merken
PLUS Zittau

Was passiert auf Burgs- und Spitzberg?

Die Zukunft für die beiden Hausberge von Varnsdorf bietet Hoffnung für den einen, Ruine für den anderen.

Das historische Gebäude auf dem Burgsberg bei Varnsdorf wird saniert.
Das historische Gebäude auf dem Burgsberg bei Varnsdorf wird saniert. © Arndt Bretschneider

Von Arndt Bretschneider

Burgsberg und Spitzberg: Beide sind sie Hausberge der heute tschechischen Stadt Varnsdorf (Warnsdorf) und liegen unmittelbar an der sächsischen Grenze. Beide hatten seit 120 Jahren eine „Restauration“, wie man Gaststätten in früheren Zeiten nannte. Beide Gipfel krönte einst ein Turm mit prächtiger Fernsicht.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Auf den zur Stadt hin näheren Burgsberg gelangt man per Fahrzeug und zu Fuß bequem, während die Wanderung zum Varnsdorfský Špičák (Spitzberg) kaum unter einer Stunde zu machen ist. Hier trifft man nur noch auf Ruinen und eine kaum entzifferbare Tafel, die Pläne ankündigt, demnächst einen Aussichtsturm errichten zu wollen. Futuristisch anmutende Entwürfe dafür gibt es (siehe kleines Bild); EU-Gelder sollten fließen. 130.000 Euro hatte man an Kosten einkalkuliert. Allerdings wurde das Vorhaben schon 2016 angekündigt und ist bis heute nicht realisiert.

Warnsdorf war das größte „Biemsche Durf“ der kaiserlich und königlichen Donaumonarchie, ehe es 1868 nach Eingemeindung von fünf Dörfern Stadtrecht erhielt. Aufgrund seiner vielfältigen Industrieansiedlungen mit einer großen Zahl rauchender Schlote bekam es jetzt den wenig schmeichelhaften Namen „Manchester Nordböhmens“. Zweifellos war und ist die im Tal der Mandau liegende Stadt kein unbedingtes Sinnbild von Schönheit. Vielleicht gerade deswegen zog es vor allem Söhne damaliger Eliten weit hinaus in die Natur. Die „Warnsdorfer Hütte“ auf 2.336 Metern im Krimmler Achental (Österreich) gehörte zu den ersten Alpenhütten, die 1897 von Kletterfreunden erbaut wurde. Dieser Schwenk sei dem Verfasser gestattet, hat er die stattliche Berghütte doch vor Jahren persönlich aufgesucht.

Bei der Sanierung hilft eine Baubühne.
Bei der Sanierung hilft eine Baubühne. © Arndt Bretschneider

Persönlich mit viel weniger Aufwand aufgesucht hat er vor ein paar Tagen die beiden eingangs erwähnten Hügel an der nördlichen Peripherie Varnsdorfs. Im Gespräch mit Handwerkern und aus Texten und Bildern von am Wege stehender Schautafeln entstand folgender Eindruck:

Sieben Jahre nach der Warnsdorfer Hütte, nämlich erst 1904, wurde auf dem Balkon der Stadt, dem Burgsberg auf 430 Metern Höhe (Höhen-Angaben variieren), ein Ausflugslokal mit Aussichtsturm errichtet. Es trug den Charakter eines historischen Bauwerkes und war eine ansehnliche Mixtur aus Fachwerkkonstruktion mit Jugendstilelementen. Der Warnsdorfer Baumeister Anton Möller schuf die Baupläne kostenlos. Ein Fürst des Hauses Liechtenstein, dessen zahlreiche Besitzungen bis 1948 zwei Prozent des Territoriums der Tschechoslowakei ausmachten, lieh den Mitgliedern des lokalen Gebirgsvereins für das Vorhaben 50.000 Kronen – wohl die Hälfte der geplanten Kosten. Die Bevölkerung nahm großen Anteil und leistete Bau- und Transportarbeiten gratis, erhoffte sie sich doch, dass dieses Lokal einmal zu erschwinglichen Preisen genutzt werden könne. Das traf auch zu und manch gesellige Veranstaltung fand hier statt. Man hat vom 28 Meter hohen Turm eine schöne Aussicht auf die Schwesterstädte Varnsdorf und Seifhennersdorf sowie vom Wolfsberg über den Tannenberg bis zum Jeschken bei Liberec (Reichenberg). Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich nur der offizielle Name, aber sonst nicht mal das „Deutsch“ der Speisekarte. Aus „Burgsberg“ mit dem „s“ in der Mitte wurde offiziell „Hrádek“ (Burglein). Ein solches konnte bislang an dieser Stelle aber nicht nachgewiesen werden.

