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"Wir bauen die Balzhütte wieder auf"

Das beliebte Ausflugsziel in der Böhmischen Schweiz liegt noch in Schutt und Asche, aber Eigentümer Ivo Goedhart gibt nicht auf.

Der Eigentümer der Balzhütte Ivo Goedhart und seine Frau Barbora Laštuvková stehen vor einem Neuanfang. Wer bei ihnen ein Bier trinkt, ist schon eine große Hilfe.
Der Eigentümer der Balzhütte Ivo Goedhart und seine Frau Barbora Laštuvková stehen vor einem Neuanfang. Wer bei ihnen ein Bier trinkt, ist schon eine große Hilfe. © Steffen Neumann

Der tschechische Kartenserver mapy.cz hat die Balzhütte in der Böhmischen Schweiz schon gestrichen. Man kann unter der Adresse Rynartice 81 zwar noch etwas finden. Aber die Ortsmarke landet nur auf einer grauen Fläche. Die zwei Gebäude, die hier bis Mitte Mai noch standen, sind nicht mehr eingezeichnet.

„Aber wir sind noch da“, sagt wie zum Trotz Eigentümer Ivo Goedhart. „Alle glauben, es hat gebrannt und hier gibt es nichts mehr.“ Doch der Eindruck stimmt nicht, so Goedhart. Er steht vor einem Fass, das als einziger „Bau“ den Brand überlebt hat. Dort hat er eine kleine Werkstatt, in der er gerade das Hinterrad von einem seiner Roller mit Luft versorgt. „Ein Teil der Rollerflotte hat den Brand überstanden, 15 haben wir neu gekauft, sodass wir wieder vermieten“, erzählt er. Da die Roller an Orten in der Umgebung abgegeben werden können, ergebe sich für Besucher eine attraktive Rundtour: „Hoch zu uns wandern und zurück nach unten nur rollen“, so Goedhart.

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Zudem hat er einen Anhänger aufgestellt, aus dem er Getränke und Snacks verkauft. „Die Varnsdorfer Brauerei Kocour hat uns den Wagen, Biertischgarnituren und Schirme fast geschenkt. Wir zapfen Kocour-Bier und Limonade“, erzählt Goedhart. Es gibt auch Gulaschsuppe und auf der Terrasse steht ein Grill, auf dem man Hamburger grillen kann. „Bei uns ein Bier zu trinken, ist der beste Weg, uns zu unterstützen“, sagt er. Doch seit Deutschland eine Reisewarnung für Tschechien ausgegeben hat, kommen noch weniger Gäste.

Am Morgen nach Himmelfahrt brannte die Balzhütte ab.
Am Morgen nach Himmelfahrt brannte die Balzhütte ab. © privat

Dieses Provisorium ist nicht vergleichbar mit der gemütlichen Hütte, die südlich von Hinterhermsdorf auf tschechischer Seite liegt. Aber für Goedhart geht es ans Eingemachte. „Natürlich haben wir gerade viele Probleme, aber unser größtes ist, dass bis zu 80 Prozent weniger Besucher kommen. Das liegt auch an Corona, aber vor allem daran, dass uns hier keiner mehr erwartet“, so der Niederländer, der seit über 20 Jahre in Tschechien lebt. Er und seine Frau Barbora Laštůvková brauchen Unterstützung. Denn was die Bauden angeht, steht tatsächlich kaum noch etwas. Alles ist mit Flatterband abgesperrt. Mitten im Wald ist von dem historischen Holzhaus nur noch der Rest eines Schornsteins und die Terrasse zu sehen. Vom Nebengebäude stehen nur noch Teile der Hausmauern.

Graf Kinsky betrieb hier einst ein Wildgehege für Auerhähne. Deshalb tragen die von ihm errichteten Blockhäuser den Namen Balzhütte. Als die Hütten am Freitagmorgen nach Himmelfahrt abbrannten, stand Goedhart unter Schock. Anfragen der Presse lehnte er ab. „Ich hätte noch nicht darüber sprechen können. Das war zu emotional“, sagt er. Doch inzwischen hat er sich gefasst und neuen Mut gewonnen. Er will es noch einmal wissen. „Wir bauen die Balzhütte wieder auf. Dieses Baudenkmal muss für die nächste Generation geschützt werden“, erklärt er. „Es kann nicht sein, dass das, was ich 20 Jahre aufgebaut habe, so endet.“ Er erinnert daran, wie er die Bauden vor fast 21 Jahren kaufte. „Die standen zehn Jahre leer und waren damals völlig zerstört“, sagt er.

