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US-Konzern Cypress schließt Designcenter

Die Entwicklung statischer Speicherchips in Dresden geht nach mehr als 20Jahren zu Ende. Sie wird in Indien fortgesetzt.

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Dresden. Zum Jahresende wird ein weiteres Kapitel sächsischer Elektronikgeschichte geschlossen: Der US-Chiphersteller Cypress Semiconductor schließt zum 31. Dezember seine Niederlassung in Dresden. Den 15 Mitarbeitern sei bereits gekündigt worden, bestätigte gestern die deutsche Tochter von Cypress in Zorneding bei München. Die Konzernzentrale in San Jose in Kalifornien antwortete nicht.

Die Amerikaner beenden eine Geschichte, die bereits in den 1980er-Jahre begonnen hatte. Damals entwickelten Ingenieure des Zentrums für Forschung und Technologie Mikroelektronik Dresden nichtflüssige statische Speicher (NV-SRAM). 1995 wurde darauf der US-Chipentwickler Simtek aufmerksam. Er beauftragte das Zentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) mit der Fertigung einer neuen NV-SRAM-Generation. ZMD erwarb das Recht, baugleiche Chips selbst zu vermarkten. Die Kooperation beider Firmen führte jedoch zu einen ruinösen Preiskampf.

Einst der Stolz von Simtek

Im Mai 2006 gab die ZMD AG auf und verkaufte ihr NV-SRAM-Geschäft an Simtek: für 6,3 Millionen Euro. Nun war Simtek Alleinanbieter dieser Speicherchips. Die Preise erholten sich vorübergehend, Simtek legte ein stürmisches Wachstum hin.

Die Dresdner Simtek-Mannschaft wurde zur Europa-Zentrale, hatte mit ihren NV-SRAM-Lösungen für Computertechnik und Automobilelektronik einen großen Anteil am Erfolg – letztendlich aber vergebens. Im vergangenen September wurde Simtek von Cypress Semiconductor gekauft, für umgerechnet 36,3 Millionen Euro. Nun waren die Kalifornier Monopolist für NV-SRAM-Chips.

Noch kurz vor der Übernahme soll Cypress den Beschäftigten in Dresden den Ausbau der Niederlassung versprochen haben. Nun gehen die Entwicklungsarbeiten nach Indien. Dort betreibt Cypress zwei Designzentren in Bangalore und Hyderabat. Die indischen Chipentwickler erhalten dem Vernehmen nach einen weit geringeren Lohn als ihre sächsischen Kollegen.

Cypress hat seinen Sitz in San Jose im Silicon Valley. Der Konzern setzte 2007 umgerechnet 1,26 Milliarden Euro um und machte dabei einen Gewinn von 311 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2008 machte Cypress jedoch 19 Millionen Euro Verlust. (SZ)