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„Verbessern Sie den Ruf der Bauern, Herr Minister“

Jörg Fleischer hat als Agrar-Chef in Niederseidewitz viel Besuch. Am Sonnabend kommt ein seltener. Die Chance nutzt er.

© Daniel Schäfer

Von Heike Sabel

Liebstadt. 20 Tschechen am Montag, 25 Franzosen am Mittwoch – und der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt am Sonnabend: Dr. Jörg Fleischer in der Agrargenossenschaft Niederseidewitz hat oft Besuch. Jeden Monat, aus der ganzen Welt. Japaner und Chinesen, Russen und Amerikaner interessieren sich vor allem für das Niederseidewitzer Melkkarussell. Das arbeitet vollautomatisch und ist eines der ersten dieser Art im Land. Nun kommt also auch der Minister. Ein Anruf, und Fleischer überlegte nicht lange, um das Angebot anzunehmen. „Es ist eine Ehre und Chance.“ Und eine Gelegenheit, dem Minister zu sagen, was ihn und andere Bauern bewegt.

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Erster Wunsch: Verbessern Sie den Ruf der Bauern


„Wir Bauern sind oft der Buhmann“, sagt Fleischer. „Obwohl wir natürlich gesetzeskonform arbeiten.“ Doch das werde oft bezweifelt. Die Folgen seien viele Kontrollen und ein schlechter Ruf. „Obwohl wir alles richtig machen, müssen wir uns ständig rechtfertigen“, sagt Fleischer. Das müsse kein Arzt und kein Lehrer. „Darunter leiden wir.“ Der Minister soll deshalb etwas für einen besseren Ruf und die öffentliche Wahrnehmung der Bauern tun.


Zweiter Wunsch: Setzen Sie sich für einen ordentlichen Milchpreis ein
Die Niederseidewitzer verkaufen ihre Milch für einen Euro pro Liter ab Hof. Das würden die Leute für gute Qualität auch im Laden bezahlen, sagt Fleischer. Wenn die niedrigen Preise im Handel politisch gewollt seien, müsse die Politik auch für Ausgleichszahlungen sorgen. Die seien wichtig für den Erhalt und die Erneuerung der Landwirtschaft. „Wir wollen die Bedingungen und unsere Produkte verbessern, bei den geringen Lebensmittelpreisen ist das aber verdammt schwierig“, sagt Fleischer. Deshalb sein Wunsch: Setzen Sie sich für die sächsische Landwirtschaft und Preise ein, von denen die Bauern leben können.

Dritter Wunsch: Schicken Sie junge Leute in die Produktion

Was man nicht kennt, lebt von Gerüchten, sagt Fleischer. Wer nur mal einen Traktor von Weitem sieht und nicht selbst Kartoffeln gelesen, Rüben gezogen und die Mistgabel geschwungen hat, hat keine Vorstellung von der Landwirtschaft. „Ein Tag in der Produktion für Schüler hat noch niemandem geschadet“, sagt Fleischer. Zwar kommen fünf bis sieben Schulklassen pro Jahr und werden Praktika angeboten, aber das beruht auf dem Interesse der Lehrer. Also wünschen sich – nicht nur die Bauern – einen für alle Schüler obligatorischen Ausflug in die Landwirtschaft und andere Betriebe. „Wir sind bereit.“

Vierter Wunsch: Rücken Sie die Landwirtschaft mehr in den Focus


Jörg Fleischer und die knapp 60 Niederseidewitzer Mitarbeiter freuen sich auf neugierige und verständnisvolle Besucher zum Tag des offenen Hofes am Sonnabend. Dass der Minister dabei ist, sei ein schöner Nebeneffekt, nicht mehr und nicht weniger. Er erwartet vom Minister-Besuch nichts Besonderes für „seine“ Agrargenossenschaft. Wohl aber wünscht er sich, dass durch den Besuch die Landwirtschaft mehr in den öffentlichen Focus gerückt wird.

Tag des offenen Hofes, 2. Juni, 10 bis 17 Uhr, Führungen, Rundfahrten, Landmaschinen-Teileflohmarkt, Bauernmarkt, Schausägen, Technikausstellung, Adresse: Niederseidewitz 22, Parkplätze vorhanden