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Unterricht im Schulbus

Der Regionalverkehr trainiert die künftigen Erstklässler im Osterzgebirge. Auch für deren Eltern gibt es ein paar Tipps.

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© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

Osterzgebirge. Veronika Kegel-Lange gibt alles. Die 51-Jährige schnallt sich einen Ranzen auf den Rücken und rennt durch den Bus. Später springt sie von hier aus auf die Haltestelle. Die 22 Kinder, die im roten Bus des Regionalverkehrs Dresden sitzen, haben viel zu lachen. Doch hier geht es nicht um Klamauk, sondern um ernste Dinge: das richtige Verhalten im Schulbus. Denn das müssen die meisten der Kinder im August beherrschen, weil sie dann in die Schule gehen und mit dem Bus zur Grundschule nach Reinhardtsgrimma fahren werden.

Hinter der weißen Linie Einfahrt abwarten: Ein Bus braucht viel Platz. Das zeigte Schulbustrainerin Veronika Kegel-Lange bei der Einfahrt an der Haltestelle. Da sich die Vorderräder gut zwei Meter hinter der Fahrzeugspitze befinden, kann ein Bus seinen vo
Hinter der weißen Linie Einfahrt abwarten: Ein Bus braucht viel Platz. Das zeigte Schulbustrainerin Veronika Kegel-Lange bei der Einfahrt an der Haltestelle. Da sich die Vorderräder gut zwei Meter hinter der Fahrzeugspitze befinden, kann ein Bus seinen vo © Frank Baldauf
Nicht hinter dem Bus die Straße überqueren: Jonas, Emma und Hannah sind gerade aus dem Bus ausgestiegen und wollen nun die Straße überqueren. Das sollten sie erst machen, wenn der Bus abgefahren ist, sagt die Schulbustrainerin. „Ein Bus kann mal zurückrol
Nicht hinter dem Bus die Straße überqueren: Jonas, Emma und Hannah sind gerade aus dem Bus ausgestiegen und wollen nun die Straße überqueren. Das sollten sie erst machen, wenn der Bus abgefahren ist, sagt die Schulbustrainerin. „Ein Bus kann mal zurückrol © Frank Baldauf

Und dabei kann man einiges falsch machen, wie die Schulbustrainerin erklärt. Das Rennen durch den Bus ist eine solche Sache, das Springen auch. Und das wissen die Kinder schon. Denn Veronika Kegel-Lange zeigt den Kindern nicht nur, wie man es nicht machen soll, sondern fragt sie auch, warum das so sein könnte und wie man’s richtig macht. Die Kleinen sind begeistert und machen mit. Veronika Kegel-Lange hat Schwierigkeiten, jeden zu Wort kommen zu lassen, der sich meldet.

Vieles ist den Kindern bekannt, einiges können sie noch nicht wissen. So zum Beispiel rät Veronika Kegel-Lange den künftigen Schulkindern, den Ranzen vom Rücken zu nehmen und ihn nicht auf den Nachbarsitz zu legen, damit sich dort später noch jemand hinsetzen kann. Den Ranzen sollten sie auf den Schoss nehmen oder zwischen die Füße stellen, rät sie.

Eine Stunde Lernen fürs Busfahren

Und natürlich darf man sich im Bus auch unterhalten, aber nicht zu laut, um den Busfahrer nicht abzulenken. Richtig laut werden dürfe man nur in einer Situation, sagt Veronika Kegel-Lange. Nämlich dann, wenn man die Haltewunschtaste gedrückt hat und der Bus trotzdem weiterfährt. Das sei ihr auch schon passiert. „Kinder, dann müsst ihr ,Bitte anhalten!‘ brüllen“, sagt sie.

Gut eine Stunde dauert das Training. Das bietet der Regionalverkehr Dresden (RVD) übrigens seit Ende der 1990er-Jahre an. 2001 nahmen bereits 22 Kindereinrichtungen mit rund 370 Vorschulkindern daran teil. In diesem Jahr wird der RVD 525 Vorschulkinder aus 35 Kitas schulen, sagt Sprecher Volker Weidemann. Und obwohl Frau Kegel-Lange fast täglich unterwegs ist, kann sie nicht zu allen Kitas kommen, die sich das gewünscht haben. Da, wo es klappt, ist sie mit ganzem Herzen dabei.Damit jedes Vorschulkind das Gesagte in Ruhe verarbeiten kann, schenkt sie am Ende jedem eine Schulbustrainings-Fibel. Und jedes Kind bekommt noch eine Hausaufgabe, die es mit den Eltern lösen muss.

Gemeinsam sollen sie testen, wie viel Zeit die Kinder für den Weg von der Wohnung bis zur Haltestelle brauchen. Die Zeit sollte nicht zu kurz und nicht zu lang sein. Denn weder Hetzerei noch aufkommende Langeweile sei gut. Letztere verleite die Kinder zu Schabernack an der Haltestelle. Das birgt Gefahren, die nicht sein müssen. (mit ej)