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Twitter wagt sich an die Börse

Der Schock nach dem verpatzten Facebook-Börsengang ist verarbeitet, jetzt steht mit Twitter die nächste Internet-Firma vor dem Sprung aufs Parkett. Der Kurzmitteilungsdienst geizt aber mit Details

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Daniel Schnettler und Andrej Sokolow, dpa

New York. Natürlich per Kurznachricht ließ Twitter die Katze aus dem Sack: Eines der letzten noch privat gehaltenen Internet-Schwergewichte strebt an die Börse. „Und nun zurück an die Arbeit“, lautete der nächste Tweet vom offiziellen Firmenkonto. Die Botschaft war mit einem Foto arbeitender Menschen in den Büros von Twitter garniert.

Twitter lässt es langsam angehen. Nach den Erfahrungen mit den verpatzten Börsengängen beim Schnäppchenportal Groupon oder dem weltgrößten Online-Netzwerk Facebook sitzt die Angst vor einem Fehlschlag tief im Silicon Valley. Davon zeugt auch, dass Twitter seinen Börsenprospekt zunächst nicht öffentlich gemacht hat.

Der Kurznachrichtendienst war schon immer vorsichtiger als viele andere Internetfirmen in Sachen Börsengang. Das Unternehmen wollte zunächst einmal ordentliche Einnahmen vorzeigen können, bevor es sich dem rauen Börsenklima stellt.

Über die Geschäftszahlen von Twitter weiß man jetzt nur sicher, dass der Umsatz auf jeden Fall unter einer Milliarde Dollar pro Jahr liegt - sonst hätte die Firma die Börsenunterlagen nicht unter Verschluss einreichen können. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt die Erlöse in diesem Jahr auf rund 583 Millionen Dollar und erwartet für 2014 einen Anstieg an die Milliarden-Marke.

Die Twitter-Gründer Evan Williams, Biz Stone und Jack Dorsey waren zum Start 2006 zunächst regelrechte Werbemuffel: Sie wollten die Nutzer nicht mit Anzeigen abschrecken. Doch Twitter wuchs, allein die Infrastruktur kostete immer mehr und irgendwann musste auch Geld verdient werden. So tastete sich Twitter mühsam zu einem Geschäftsmodell vor. Die Lösung derzeit: Bezahlte Tweets, die Unternehmen im Nachrichtenstrom von Nutzern platzieren können. Werbung ist die Haupteinnahmequelle, ein guter Teil davon stammt nach früheren Aussagen von Firmenchef Dick Costolo von Smartphones.

Damit ist Twitter dem großen Bruder Facebook vor dem Sprung an die Börse einen Schritt voraus. „Wir haben damals praktisch kein Geld im mobilen Geschäft gemacht“, erinnerte sich dessen Gründer und Chef Mark Zuckerberg an den Börsengang im Mai. Die Quittung war ein Kurseinbruch um mehr als die Hälfte, nachdem die Anleger kalte Füße bekommen hatten und um die Geschäftsaussichten des weltgrößten Online-Netzwerks bangten.

Doch Facebook ist nicht nur ein abschreckendes Beispiel, sondern auch ein Vorbild. Denn mittlerweile liegt der Facebook-Kurs auf einem Allzeithoch, nachdem Zuckerberg und sein Team die Fehler erkannten und neue mobile Apps herausbrachten. Nun kommt fast jeder zweite Werbedollar von Smartphones und Tablets.

Dennoch wollte Zuckerberg noch am Vortag keine Tipps für den lange erwarteten Twitter-Börsengang geben. „Ich bin die letzte Person, die man fragen sollte, wie man einen reibungslosen Börsengang hinbekommt“, sagte er lachend auf einer Technologiekonferenz am Mittwoch. Immerhin habe er gelernt, dass seine Angst vor der Börse übertrieben gewesen sei.

Weniger gut Lachen haben Internetfirmen wie Groupon oder Zynga, deren Börsenkurse nach geschäftlichen Tiefschlägen und enttäuschten Hoffnungen massiv eingebrochen sind. Bei Twitter wird nun entscheidend sein, ob das Unternehmen genug Werbeeinnahmen vorweisen kann, um einen Börsenwert von geschätzten bis zu 14 Milliarden Dollar zu rechtfertigen. (dpa)