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Über den Alltag hinaus

Maler Wolfram Hänsch und Plastiker Frank Maasdorf zeigen in engem Austausch entstandene Werke und beschenken so das Publikum.

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Noch bis 24. Februar zeigt die Albrechtsburg Bilder von Wolfram Hänsch und Skulpturen von Frank Maasdorf.
Noch bis 24. Februar zeigt die Albrechtsburg Bilder von Wolfram Hänsch und Skulpturen von Frank Maasdorf. © Claudia Hübschmann

Von Sebastian Hennig

Meißen. Die Kälte im großen Saal der Albrechtsburg hätte die fragile Stimmung des Cembalos beeinträchtigt. Darum hat Musiker Sebastian Knebel entgegen der Ankündigung auf der Einladung eine kleine Truhenorgel mitgebracht. Die warmen Klänge aus den Holzpfeifen verbreiten eine häusliche Stimmung, die gut zur Ausstellung mit den Bildern von Wolfram Hänsch und den Skulpturen von Frank Maasdorf passt.

Die Dresdner Kunstwissenschaftlerin Karin Weber kennt die Werke beider Künstler seit Jahrzehnten. In der Malerei von Wolfram Hänsch stellt sie „eine wehe Romantik“ fest, „die den Alltag erschließt und darüber hinausweist“. Die Bilder bewirkten eine „Energie, die noch ein Werden zulässt“. Frank Maasdorfs Bildhauerei bescheinigt sie eine Abkehr vom Anekdotischen. Er wolle nicht erzählen, er zeigt, so Weber in ihrer Eröffnungsrede. In den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss lässt sich das gut nachvollziehen.

Hinter dem Eingang findet sich der Besucher zwischen zwei Bildnissen wieder. Einer der beiden Herren ist unschwer als der Trompeter Ludwig Güttler zu erkennen. Auf dem Porträt von 1978 hält er sein Instrument vor einen dunkel bewegten Himmel, der wie vom Romantiker Clausen Dahl gemalt ist. Die lebensgroße Standfigur erinnert an flämische Barockmalerei.

Wolfram Hänsch hat die Formgebärden der Maler, die vor ihm waren, liebend in sich aufgenommen und zum eigenen unverwechselbaren Ausdruck umgebildet. Frank Maasdorf bildet seine Figuren unabhängig vom Modell, aus sich selbst, vor allem aber aus seinem uralten Werkstoff heraus. „Steine gibt es ja genug in Sachsen“, sagt er.

Beide Künstler hatten sich in jungen Jahren bereits kennengelernt und traten nach der Jahrtausendwende wieder in einen engeren Austausch, der sich seither in drei gemeinsamen Ausstellungen niederschlug. Der Anlass für die jetzt laufende, umfassende Werkschau ist der bevorstehende 75. Geburtstag des Malers. Es ist ein schöner Einfall, sich und das Publikum durch die Mitwirkung eines guten Freundes und geschätzten Kollegen zu beschenken.

Die Positionen sind jeweils so eigen, dass sie sich ungestört nebeneinanderher entfalten. Bei aller inneren Verwandtschaft verlaufen sie in verschiedenen äußeren Dimensionen. Der eine ist so sehr Maler, wie der andere Plastiker ist. Die gedeckten Farben der Bilder aus Kleinstadt, Häuslichkeit und Dorfleben führen die Erdschwere mit sich, ganz so wie der Stein und das Erz zu archaischer Eleganz beflügelt wird.

Die Hinwendung zur menschlichen Figur verbindet beide Künstler. Die Retrospektive reicht von frühen Porträts und Zeichnungen aus dem Jahr 1959 bis zum jüngsten grafischen Zyklus und dem malerischen Polyptychon zur Blauen Blume der deutschen Romantik. Nach dem Studium hat Wolfram Hänsch mit seiner Frau ein altes Auszugshaus in Seeligstadt bei Taubenheim bezogen und über ein Jahrzehnt das dörfliche Leben beobachtet. Im Einfachen gewähren beide Künstler erstaunliche Einblicke.

An der Hochschule für Bildende Künste Dresden wurde Wolfram Hänsch bereits mit 17 Jahren angenommen. Ab 1993 wirkte er selbst als Dozent dort und wurde 2006 Professor für Malerei und Grafik.