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Vegan auf dem Vormarsch

© dpa

In Sachsen öffnet der erste vegane Supermarkt. Der Trend zum Verzicht aufs Tierische wächst.

Von Martina Hahn

Dresden. Lachs ohne Fisch drin, Schnitzel aus Soja oder Käse ohne Milch: Bereits eine Million Menschen konsumieren bundesweit nur vegane Produkte – 20 Prozent mehr als noch 2012. Sie essen nichts, was aus Tieren hergestellt wurde. Neben Fleisch und Fisch sind auch Milch, Eier oder Honig tabu.

Nach bio und fair geht der Trend jetzt zu einem veganen Lebensstil. Allein in Biomärkten und Reformhäusern wurden 2013 nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschland rund 658 Millionen Euro mit rein pflanzlichen Produkten umgesetzt. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. „Vegan wird zum Wirtschaftsfaktor“, sagt Vereinsgründer Christian Vagedes. Doch noch ist vegan ein Nischenmarkt: Der gesamte Umsatz mit Lebensmitteln lag im selben Jahr bei rund 210 Milliarden Euro.

Dieser Nischenmarkt hat jedoch großes Potenzial: Spezialanbieter wie vegane Supermärkte, vegane Restaurants und tierfreie Kleidergeschäfte gibt es in nahezu allen Großstädten – auch in Dresden und Leipzig. Der Trend beschert ihnen ein massives Umsatzwachstum: Die bislang einzige vegane Supermarktkette Veganz mit Filialen unter anderem in Berlin und Prag konnte ihren Umsatz zwischen 2012 und 2013 mehr als verdreifachen. Noch in diesem Jahr soll eine Filiale in Leipzig öffnen.

Doch auch der konventionelle Handel erwartet ein Plus durch vegane Kost. Selbst beim Discounter finden Kunden heute Sojamilch, veganen Joghurt oder Fleisch- und Käseersatz. „Vegane Alternativen werden immer wichtiger“, sagt Christoph Minhoff, Chef von BLL und BVE, den beiden Spitzenverbänden der Lebensmittelwirtschaft. Das bestätigt auch Kaufland-Sprecherin Christine Axtmann: „Die Nachfrage nach veganen Produkten hat in den letzten Jahren zugenommen.“ Und Denise Klug vom Informationsdienst Planet Retail sagt: „Die großen Ketten und Discounter könnten mit veganen Eigenmarken punkten.“

Weniger Futteranbau, mehr Klimaschutz: „Würden wir fleischlos oder zumindest fleischärmer essen, wäre das für die Umwelt und das Klima eine große Entlastung“, sagt Martin Hofstetter von Greenpeace. Auch gehen medizinische Studien davon aus, dass eine Ernährung ohne tierische Zutaten gesünder ist, solange Veganer sich ausgewogen ernähren. Andere Mediziner sehen das kritischer und empfehlen Mischkost. Studien des Hannoveraner Lebensmittelwissenschaftlers Andreas Hahn deuten darauf hin, dass vegane Ernährung über Jahre wohl zu einem höheren Herzinfarkt-Risiko oder Osteoporose führen kann. Wie gesund vegan tatsächlich ist, was es bedeutet und wo es vegane Kost zu kaufen gibt, erklärt die Sächsische Zeitung ab morgen in einer Serie „Trend vegan“.