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Trauer um Reinhard Höppner

Sachsen-Anhalts früherer Regierungschef starb mit 65 Jahren an Krebs. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Höppner als „mutigen Politiker“, der sich vehement für den Osten eingesetzt hat.

© dpa

Magdeburg. Der frühere SPD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, ist tot. Er erlag in der Nacht zum Montag einer Krebserkrankung, wie von dem ehemaligen Regierungssprecher und Höppner-Vertrauten Franz Stänner zu erfahren war. Der 65-Jährige litt seit Jahren an Krebs. Höppner ging in die Politik-Geschichte ein als der erste Ministerpräsident, der mit Hilfe der damaligen PDS - der heutigen Linkspartei - ins Amt kam.

SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Höppner als „mutigen Politiker“. „Er war ein aufrechter Sozialdemokrat mit großem Herzen“, erklärte er. „Seine vermittelnde, ausgleichende Art haben die Menschen in Sachsen-Anhalt und politische Weggefährten parteiübergreifend sehr geschätzt.“

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Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) erklärte, das Land verliere mit Höppner „eine Persönlichkeit, die als Vizepräsident der Volkskammer, in zwei Legislaturperioden als Ministerpräsident und bis in die Gegenwart als Repräsentant der EKD unser Land Sachsen-Anhalt maßgeblich geprägt hat“.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat Höppners um Ostdeutschland gewürdigt. „Ich bin tief betroffen über den Tod dieses aufrichtigen und zugleich humorvollen Politikers und Kirchenmannes“, erklärte Woidke in Potsdam. Der demokratische Umbruch in der DDR bleibe ebenso mit dem Namen des Sozialdemokraten verbunden wie die Konsolidierung der neuen Bundesländer im vereinten Deutschland: „Reinhard Höppner hat sich stets für die Interessen der Ostdeutschen eingesetzt und dabei immer auch den Schulterschluss mit den anderen Ministerpräsidenten der neuen Länder gesucht.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Höppner nach dessen Tod als „mutigen, aber auch feinsinnigen Politiker“ gewürdigt. In vielen politischen Funktionen, etwa als Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer in der DDR oder als „versierter Politiker im Landtag“ und Ministerpräsident habe er „einen unverzichtbaren Beitrag zum Zusammenwachsen Deutschlands geleistet und insbesondere in Sachsen- Anhalt soziale und demokratische Maßstäbe gesetzt“, erklärte Wowereit am Montag in Berlin.

Vehementer Einsatz für den Osten

Als Ministerpräsident hatte sich Höppner stets vehement für die Interessen der ostdeutschen Bundesländer eingesetzt. Von 1994 bis 2002 war er Regierungschef von Sachsen-Anhalt. Der Sozialdemokrat bildete als erster Ministerpräsident der Bundesrepublik eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Tolerierung durch die PDS abhängig war. Acht Jahre hielt sein „Magdeburger Modell“, ehe Höppner 2002 eine dramatische Wahlniederlage erlitt.

Nach dem Absturz der SPD um fast die Hälfte ihrer Stimmen auf noch 20 Prozent übernahm Höppner die politische Verantwortung, blieb aber Landtagsabgeordneter. Erst im Januar 2006 verabschiedete er sich aus der Politik, damals war er bereits erkrankt.

Der Pfarrerssohn, promovierte Mathematiker und frühere Fachbuch-Lektor war bereits in der DDR kirchlich stark engagiert. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wirkte er weiter in kirchlichen Ämtern und blieb ein gefragter Redner. Er war unter anderem 14 Jahre lang Präses der Synode der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen. Im Oktober 2005 übernahm er als Nachfolger von Eckhard Nagel bis 2007 das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Höppner hinterlässt eine Ehefrau und drei erwachsene Kinder.(dpa)