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Děčín: Sandstein-goldener Barockglanz

Mit der Gloriette wurde eines der schönsten Bauwerke von Schloss Děčín wiedereröffnet.

Von Steffen Neumann
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Sieht wieder aus wie vor 100 Jahren: die Gloriette von Schloss Decín (Tetschen).
Sieht wieder aus wie vor 100 Jahren: die Gloriette von Schloss Decín (Tetschen). © Steffen Neumann

Es glänzt golden auf der Gloriette in Děčín (Tetschen). Nach gut anderthalb Jahren Restaurierung ist das frühbarocke Kleinod wieder für Besucher geöffnet. Der Sandstein leuchtet frisch. Doch nicht nur das. Es gibt es jetzt mehr zu sehen, als noch vor der Restaurierung. Dazu gehört die Ausrüstung der beiden Gladiatoren, die nun wie einst mit goldschimmerndem Schwert und Dreizack aufeinander losgehen. Auch das golden glänzende Schild fehlte jahrzehntelang am Arm des einen Gladiatoren.

„Die Figuren der Gladiatoren waren wie auch die anderen Figuren in einem schlechten Zustand. Es fehlten Teile des Arms, Körperteile waren beschädigt“, sagt Schlossdirektorin Miroslava Poskočilová. Besucher sehen das beliebte Bauwerk am Ende des Rosengartens nun wieder so, wie zu Zeiten der Thun-Hohensteins. Die Adelsfamilie hatte das Schloss in den 1930er-Jahren an den tschechischen Staat verkauft. Der nutzte es als Garnison. Und so blieb es bis Anfang der 1990er-Jahre. Nach der tschechoslowakischen Armee knüpfte nahtlos die Wehrmacht an, danach die Armee der ČSSR. Nach dem Einmarsch 1968 ließ sich hier die Rote Armee nieder, die es mit dem Abzug der sowjetischen Truppen Anfang der 1990er-Jahre in einem völlig desolaten Zustand verließ.

Restaurierung war überfällig

Lediglich der Rosengarten war vor 1989 für Besucher geöffnet. Das führte aber dazu, dass er am längsten mit der Restaurierung warten musste. Zunächst mussten viele Millionen Euro in das Schloss gesteckt werden, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Für die Restaurierung der Gloriette war es damit höchste Zeit. Sie musste bereits vor über zwei Jahren wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Danach dauerte es noch einmal mehrere Monate, ehe Geld bewilligt wurde und die Restaurierung endlich beginnen konnte. Dabei wurde auch die Grotte saniert. „Auch diesen Teil der Gloriette haben Besucher noch nie so gesehen“, macht Schlossdirektorin Poskočilová neugierig. Die Grotte ist Teil der Führung mit dem bezeichnenden Namen „Barocke Perlen des Schlosses“, zu dem auch die benachbarte Kreuzerhöhungskirche gehört, die die Besucher wie früher die Thun-Hohensteins über einen langen Gang entlang der Langen Fahrt erreichen.

Bis April kehren auch die restlichen Statuen zur Gloriette zurück, verspricht Schlossverwalterin Miroslava Poskocilová
Bis April kehren auch die restlichen Statuen zur Gloriette zurück, verspricht Schlossverwalterin Miroslava Poskocilová © Steffen Neumann

Die Gloriette gehört zu den großartigsten Zeugnissen des Schlosses und gilt heute auch als beliebtes Fotomotiv für Hochzeitspaare. Kaum ein Paar in Děčín, das sich hier nicht hat fotografieren lassen. „Die Gloriette ist wie gemacht dafür. Sie hat Richtung Osten noch so einen Vorsprung, der bei uns nur ‚Titanic‘ heißt in Erinnerung an die berühmte Szene mit Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, wie sie vorn am Bug des Schiffes stehen“, verrät Poskočilová. Neuerdings kann man sich die Gloriette auch für ein Abendessen mieten. „Das werden wir dann in der wärmeren Jahreszeit wieder starten“, sagt Verwalterin Poskočilová. Neu ist auch der Vorplatz der Gloriette, der vorher lediglich mit Steinplatten ausgelegt war. Jetzt befindet sich dort ein umfasstes Stück Rasen. Es sieht noch etwas provisorisch aus, was Schlossverwalterin Poskočilová bestätigt. „Wir sind da noch am Überlegen. Ganz früher im 17. Jahrhundert war an gleicher Stelle ein Bassin. Das lässt sich zwar nicht erneuern. Aber wir würden gern an eine spätere Phase anknüpfen, als sich hier Blumenbeete befanden.

Nächstes Projekt: Rosengarten

Ganz fertig ist die Gloriette übrigens erst im kommenden April. Es fehlen nämlich noch sieben Statuen, ohne die das Bauwerk derzeit etwas nackt aussieht. „Die werden noch restauriert. Von jeder Statue wird dann wie schon bei den Gladiatoren eine Kopie angefertigt, die dann an der Gloriette sowie auf der Brüstung stehen werden. Die Originale können in der gegenüber liegenden Sala Terrena besichtigt werden“, erklärt Poskočilová.

Auch die weitere Restaurierung des gesamten Rosengartens rückt näher. „Wir beantragen gerade Gelder“, sagt Poskočilová. Im Zuge der Restaurierung sollen auch neue Rosenarten angepflanzt werden.

Ein Besuch der Gloriette lohnt auch schon jetzt, ohne Skulpturen. Bis Jahresende kostet der Rosengarten übrigens auch keinen Eintritt. Besucher können den Teil des Schlosses also völlig unabhängig von Führungen besuchen und sich an Rosen und der leuchtenden Gloriette erfreuen.