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Unerbittlich für die Umwelt

Christian Korndörfer ist der dienstälteste Amtsleiter im Dresdner Rathaus. Er ist sehr erfolgreich, aber auch umstritten.

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© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

Für das Hexenfeuer am heutigen Abend hat Christian Korndörfer auf einem Feld im Vogtland Holz aufgetürmt. Fast jedes Jahr vertreibt er so in netter Gesellschaft die bösen Geister. Der Bauernhof seiner Eltern wurde für Dresdens Umweltamtsleiter zu einem Rückzugsort. Dort lebt er im Einklang mit der Natur, fährt Traktor, legt Hecken am Feldrand an und träumt davon, dass wieder Rebhühner heimisch werden wie in seiner Kindheit.

In diesem Jahr ist die fröhliche Runde etwas größer. So sind nicht nur seine Partnerin, die drei Kinder und die zwei Enkel dabei, auch Freunde und enge Weggefährten gratulieren ihm zum 60. Geburtstag. Da wird auch zurückgeblickt. Ins Rathaus kam der promovierte Physiker eher zufällig. Er arbeitete im Institut Manfred von Ardenne. Ende der 80er-Jahre engagierte er sich im Bürgerkomitee am Weißen Hirsch. Pfarrer Christoph Fläming, er war damals auch Stadtverordneter, fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, im Rathaus zu arbeiten. „Ich hatte erhebliche Zweifel, aber ich sah mich vor Ort um. So erlebte ich eine Diskussion zur Klärschlammanlage. Eine Firma wollte der Stadt eine Anlage aufschwatzen, mit der die Gebühren für die Dresdner gewaltig gestiegen wären“, sagt Korndörfer. Sein Interesse war geweckt. Im Januar 1991 begann er als Amtsleiter für Umwelt im Rathaus. Angefangen hat er mit sieben Mitarbeitern, heute sind es 160.

Seine Ausbildung als Wissenschaftler habe ihm immer geholfen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, sich zu konzentrieren und Ursachen zu suchen. Zu seinen großen Themen gehörten die Schadstoffe, die überall in Dresdens Böden und Gewässern lauerten. Im ersten Umweltbericht 1992 wurden 3 600 Altlasten ausgeführt. „Unser Ziel war es, die Flächen zu sanieren, um sie wieder für die Entwicklung der Stadt zu nutzen. So haben wir verhindert, dass sich neue Unternehmen in den Außenbereichen ansiedelten“, sagt er. Im Januar 1991 begann die Sanierung des radioaktiv belasteten Gewerbegebiets Coschütz-Gittersee. Im Sommer 2012 wurden die Sanierungen abgeschlossen. Sie haben am Ende rund 60 Millionen Euro gekostet, deutlich weniger als anfangs veranschlagt. Als Christian Korndörfer nach zehn Jahren mit einem anderen Job liebäugelte, kam das Hochwasser 2002. „Es wird noch schlimmer“, hatte er schon zeitig erkannt. Sein Amt schätzte die Lage realistischer ein als der Freistaat. Oberbürgermeister Ingolf Roßberg vertraute ihm und hörte im Krisenstab auf seine Einschätzung. So wurde durch rechtzeitiges Evakuieren und durch Sandsackwälle noch vieles gerettet. Tag und Nacht war er damals im Einsatz, gesundheitlich ging das an die Substanz. Nach der Flut organisierte er in Zusammenarbeit mit der Landestalsperrenverwaltung den Hochwasserschutz für Dresden. Zu seinen großen Herausforderungen wurde das Energiekonzept der Stadt. Die Erarbeitung überwachte er nicht nur als Chef, sondern befasste sich persönlich mit den kleinsten Details. Er sei ein fordernder und damit auch manchmal recht unbequemer Chef, sagen seine Mitarbeiter.

Umstritten ist der Umweltamtsleiter bei Investoren. Einige beschimpfen ihn als Verhinderer und Bremser. Andere wiederum schätzen sein Suchen nach Lösungen, um den Erhalt der Umwelt zu sichern und dennoch Bauprojekte möglich zu machen. „Dass sich Dresden so gut entwickelt hat, ist ein Verdienst unseres Amtes“, sagt er. Die 60 ist für ihn kein Grund zum Ausruhen, da warten noch viel zu viele Aufgaben.