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„Unvergessen“ gibt‘s bald als Buch

Nach knapp 80 Folgen endet heute die SZ-Serie. Das ist aber kein Grund zur Trauer: Ein gedruckte Gesamtausgabe ist bereits in Planung.

© privat

Von Heike Schwalbe und Thomas Mielke

Zittau. Das Westbad, Hütters Hotel und das Albertkino sind bis heute stehende Begriffe im kollektiven Gedächtnis der Zittauer – obwohl sie schon vor vielen Jahren abgerissen worden sind. Viele erinnern sich an die unbeschwerten Stunden auf den Liegewiesen im Westen der Stadt, an bunte Veranstaltungen in der Bahnhofstraße 37 oder an die Vorlesungen im größten Saal der Hochschule in der Neustadt 1. Seit September 2016 haben sieben SZ-Autoren in fast 80 Folgen der Serie „Unvergessen“ Zittauer Persönlichkeiten, Bauwerken, Betrieben, Geschäften, Hotels, Restaurants, Ausflugszielen und manch anderem nachgespürt, garniert – wo möglich – mit einem Foto von früher und einem von heute. Es liegt in der Natur der Sache, dass zu den verschiedenen Themen nicht immer genügend Informationen zu bekommen waren. Manchmal fehlten auch Jahreszahlen für eine zeitliche Einordnung. Oft war es besonders schwierig, die historischen Fotos aufzutreiben. Manchmal halfen ihnen die SZ-Leser, bei denen sich die Autoren bedanken. So übergab ihnen zum Beispiel eine ehemalige Mitarbeiterin der Etikette Material zu ihrer ehemaligen Arbeitsstelle, die einen Artikel überhaupt erst möglich machten. Auch stellten sich mehrere Zeitzeugen für Auskünfte zur Verfügung.

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Trotzdem war die Themen-Liste für die „Unvergessen“-Serie ursprünglich noch viel länger. Gern hätte die SZ zum Beispiel über die ehemalige Augenklinik berichtet, wo nach längerem Leerstand und einem Brand Mitte der 90er Jahre der Abriss folgte. Ein Wäldchen hinter Zäunen wächst nun an der Neuen Straße, wo sich einst das Gebäude mit den beiden Figuren an der Giebelseite und ein gepflegter Park befanden. Die Konsumbäckerei auf der Max-Müller-Straße, die nicht nur Brot und Semmeln, sondern auch Torten und Kuchen herstellte, der Schlachthof (Chopinstraße 6, vorher Friedländer Straße) mit seinem beliebten Gasthof standen ebenfalls auf dem Plan sowie die städtische Fäkalien- und Müllabfuhr. Oder der frühere Kundenraum der Post. Denn viele Zittauer erinnern sich noch an die Drehtür vor dem Innenraum mit seiner dunklen Holztäfelung, den Schiebefenstern an den Schaltern und den davor stehenden „sozialistischen Wartegemeinschaften“. Unerwähnt geblieben sind unter anderem auch das Modehaus Reber, Samen-Ziegler, der Delikat und das Kurzwarengeschäft in der Bautzner Straße. In der Reichenberger Straße, in DDR-Zeiten Straße der DSF, gab es den „Tourist“ auf zwei Etagen, in dem neben Sportbekleidung und -geräten auch Modellbahnartikel und Bastelbedarf angeboten wurden. Vergessen werden dürfen ebenfalls nicht die beiden Fahrzeug-HO-Geschäfte in der Brunnenstraße, wo es nicht nur Ersatzteile für Zwei- bis Vierradfahrzeuge gab, auch Fahrzeugbestellungen wurden hier aufgenommen. So konnten interessierte Bürger später im Schaufenster an der Ecke zum Feuergässchen lesen, wie lange sie noch auf ihren fahrbaren Untersatz zu warten hatten. Südlich des Marktes befand sich das Geschäft „Vollprecht“ mit seinem vielfältigen Angebot von Haushaltswaren bis zu Kleinmöbeln. Und so weiter und so fort.

In der Serie erinnerten die Autoren zum Beispiel an die weit über Deutschland hinaus bekannten früheren Zittauer Ärzte Dr. Pollack, der für seine Handchirurgie geschätzt wurde, und Dr. Sommer, zu dem Patienten bis aus fernen Ländern kamen. Natürlich durften die einstigen Leuchttürme der Industrie in Zittau, Robur, Lautex und Könitzer nicht fehlen. Aber auch Alltäglichkeiten holten die SZ-Autoren zurück ins Gedächtnis. So ist heute zum Beispiel kaum noch vorstellbar, dass sich in der Juststraße eine zentrale Bushaltestelle befand, an der täglich Hunderte Menschen warteten. Oder dass früher in der Weinau Eishockey gespielt wurde, mehr Buslinien unterwegs waren und sich nach der Wende die Autos kilometerlang von den Grenzübergängen durch die Stadt stauten. Einen besonderen Schwerpunkt der „Unvergessen-Serie“ bildeten Hotels, Gaststätten und Geschäfte, an die sich viele Zittauer noch gut erinnern können. Die „Sonne“ am Markt zum Beispiel war viele Jahre lang fest in der Hand der Soldaten aus dem NVA-Gelände in Zittau-Süd. Auch in der „Germania“ an der Lindenstraße ging es deftig zu. In der „Totenschänke“ am Krematorium wurden so manche Verstorbene betrauert.

Wie sehr die Serie auf Interesse stieß, war spätestens bei „Ring on Feier“ im August des vergangenen Jahres klar: Eine Bilder-Show der SZ mit Fotos aus der Serie, auf denen früher und heute verglichen wurde, fand viel Beifall unter den Ringwanderern und wurde mit vielen „Ah‘s“ und „Oh‘s“ bedacht. Damit die Erinnerungen nicht verschwinden, soll die „Unvergessen“-Serie als Buch herausgegeben werden. Voraussichtlich zu Weihnachten wird es fertig sein. Und bestimmt so viele Käufer finden wie das Buch über die vorherige SZ-Serie, in der es um Zittauer Besonderheiten ging. Das ist inzwischen viele hundertmal über den Ladentisch des SZ-Treffpunkts auf der Neustadt gegangen.