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Tod auf der Waldbühne

Was wird über Bischofswerda und die Region geschrieben und wer schreibt?

© Repro: SZ

Von Gabriele Naß

Bischofswerda. Ein Mord auf der Waldbühne in Bischofswerda? Ja klar, bei den jährlichen Karl-May-Inszenierungen der Spielgemeinschaft bleibt das nicht aus. Aber das ist nicht gemeint. Gemeint ist ein richtiger Mord. Harry will seinen verhassten Chef loswerden.

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Es ist 2003 als sich Harry, in Bischofswerda seit zwanzig Jahren ein tadelloser Angestellter, auf die Waldbühne begibt. Wie jedes Jahr im Sommer freut er sich auf Winnetou und Old Shatterhand und diesmal erst recht, weil es zum ersten Mal neben der Kinder- auch eine Erwachsenenbesetzung gibt. Dass er dort ausgerechnet den Markus Wendler ständig im Blickfeld hat, seinen ihm vor die Nase gesetzten jungen Boss, ist Zufall, aber verhängnisvoll. Nur ein „rundliches Ehepaar“ kann verhindern, dass Harry mit der zwischen den Requisiten gefundenen spitzen Stange auf Wendler losgeht und ihn tödlich verletzt. Harry verfolgt den Mann weiter, versucht sein Wurfgeschoss zu landen – und schließlich erwischt er Wendler am Fuß. Der schreit auf, Harry duckt sich weg.

Die Geschichte ist damit noch längst nicht zu Ende erzählt, aber nachzulesen im 2015 bei Gmeiner-Verlag erschienenen „Kriminellen Freizeitführer – Wer mordet schon in der Oberlausitz?“.

Schauplätze besucht

Es ist eine von Anfang bis Ende amüsante Lektüre. Dazu erfährt mal viel auch über Bischofswerda und die Region. Die Autoren Sören Prescher und Silke Porath haben sie mit der Hilfe von Familie und Freunden, die sich hier auskennen, gut studiert und zu Schauplätzen gemacht. Harry etwa zieht von der Waldbühne weiter in den Tierpark. Hier tut unser Held so, als würde er die Nasenbären beobachten, in Wahrheit aber sitzt zwischen Bärencafè und dem kleinen Teich der Wendler auf einer ausgebreiteten Decke. „Personen und Handlung sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt“, heißt es im Vorwort. Tatsächlich hat man beim Lesen durch das geschickte Zusammenspiel mit den Schauplätzen oft das Gefühl, es könnte sich hier genauso abgespielt haben. Und man selbst ist mittendrin, weil man die Orte gut kennt, an denen es zum Beispiel unseren Harry umtreibt. Das macht es spannend beim Lesen und das ist genauso gewollt. Das Autorenduo band dafür den Fantasyautoren Robert Krauss ein.

Insgesamt enthält der „Kriminelle Reiseführer elf humorvolle Kurzkrimis, die alle in der Oberlausitz spielen. Darüber hinaus bekommt der Leser 125 Freizeittipps. Die Autoren sagen, sie wollen mit ihrer Lektüre den Blick auf die Oberlausitz „aus einer ganz anderen Perspektive eröffnen“ und dazu beitragen, „die sehenswerte Region auf eigene Faust zu entdecken“. Beides gelingt.

Wer mordet schon in der Oberlausitz?: 341 Seiten, ISBN 978-3-8392-1779-5, 12,99 Euro