Der 48-jährige hatte sich in den 1990ern in die Berge Nordböhmens verliebt. Erst kam er zu Besuch, dann studierte er in Ústí nad Labem (Aussig) und dann baute er ein Reisebüro auf. „Ich veranstaltete Reisen nach Böhmen für niederländische Touristen und brauchte immer Unterkünfte, bis ich etwas Eigenes suchte“, erzählt er, wie er zum Kauf der Balzhütte kam. Das Geschäft lief gut. Doch nach zehn Jahren zog er sich zurück und überließ die Hütte einem Betreiber. Nun übernimmt er mit seiner tschechischen Frau wieder die Regie. „Die Qualität hatte in den letzten zehn Jahren etwas gelitten“, räumt er ein.

So soll die Balzhütte wieder aussehen; links steht heute der Kiosk.
So soll die Balzhütte wieder aussehen; links steht heute der Kiosk. © privat

Für den Aufbau der größeren Hütte von 1906 sieht er weniger Probleme. Die sei aus Holz und damit schnell wieder aufgebaut. Schwieriger wird es bei dem Nebengebäude, das in den 1930er-Jahren zwar auch mit Holz verkleidet wurde, aber ein Ziegelskelett hat. „Hier ist die Frage, ob das Denkmalamt moderne Materialien zulässt oder auf der historischen Bauweise besteht. Im ersten Fall wäre es natürlich günstiger und würde schneller gehen“, sagt Goedhart.

Es war keine Brandstiftung

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zunächst muss er den Abschluss der polizeilichen Ermittlungen abwarten. „Die dauern noch. Wir warten auf die Gutachten. Wann sie eintreffen, ist nicht abzusehen“, sagt Polizeisprecher Daniel Vítek. Aber Brandstiftung könne er ausschließen.

Erst wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann Goedhart mit der Versicherung verhandeln. Die eigentliche Herausforderung steht noch bevor. „Ich muss mich mit den Behörden einigen: mit dem Denkmalschutzamt, dem Bauamt. Der wichtigste Faktor ist aber der Nationalpark“, weiß er. „Da sind die Beziehungen angespannt. Als ob ich nicht schon genug Probleme hätte, haben sie mir nach dem Brand das Wasser abgestellt und die Sondererlaubnis entzogen, hierher mit dem Auto zu fahren“, sagt er. „Die Ausnahme vom Einfahrverbot bezog sich auf Gäste, die es nicht mehr gibt. Eigentümer einer Immobilie brauchen die nicht. Denen steht die Zufahrt zu ihrem Eigentum vom Gesetz her zu“, versteht Nationalparksprecher Tomáš Salov die Aufregung nicht. Auch mit dem Wasser sei es anders. „Die Firma Bohemian outdoor sports GmbH schuldet seit Jahren die Gebühren für das Wasser. So lange es die Balzhütte gab, haben wir zwar auf Zahlungen bestanden, das Wasser aber nicht abgestellt. Sobald die Schulden beglichen sind, können wir da verhandeln.“

Salov betont, dass der Nationalpark keine Hürden erhebt, die Hütten wieder aufzubauen, erst recht nicht, wenn es tatsächlich um Repliken der früheren Bauten geht. Dennoch scheint es ein Kommunikationsproblem zwischen Goedhart und dem Park zu geben. „Ein direkter Austausch findet praktisch nicht statt. Die an Goedhart gesandte Post kommt zu uns zurück. Und wenn wir ihn um eine Telefonnummer gebeten haben, lehnte er immer ab“, so Salov. Auch Goedhart scheint sich bewusst zu sein, dass er etwas ändern muss. „Ich muss jemand finden, der mit dem Nationalpark sprechen kann“, sagt er.

Balzhütte: Bis Ende Oktober: Fr.-So. 11-17 Uhr, dann wieder ab Ostern geöffnet. Rollerverleih, ab 6 Personen mit Reservierung: +420723125993. In der Nachbarschaft stehen noch vier weitere Blockhütten, davon eine mit Pension und Restaurant.

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