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Und plötzlich ist der Hausanschluss kaputt

In Radebeul finden Grundstücksbesitzer unangenehme Bau- und Kostenbescheide im Briefkasten.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Lutz Mainka hält einen Brief in der Hand, den ihn ziemlich erschreckt. Über 3 000 Euro soll er zahlen, weil der Hausanschluss fürs Abwasser kaputt ist. Plötzlich. Mainka: „Am 1. September hatten wir den Brief im Kasten. Ende September sollen schon die Bauarbeiten beginnen.“ Inzwischen ist es schon so weit. Die Bagger sind angerückt.

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In dem Schreiben steht, dass der Radebeuler Wasserwirtschaftsbetrieb WSR GmbH zwischen Südstraße und Altserkowitz am Gasthof Serkowitz den Abwasserkanal sanieren will. Hierzu wurden der Kanal sowie alle Abwasserhausanschlüsse auf ihren baulichen Zustand untersucht. „Nach Auswertung der Kamerabefahrung befindet sich die Anschlussleitung Ihres Grundstücks in einem schlechten baulichen Zustand. Die Erneuerung bzw. Sanierung ist daher zwingend erforderlich“, schreibt die WSR, unterschrieben vom Geschägtsführer Olaf Terno.

Ein ähnliches Schreiben, so Lutz Mainka, sei an knapp ein Dutzend Anlieger an der Kötzschenbrodaer Straße gegangen. Die WSR schreibt noch, dass das Kosten von 2 800 Euro netto sind. Bis 15. September sollte der Auftrag unterschrieben zurückgesandt sein. „Das haben wir zwar getan, aber nur unter Vorbehalt“, so Mainka.

Vorbehalt vor allem deshalb, weil mit diesem Bau und den Kosten hier offenbar keiner gerechnet hat. Die Straße wurde 1998 komplett saniert. Einschließlich der Hausanschlüsse. Dafür wurde von den Anliegern damals bezahlt, heißt es in einem Schreiben an die SZ. Mainka: „Wieso sind die Anschlüsse nach kurzer Zeit so defekt, das diese erneuert werden müssen?“

Die Anwohner vermuten zweierlei Ursachen. Zum einen der Schwerlastverkehr, der die Straße belastet. Zum anderen die Hochwasser von 2002, 2006 und 2013. Bei denen wurde der Untergrund über Wochen aufgeweicht. An der Friedhofsmauer der Kötzschenbrodaer Straße wurden Verschiebungen im Untergrund von gehörigem Ausmaß festgestellt.

Die Stadt hat daraufhin Fördermittel für Hochwasserschäden beantragt und erhalten, aber es wurde nur der Straßenbelag in Serkowitz erneuert, so die Verwunderung der Bürger in Serkowitz. Etwa 100 000 Euro hat die Stadt damals dafür ausgegeben. Mainka fragt sich nun, warum nicht damals schon die Anschlüsse untersucht wurden. Die Anwohner sind davon ausgegangen, dass bei ihnen alles in Ordnung ist.

Jetzt bekommt die Stadt ebenfalls Geld aus dem Landeshochwaserfonds für die sich anschließende Straße am Seegraben – als Fördermittel zur Reparatur von Hochwasserschäden. Die Bürgerinitiative Radebeul Serkowitz, so Mainka, ist der Meinung, dass die Stadt auch bei den Bürgern mit im Boot sein sollte und zumindest einen Teil der Kosten übernimmt.

Die SZ hat sich umgehört, ob es ähnliche Fälle beispielsweise in Coswig gibt. Jörg Morgenstern, Geschäftsführer der Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH, sagt, dass in seiner Stadt solche Fälle von beschädigten Hausanschlüssen nach Hochwasserereignissen bisher nicht aufgetreten sind. Allerdings, fügt er hinzu, würde dafür auch nicht der städtische Betrieb oder die Stadt aufkommen. Die Bürger müssten sich dann selbst um Zuschüsse bemühen.

Nicht viel anders sieht es der Geschäftsführer der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH. Olaf Terno: „Wir bekommen für die Kanalsanierung auch keine Hochwasserzuschüsse, nicht mal auf dem Straßenabschnitt am Seegraben, wo jetzt intensiv gebaut wird.“

Auf die Nachfrage, warum Hausanschlüsse, die erst 1998 gebaut wurden, jetzt schon wieder defekt sind, wusste er auch keine Antwort. Terno: „Anschlüsse aus DDR-Zeiten sind jetzt vielfach sanierungsreif. Die Muffen sind beispielsweise undicht.“ Für die Kötzschenbrodaer Straße, in dem betreffenden Abschnitt, für welchen die Anlieger die Briefe gerade erhalten haben, habe man lediglich das Ergebnis so vorgefunden und müsse handeln.

Im Schreiben der Serkowitzer Bürgerinitiative heißt es dazu: „Wenn Baumaßnahmen in dieser Größenordnung geplant sind, mit Beiträgen weit entfernt von Gut und Böse, sollte man dies mit den Betroffenen schon eher besprechen. Nicht jeder hat eine Portokasse zur Verfügung.“ Auch raten Mainka und Mitstreiter, dass sich jeder Grundstückseigentümer nach der Öffnung der Anschlüsse genau ansehen sollte, wie geschädigt die Rohre wirklich sind. Dies sollte notfalls von einem Gutachter belegt werden.