaft des Hotels Sonnenhof. © Sonnenhof

Wäre es nach Thielemann gegangen, er hätte sich schon viel eher selbstständig gemacht. Doch wer einen eigenständigen Handwerksbetrieb in der DDR gründen wollte, brauchte wohl gute Kontakte oder unendlich viel Glück. „Mich hat das damals sehr frustriert.“ Daher schloss er sich im November 1989 auch den Demonstranten in Leipzig an. Die Selbstständigkeit musste also warten. „Nach der Wende musste ich dann meinen Meister machen, um meinen eigenen Betrieb zu führen. Bis 1993 musste ich damit fertig werden, sonst hätten sie mir das Gewerbe wieder weggenommen.“

Als es im eigenen Wohnhaus langsam zu eng wurde für Familie und Firma, musste sich Thielemann entscheiden: auf Kurs bleiben oder wachsen. Er entschied sich für die Expansion und kaufte die Gebäude an der Langen Straße 12 und 14 mit Büros, Lager, Ausstellungshalle, Werkstatt – bis heute Sitz der Firma. Die richtige Entscheidung, wie er heute findet. Trotzdem hat er jetzt, mit 61 Jahren und nach 45 Berufsjahren, genug. Die Gesundheit spielt nicht mehr mit, außerdem ist er seit diesem Jahr Opa. Die Enkeltochter in Mannheim soll ihn nicht nur von Fotos kennen. Auch sonst hat Thielemann noch genug zu tun.

Er sitzt im Stadt- und im Kreisrat für die FDP. Außerdem ist der Riesaer seit einigen Jahren Miteigentümer eines Hotels im bayerischen Bad Birnbach. Thielemann besitzt einige Appartements im „Sonnenhof“. Das Haus im „niederbayerisches Bäderdreieck“ wirbt unter anderem mit Restaurant, Biergarten, Massagepraxis, Kosmetik und hauseigenen Golfcarts. Auf das Hotel aufmerksam geworden sind Thielemann und seine Lebensgefährtin bei einem Besuch vor etwa zehn Jahren. „Das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.“ Thielemann hat auch Wohnungen und Grundstücke in Riesa, aber das Vermieten lohne sich kaum. „Aus zehn Mark Kaltmiete pro Quadratmeter sind fünf Euro geworden. Trotz Investitionen.“ Also kaufte er lieber ein Apartment nach dem anderen im Sonnenhof. „Aber ohne jemals Schulden gemacht zu haben.“ Das ist ihm wichtig.

Seine Riesaer Firma hat Christian Thielemann schon im September abgegeben. Trotzdem verbringt er noch viel Zeit an der Langen Straße. Sein Nachfolger, Danny Klingst, war vorher bei der städtischen Tochtergesellschaft WGR beschäftigt. Einer seiner größten Auftraggeber. Ursprünglich sollte die Nachfolgerrolle ein anderer übernehmen. Doch ein tragischer Vorfall kam vor etwa fünf Jahren dazwischen. „Eigentlich stand mein Nachfolger schon fest: Ein junger Mann, Absolvent der BA Riesa, hatte bei mir gelernt. Mit 27 Jahren ist er plötzlich verstorben.“ Woran, das sei bis heute unklar. Und dann? Bekanntlich ist es für Handwerksbetriebe nicht so leicht, einen Nachfolger zu finden – zumal, wenn sich die Kinder für einen anderen Beruf entscheiden.

Thielemanns einzige Tochter leitet zwei Altenheime. Große Probleme bei der Suche hatte Thielemann dann aber doch nicht. „Ich habe die Firma über die Handwerkskammer ausgeschrieben. Da hat sich gleich ein Dutzend Interessenten gemeldet.“ Doch die allermeisten, Betriebe von außerhalb, wollten seine Firma einfach schlucken. „Aber das wollte ich partout nicht. Auch wenn es finanziell lukrativ gewesen wäre“, so Thielemann. Ein guter Mann aus der Region sollte es sein. Den hat Thielemann nun gefunden.