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Tschüss, Miteinander!

Die Skulptur am Nord-Bahnhof in Heidenau ist abgebaut. Ab Herbst kann sie in Dorfhain stehen.

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© Kristin Richter

Von Carina Brestrich

Heidenau/Dorfhain. Das Miteinander ist schwer. Stolze 1,5 Tonnen bringt die 15 Meter lange Skulptur am Platz der Freiheit in Heidenau auf die Waage. Nur mit Spezialtechnik ließ sich die umkämpfte Kunstinstallation am Donnerstagnachmittag vom Untergrund lösen. Ein Kran bugsierte die stählernen Buchstaben auf den Laster, mit dem es für bunte Fracht dann nach Dorfhain ging.

Dort werden die Buchstaben in den nächsten Monaten auf dem Betriebsgelände von Jens Jähnig gelagert. Der Unternehmer betreibt eine Firma für Zaunbau und Höhensicherung. Er hatte das Kunstprojekt unterstützt und will die Buchstaben in ein neues Projekt in Dorfhain einbinden. Wie Jähnig erklärt, soll dieses im Herbst starten. Mehr verraten möchte der kunstinteressierte Unternehmer aber noch nicht. Nur so viel: „Es geht um Kunst, Wissenschaft und Tourismus und damit ebenfalls um ein interessantes Miteinander“, sagt er. Die Skulptur wird dann wieder öffentlich zugänglich sein. Allerdings nicht für Mal-Aktionen zur Verfügung stehen. „Sie wird als Symbol der Zeitgeschichte ihren Platz haben“, sagt er.

Nicht verkauft, nicht verschenkt

Die Stadt Heidenau hat unterdessen anderes für den bisherigen Standort der Buchstaben vor. Wie auch die anderen Flächen wolle man auch die Grünanlage am Platz der Freiheit für die Frühlingssaison fit machen, heißt es aus dem Rathaus.

Mit der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung, wie teilweise behauptet, habe der Abbau nichts zu tun. Auch verkauft habe die Stadt die Skulptur nicht. Anhänger der asylfeindlichen Facebook-Seite „Heidenau hört zu“ hatten am Sonntag eine gefälschte Anzeige ins Netz gestellt, wonach die Stadt „Schrott mit Anhaftungen“ zur Selbstabholung anbietet. Versehen war die Anzeige mit der Telefonnummer des Bürgermeisters. Anders als es die Fälscher behaupten, habe sich im Rathaus aber niemand gemeldet, bestätigt die Stadtverwaltung. Ohnehin ist die Skulptur nicht im Besitz der Stadt, sondern des Künstlers, dem türkischstämmigen Hüseyin Arda

Als Reaktion auf die asylfeindlichen Krawalle im vergangenen Sommer war der Schriftzug aufgebaut worden. Die Initiatoren des Projekts hatten ausdrücklich dazu aufgerufen, die Buchstaben zu bemalen. Daraufhin hatte das Miteinander mehrmals seine Optik gewechselt: Mal ganz bunt, mal in Reichsfarben, mal in Deutschlandfarben zogen die Buchstaben am Kreisverkehr die Blicke auf sich.

Der Abbau der Skulptur, deren Bau mit Hilfe von Sponsoren finanziert wurde, war von Anfang an geplant. So sollte sie ursprünglich durch die Bundesrepublik wandern. Aufgrund des Aufwands haben sich die Initiatoren vorerst dagegen entschieden. Zum Kunstprojekt gehören weitere Schriftzüge, die in Berlin stehen und dort erst mal ihren Platz behalten: Das Wort „Einheit“ steht in überdimensionaler Größe am Deutschen Historischen Museum in Berlin, „Erinnerung“ am Technikmuseum.