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„Trauer hilft der Seele“

Hospizdienst und Bürgerhilfe eröffnen in Bärenfels ein Trauercafé. Dazu gehört auch ein Fahrdienst.

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© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Bärenfels. Der ambulante Hospizdienst der Johanniter startet zusammen mit der Bürgerhilfe Sachsen am Dienstag, dem 5. Juli, ein Trauercafé in Bärenfels. Es wird ehrenamtlich von der Hospizhelferin Marion Günzel geleitet. Die Sächsische Zeitung sprach mit ihr und Martina Crämer-Nann, die als Koordinatorin für den Hospizdienst tätig ist, über das neue Projekt.

Frau Günzel, Frau Crämer-Nann, an wen wendet sich das neue Trauercafé?

Günzel: Wir wollen alle erreichen, die jemanden verloren haben, denen zum Beispiel ein naher Angehöriger gestorben ist. Wenn dann jemand das Bedürfnis hat, sich auszutauschen, darüber zu sprechen und vielleicht im privaten Umfeld nicht die Möglichkeit dazu hat, ist das ein Angebot. Wer Menschen sucht, die in der gleichen Situation sind, ist herzlich willkommen.

Wie kann man sich so ein Treffen vorstellen?

Günzel: Es heißt nicht umsonst Trauercafé. Wie werden uns am Anfang erst einmal kennenlernen. Dazu ist ein gemeinsames Kaffeetrinken sicher hilfreich. Das Ziel ist dann, den Menschen in ihrer Trauer zu helfen. Denn Trauer ist ganz wichtig. Sie trägt zur Gesunderhaltung der Seele bei. In unserer Gesellschaft werden aber Themen wie Tod und Trauer oft verdrängt. Durch das Verdrängen der Trauer können seelische Probleme entstehen.

Wie sieht diese Hilfe aus?

Günzel: Wir erinnern uns an die Verstorbenen. Die Teilnehmer können Bilder mitbringen oder andere Dinge, die sie daran erinnern, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben. Meditation kann dabei helfen oder auch Spaziergänge in der Natur. Gerade die Natur zeigt uns, wie vergänglich alles ist, dass aber aus Vergangenem immer wieder Neues entsteht. Das kann Trost bieten.

Crämer-Nann: Auch feste Rituale sind eine Methode, um mit Trauer umzugehen.

Wie kamen Sie auf Bärenfels als Standort?

Crämer-Nann: Das Trauercafé ist in Zusammenarbeit mit der Bürgerhilfe entstanden, die dort ihren Sitz hat. Das Trauercafé wird in Räumen der Bürgerhilfe stattfinden. Unser Hospizdienst hat schon ein Trauercafé in Dohna. Aber für die Menschen aus dem Osterzgebirge ist das weit weg. Die kommen nicht nach Dohna. In der Regel sind es doch ältere Leute, die es besuchen. Manche von ihnen habe auch kein Auto.

Wie gelangen die Teilnehmer dann nach Bärenfels?

Günzel: Die Bürgerhilfe bietet ihren Fahrdienst an. Wer sich vorher dafür anmeldet, wird abgeholt und auch wieder nach Hause gefahren.

Wie läuft das Trauercafé in Dohna?

Crämer-Nann: Es findet im monatlichen Rhythmus statt und hat zwei bis sieben Besucher.

Was machen Sie in Fällen, in denen ihre Begleitung nicht ausreicht?

Günzel: Es ist wichtig, dass wir auch unsere Grenzen erkennen. Wir sind ja Laien. Wenn jemand professionelle Hilfe braucht, raten wir dazu und vermitteln. Wir bieten auch Einzelbegleitung an, wenn jemand in der Gruppe sich nicht öffnen kann.

Frau Günzel, Sie leiten das Trauercafé. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich wohne in Hartmannsdorf und bin von Beruf Bauplanerin und Yogalehrerin. Das Thema hat mich immer schon interessiert und in meiner Ausbildung zur Yoga-Lehrerin bin ich näher damit in Kontakt gekommen. Ich habe dann bei den Johannitern die Ausbildung zur Hospizhelferin gemacht. Ich bin christlich aufgewachsen. So ist mir bewusst, dass das Leben endlich ist. Daher will ich etwas weitergeben, speziell auch an Sterbende und Trauernde.