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Deshalb sind die Beton-Tannen umstritten

Sinnvoll oder Panikmache? Die Stadt diskutiert über die Sperren am Weihnachtsmarkt. 

Seit Freitag stehen Bäume aus Beton auf dem Bautzener Kornmarkt. Die Verwaltung will mit dieser Maßnahme die Sicherheit auf dem Wenzelsmarkt erhöhen. Das ist sinnloser Aktionismus, meinen einige Stadträte. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Über den Baum wird auf dem Weihnachtsmarkt immer gestritten. Mal ist er zu klein, mal zu groß, mal ist er zu wenig geschmückt, mal überladen dekoriert. Auch in Bautzen steht ein solches Exemplar gerade im Mittelpunkt einer Diskussion. Gemeint ist aber nicht die Blaufichte auf dem Hauptmarkt. Genau genommen sind es sogar mehrere Bäume, die noch vor dem Start des Wenzelsmarktes für schlechte Stimmung sorgen.

Erstmals hat die Stadt Bautzen mit einer mobilen Absperrung den Wenzelsmarkt gesichert. Dabei handelt es sich um Betonelemente in Form von Tannen, jede davon fast eine Tonne schwer. Etwas verloren stehen die falschen Bäume auf dem Kornmarkt. Laut Stadtverwaltung sollen sie für mehr Sicherheit sorgen. Doch genau daran zweifeln einige Bautzener. Allen voran Steffen Grundmann, der für Die Linken im Stadtrat sitzt. Den Anblick der Betontannen kann er nur schwer ertragen. „Aufgrund welcher bisherigen Unsicherheit gibt es denn plötzlich den Bedarf, das Areal, auf dem der Wenzelsmarkt stattfindet, sicherer zu machen“, fragt Grundmann. Nicht nur die Frage nach der Notwendigkeit beschäftigt ihn. Der Stadtrat glaubt auch nicht daran, dass die aufgestellten Betonbäume im Notfall eine Hilfe sind.

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Der Bautzener verweist dabei auf einen Test, den die Prüfgesellschaft Dekra im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks vor zwei Jahren durchgeführt hatte. Dabei war ein Laster mit Tempo 50 auf eine Betonsperre gefahren. Scheinbar mühelos hatte der Lkw die 2,4 Tonnen schweren Betonblöcke beiseitegeschoben und die Absperrungen durchbrochen. „Die Betonbäume in Bautzen wiegen weniger als die getesteten Blöcke und sollen nun die Besucher unseres Marktes schützen“, äußert Grundmann seine Zweifel.

Mit seiner Skepsis ist er nicht allein. Auch Grünen-Stadtrat Claus Gruhl kann bei diesem Thema nur mit dem Kopf schütteln. „Das ist völlig überflüssiger Aktionsismus. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt er. Wenig begeistert von der Aktion der Stadtverwaltung ist auch Mike Hauschild (FDP). Die Stadträte seien weder über die Gefährdungslage informiert worden, noch darüber, was die Betonelemente abhalten sollen. „Mit ihrem Handeln hat die Verwaltung die Bürgerschaft nur verunsichert und den rechten und linken Angstmachern unnötig Argumente für falsche Behauptungen geliefert“, so Hauschild. Die Maßnahme sei unverhältnismäßig, meint auch SPD-Stadtrat Roland Fleischer. „Ich halte allerdings auch die Diskussion darüber für völlig überzogen“, erklärt er.

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Andreas Hennig vom Kulturbüro der Stadt Bautzen versucht zu beruhigen. Die Betonbäume habe die Stadt aufstellen lassen, „obwohl nicht von einer konkreten Bedrohung ausgegangen wird.“, erklärt er. Für die Besucher des Wenzelsmarktes gebe es demnach auch weiterhin kein Grund zur Sorge. Man habe lediglich das Angebot der Baufirma Hentschke aufgegriffen, um das Sicherheitsgefühl noch weiter zu erhöhen. Die Bautzener Firma stellt die zwölf Prototypen kostenlos bereit.

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