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Umzug auf drei Rädern

Wer kein Auto hat, kann Lastenräder kostenlos leihen. Wer sich ein eigenes Exemplar zulegen will, braucht viel Platz.

© René Meinig

Von Sophie Arlet

Wenn der Wochenendeinkauf ansteht, ein Umzug zu bewältigen ist oder im Baumarkt Blumenerde geholt werden muss, stellt sich die Frage nach dem Transport. Wer kein Auto hat, stößt in diesen Fällen auch mit Bus und Bahn an seine Grenzen. Einige Dresdner greifen dann auf die Hilfe von Friedrich, Lotte oder Johann zurück. So heißen drei der sechs Lastenräder, die in Dresden ausgeliehen werden können. Anika Preuße hat sogar einen Umzug mit dem Rad gemacht.

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„Es ist ja erst mal nur die Umzugsvorbereitung“, sagt sie. Zimmerpflanzen und anderer Kleinkram passen problemlos auf das Transportrad aus der Johannstadt. Nachdem Preuße sich das im Internet reserviert hatte, konnte sie es zur vereinbarten Zeit am Jugendtreff an der Trinitatiskirche abholen. Die Ausleihstationen wechseln etwa alle drei Monate. Auch in der Fahrradwerkstatt auf der Dürerstraße, im Bioladen an der Elisenstraße oder beim Reiseausstatter an der Schandauer kann Johann zuweilen abgeholt werden.

Das Lastenrad wurde 2015 mit Fördermitteln vom Quartiersmanagement und der Firma Johannstädter Urbanofeel angeschafft und wird mittlerweile nicht nur von den Anwohnern genutzt. Auch Andreas Werner ist ein Fan der Dresdner Lastenräder – obwohl er in Radebeul wohnt. Zunächst hat sich der 54-Jährige die in der Pieschener Bürgerstraße stationierte Frieda ausgeliehen. Werner besitzt kein Auto. Mit dem Lastenrad war sogar der Besuch im Baumarkt keine Hürde mehr. Und auch der Spaß kommt mit den drei Rädern nicht zu kurz. Als Darsteller in einem Stück der Bürgerbühne auf dem Theaterplatz im vergangenen Sommer sollte Werner ein ungewöhnliches Requisit mitbringen. Kurzentschlossen kam er zur nächsten Probe mit dem Johannstädter Lastenrad. So feierte Johann sein Schauspieldebüt vor historischer Kulisse. Inzwischen steht auch ein Lastenrad in Radebeul.

In Dresden gibt es weitere Lastenräder in der Neu-, der Alt- und der Friedrichstadt. 2016 hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Dresden mit Spenden „Frieda“ in Pieschen angeschafft. Später kamen über Stadtteilförderungen auch Friedrich sowie Henry mit dem Elektroanhänger Hilde dazu. In der Neustadt stehen Lotte vom Dresdner Umweltamt und das BUNDte Lastenrad vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie alle können gegen eine freiwillige Spende ausgeliehen werden. Das funktioniere erstaunlich gut, sagt Nils Larsen vom ADFC.

Die Räder würden gut behandelt und pünktlich zurückgegeben. „Der Bedarf ist da, im Sommer sind manche Räder jeden Tag ausgebucht“, so Larsen. Einige Exemplare haben Sitzbänke, auf denen Kinder Platz nehmen dürfen. Henry und Hilde eignen sich besonders für schwere Lasten bis 150 Kilo. Da der Anhänger einen Elektroantrieb hat, lässt sich die Ladung gut fortbewegen. Momentan ist das Gespann allerdings in der Reparatur. Auch Frieda ist zurzeit nicht buchbar, sondern steht in einer Ausstellung im Verkehrsmuseum.

Welche Räder gerade frei sind, steht im Internet. Die entsprechende Seite wird vom ADFC betrieben. Seit 2016 gab es fast 700 Buchungen. Nils Larsen versteht die Dresdner Lastenräder als eine Art Werbeprojekt – durch die einfache und kostenlose Nutzung sollen die Dresdner erfahren, dass Lastenräder in vielen Situationen mit dem Auto als Transportmittel konkurrieren können. Noch gebe es aber kaum Familien, die sich selbst ein Lastenrad anschaffen, so Larsen. Das habe zwei Gründe.

Etwa 2 000 Euro kostet ein normales Modell, für ein Rad mit Elektroantrieb werden schon mal 5 000 Euro fällig. Die recht hohen Anschaffungskosten sind nicht das einzige Problem. Momentan gebe es kaum Möglichkeiten, ein Lastenrad sicher abzustellen, sagt der 33-Jährige. Ein geeigneter Unterstand müsse ebenerdig und abschließbar sein. In den wenigsten Mietshäusern ist das möglich. „Das ist ein Grund, warum es nicht boomt“, sagt Larsen. Deshalb wartet er mit Spannung auf die neue Stellplatz- und Garagensatzung. Die regelt zum Beispiel, dass Investoren beim Bau von Wohnungen auch für ausreichend Parkplätze für Autos und Fahrräder sorgen müssen. Larsen hofft, dass im neuen Entwurf, der gerade erarbeitet wird, auch Lastenräder einbezogen werden.

Die Stadtverwaltung will sich noch nicht zu den Details äußern, die Fassung befinde sich gerade in der internen Abstimmung, sagt eine Rathaussprecherin. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) verweist auf den geplanten Zentralen Omnibusbahnhof am Wiener Platz, zu dem auch ein Fahrradparkhaus gehören soll. „Dort werden auch größere Stellplätze für Lastenräder und sonstige Fahrräder mit Sonderformaten vorgesehen“, sagt er.