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Corona: Tschechien sagt Weihnachtsmärkte ab

Die Corona-Maßnahmen in Tschechien wurden noch einmal verschärft. Bis Ende Dezember gilt ein neuer Notstand.

Von Steffen Neumann
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Auf Arbeit darf in Tschechien nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Am Freitag waren über 59 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Symbolfoto: Kay Nietfeld/dpa
Auf Arbeit darf in Tschechien nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Am Freitag waren über 59 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Symbolfoto: Kay Nietfeld/dpa © Hájek Vojtìch/CTK/dpa

Ende vergangener Woche war in Tschechien Dresden in aller Munde. Fast alle Medien fragten sich, ob der berühmte Striezelmarkt wohl stattfinden könnte. Der bangen Frage folgte das aufrichtige Bedauern, dass das beliebte Reiseziel vieler Tschechen in der Vorweihnachtszeit nun doch abgesagt wurde. Das Internetportal bewertete die Absage verständnisvoll als eine Entscheidung „aus purer Verzweiflung“. In Tschechien kennt man so hohe Infektionszahlen, die derzeit in Sachsen grassieren noch vom Frühjahr. Doch eine Woche später hat Tschechien die Vergangenheit eingeholt.

Konnten einige Weihnachtsmärkte noch zu Wochenbeginn öffnen, ist nun Schluss. Die noch amtierende Regierung von Premierminister Andrej Babiš brachte nur wenige Tage nach einer ersten Verschärfung der Maßnahmen eine neue Verordnung heraus. Anders als in Deutschland, wo die epidemische Notlage beendet wurde, verordnete das Kabinett Babiš Tschechien nach Monaten erstmals wieder einen Notstand.

Die Maßnahmen ähneln denen in Sachsen. Gaststätten haben nur noch bis 22 Uhr geöffnet. Der Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ist verboten. Veranstaltungen im Freizeitbereich sind nur noch für 100 Menschen zugelassen. Ausnahmen gelten für Profiwettkämpfe wie Fußballspiele oder Konzerte. Dort dürfen maximal 1.000 Zuschauer sein und alle müssen sitzen. Anders als in Sachsen bleiben Bars und Diskotheken zwar bis 22 Uhr offen. Allerdings gilt dort wie fast überall schon seit Montag 2G. Auf Arbeit darf nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist. In Schulen, die zunächst offen bleiben, wird wieder flächendeckend getestet.

Wochen- statt Weihnachtsmarkt

Die Maßnahmen der Regierung treffen auf ein geteiltes, vor allem kritisches Echo. Während die einen der Regierung vorhalten, viel zu spät und zu wenig rasant auf die Entwicklung reagiert zu haben, halten die anderen der Regierung Konzeptionslosigkeit vor. So reagierte die Stadt Most (Brüx) verärgert und kündigte an, ihren Weihnachtsmarkt in einen gewöhnlichen Wochenmarkt umzuwidmen und nicht abzusagen. „Wir streichen zwar Teile des Programms, aber wir lassen uns diese Konzeptionslosigkeit nicht gefallen. Nebenan drängeln sich die Menschen im Einkaufszentrum, das bleibt erlaubt. Aber ein Markt an der frischen Luft wird verboten“, reagierte der Oberbürgermeister Jan Paparega in der Zeitung „Mladá fronta Dnes“.

In ganz Tschechien ist die Sieben-Tage-Inzidenz mit 1.231 nur geringfügig höher als in Sachsen. Dabei ist die Lage in den Grenzbezirken zu Sachsen noch am besten mit Inzidenzen zwischen 476 im Bezirk Karlovy Vary und 945 im Bezirk Ústí. Allerdings steigen die Infektionszahlen weiter ungebremst und ein Ende ist nicht in Sicht.

Auch das Impftempo ist in Tschechien höher als in Sachsen. Am Freitag waren über 59 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Nachfrage ist seit Mitte Oktober wieder stetig gestiegen. Täglich werden fast 60.000 Dosen verimpft, darunter rund ein Viertel Erstimpfungen.

Kleiner Grenzverkehr weiter möglich

Weiterhin möglich sind Reisen über die Grenze im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs bis maximal 24 Stunden. Längere Aufenthalte sind für Geimpfte und Genesene mit digitaler Anmeldung möglich. Ungeimpfte müssen bei der Einreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen negativen Antigen- oder PCR-Test vorweisen. Diese Pflicht entfällt, wenn die Einreise mit dem eigenen Pkw erfolgt. Allerdings ist für alle Ungeimpften über zwölf Jahre, egal wie eingereist, nach frühestens fünf bzw. spätestens 14 Tagen ein negativer PCR-Test obligatorisch. Ähnliche Bedingungen gelten bei der Rückreise nach Sachsen, mit dem Unterschied, dass für Ungeimpfte nach Einreise eine zehntägige Quarantäne fällig ist, die nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test abgekürzt werden kann.