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Überleben auf dem Büchermarkt

Zwei Dresdner Buchläden agieren fern der Bestsellerlisten. Die Kunden nutzen dankbar das Nischenangebot.

© Christian Juppe

Von Johannes Baumert

Die Buchhandlung „Shakespeares Enkel“ in Pieschen wirkt unscheinbar, doch die Kunden drängen sich vor den Regalen. Katharina Salomo ist erleichtert, dass der Laden so gut anläuft. „Viele Leute haben uns davon abgeraten und gesagt, dass es verrückt ist, heute noch einen Buchladen zu eröffnen“, sagt die 42-Jährige.

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Salomo ist Verlegerin. Seit neun Jahren leitet die Literaturwissenschaftlerin ihren eigenen Verlag in Dresden. Und seit vielen Jahren fährt sie von Messe zu Messe, um ihre Bücher zu verkaufen. Vor allem die kleinen Verlage hätten in den letzten Jahren eine schwierige Zeit gehabt. Den meisten gelänge es nicht, von den großen Buchläden gelistet zu werden. „Wir müssen zu den Kunden kommen“, erklärt sie.

Mit drei anderen Kleinverlegern kam sie auf die Idee mit dem eigenen Buchladen. Seit Ende August verkaufen sie nun die Bücher von 33 Verlagen aus ganz Deutschland, die sich ihnen angeschlossen haben. „Und es zeichnet sich ab, dass noch einige dazukommen“, sagt Salomo. „Dahinter steht der Genossenschaftsgedanke. Jeder Verleger darf hier auch selbst im Laden stehen und verkaufen.“ Bisher gebe es noch keinen Buchladen in Deutschland, der ein solches Konzept hat, meint Salomo. Sie ist zuversichtlich, wenn sie über die Zukunft ihres Geschäftes spricht. „Wenn ich ein Sortiment habe, das auf Bestsellerlisten beruht, habe ich vergleichbare Ware. Das haben wir hier nicht.“

Stattdessen reihen sich in den Regalen von „Shakespeares Enkel“ regionale Krimis, Thriller von eher unbekannten Autoren und aufwendig gestaltete lyrische Bücher. Viele der Verlage, die bei dem Laden mitmachen, haben sich auch auf etwas Bestimmtes spezialisiert. „Es gibt einen Verlag, der wasserdichte Badewannenbücher für Erwachsene herausgibt, ein anderer hat sich auf Reiseführer für Kinder spezialisiert“, so Salomo. Und auch ein Verlag, der Hörbücher produziert, ist bei dem Projekt des genossenschaftlichen Buchladens dabei. „Wir denken, dass der Bücherkauf ein Erlebnis ist, da muss man schon etwas für tun“, erklärt Salomo. Sie ist sich sicher, dass kleinere Läden auch weiterhin eine Chance im Buchgeschäft haben werden. „Die Leute gehen gerne stöbern. Wenn wir ihnen in unseren Läden etwas bieten, können wir die Kunden auch halten.“

Das glaubt auch Jörg Stübing. Er ist Inhaber des Buchladens „Büchers Best“ in der Dresdner Neustadt. Es ist ruhig in seinem Geschäft. Auf wenigen Quadratmetern berät Stübing seine Kunden. An der Wand stehen schmale Regale mit Büchern, auf einem Stuhl an der Kasse sitzt der Ladenkater. „Atmosphärenmanagement“ nennt Stübing das. Wo sich das 14-jährige Tier wohlfühle, wollen auch viele Menschen ihre Zeit verbringen. „Der Kater ist ein guter Indikator für Arbeits- und Lebensqualität“, sagt er. Schon seit 15 Jahren führt Stübing den Laden in der Louisenstraße.

Prämierter Buchladen

Eigentlich ist er Maschinenbauer, studierte nach der Wende unter anderem Philosophie und Politikwissenschaft. Danach arbeitete er als Möbelpacker und Forstarbeiter und betrieb neben der Arbeit eine Kunstgalerie. Dann wurde ein Nachfolger für die Buchhandlung gesucht. Spontan übernahm er das Geschäft. „Ich habe mir den Laden gebaut, den ich mir selbst als Kunde gesucht hätte“, erklärt er seinen Erfolg. Auch er glaubt, dass es nicht darum geht, besonders viele Bücher anzubieten. So bezeichnet er die großen Buchläden immer wieder als „Regalverwaltungssysteme“. In seinem Geschäft stehen nur etwa 5 000 Bücher. „Mehr können Sie in Ihrem Leben ohnehin nicht lesen.“ Auch er fürchtet nicht, dass die kleinen Buchläden aussterben könnten. Auch das Aufkommen von E-Books und Onlinegeschäften lässt ihn kalt. Mit den ersten E-Books hätten viele Leute zu ihm gesagt, dass erst die Bücher und dann die Buchläden verschwinden würden. „Das waren vor einigen Jahren die zwei Angstszenarien, die aber nicht eingetreten sind.“ Denn der 54-Jährige hat Glück. Etwa 60 bis 70 Prozent der Menschen, die bei ihm Bücher kaufen, sind Stammkunden. Außerdem sei die Lage seines Ladens in der Neustadt besonders gut. Man dürfe sich aber darauf nicht ausruhen. Auch Lesungen und Veranstaltungen müssten organisiert werden, bei denen er häufig nichts verdient.

Für seine Arbeit ist „Büchers Best“ in diesem Jahr für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. Mal wieder. Denn schon zweimal gewannen Stübing und sein Team die Auszeichnung, die jedes Jahr vom Börsenverein des deutschen Buchhandels und der Staatsministerin für Kultur vergeben wird. „Natürlich freut es einen, wenn man für seine Arbeit auch geehrt wird“, sagt Stübing stolz. Die Arbeit im Buchladen mache ihm aber noch immer viel Spaß. Das sei sein eigentlicher Erfolg.