Der Zweite Weltkrieg durchtrennte auf Jahre alle Verbindungen zur benachbarten Oberlausitz. Zwanzig Jahre war hier eine Einheit der tschechoslowakischen Grenztruppen stationiert. Mit Ausnahme des einsturzgefährdeten Turmes wurde die Burgsbergwarte in den Jahren 1967 bis 1969 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es engagierte sich aber weder ein solventer Varnsdorfer Betrieb noch eine staatliche Institution für die konkrete Übernahme des allmählich verfallenden Objektes. Nach misslungener Privatisierung und halbherziger Modernisierung setzte sich dieser Trend bis zur Jahrtausendwende fort. Schließlich überdeckte nur noch eine Ruine ohne Turm und Dach den kleinen Felssporn.

Ein Turm-Vorhaben auf dem Spitzberg, dem zweiten Hausberg der Stadt, wartet seit 2016 auf den Baubeginn.
Ein Turm-Vorhaben auf dem Spitzberg, dem zweiten Hausberg der Stadt, wartet seit 2016 auf den Baubeginn. © Stadt Varnsdorf

Im Jahre 2002 informierte Lokalredakteur Tomáš Secký von „Hlas severu“ seine Leserschaft über die Gründung eines tschechischen Stiftungsfonds und eines deutschen Fördervereins Burgsberg. Verbunden damit waren gemeinsame Anstrengungen zur zeitgemäßen Rekonstruktion der gesamten Burgsbergwarte. Doch auch jetzt vergingen die Jahre mit Notsicherungs- und Sanierungsarbeiten. Es gelang, bis 2003 den Aussichtsturm zugängig zu machen, der seit Neustart inzwischen weit über 100.000 Besucher hatte. Im zweiten Stock erfolgte 2005 die Eröffnung eines Ausstellungs- und Hochzeitssaales, der auch gut angenommen wurde.

Lange Bauzeit macht Probleme

Den Abschluss sämtlicher Arbeiten erhofften sich die Stadtväter dann für 2019, hatten aber nicht auf dem Schirm, dass die Planungen von 2001 nicht mehr heutigen Standards entsprachen. Also kommt es erneut zu einer Verzögerung von fast zwei Jahren. Am 30. Oktober dieses Jahres konnte Tomáš Secký erfreut mitteilen, dass umfangreiche Arbeiten am Kulturdenkmal wieder Fahrt aufgenommen haben. Mitte nächsten Jahres soll nun das rot-weiße Flatterband vorm Haupteingang endlich reif zur Durchschneidung sein.

Insgesamt kalkuliert man 26 Millionen Kronen an Baukosten ein, umgerechnet rund eine Million Euro. Vordergründig für das Restaurant mit Nebengelassen, sagte unlängst Bürgermeister Roland Smolloch. Erwartungsgemäß stießen die Bauleute an manchen Stellen auf den felsigen Untergrund, was die Arbeiten wiederum erschwerte. Im ersten Stock entsteht ein Restaurant mit drei Räumen, das bei Bedarf durch Schiebetüren unterteilt werden kann. Im nördlichen Bereich des Gebäudes werden Sanitärräume für Gäste und Belegschaft gebaut, ebenso ein kleiner Lastenaufzug. Die Küche wird jetzt in einem Nebengebäude untergebracht und eine neue Gasheizungsanlage demnächst installiert. Da die Außenfassade bis auf wenige Fenstersprossen völlig intakt ist und 2006 sogar der tschechische Fassadenwettbewerb gewonnen wurde, ist eine mehrstöckige Baubühne anstelle eines Gerüstes errichtet worden. Über die werden sämtliche Transporte getätigt.

Weiterführende Artikel

Dreimal brennt die Spitzberg-Baude ab

Dreimal brennt die Spitzberg-Baude ab

Schon beim ersten Vorfall 1905 in Varnsdorf haben Feuerwehren nichts mehr ausrichten können. Zehn Jahre später folgte die zweite Katastrophe.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau