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Verein sucht 400 Helden

Die Mitglieder aus Neudorf, Niesky und Vierkirchen helfen beim Bau eines Krankenhauses in Tansania. Das kostet viel Geld.

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© André Schulze

Von Jenny Thümmler

Niesky/Vierkirchen. Jens Marcus Albrecht und Torsten Roschk wollen mehr. So gut hat sich die Krankenstation im afrikanischen Tansania etabliert. Etwa 150 Menschen werden pro Tag behandelt, manche kommen bis aus 100 Kilometer Entfernung. Dorthin, wo sich die Deutschen vom Vierkirchener Verein Lahfa (Love and help for Africa, zu deutsch: Liebe und Hilfe für Afrika) engagiert haben und beim Aufbau finanziell mithalfen. Fünf Jahre ist die Einrichtung aktiv. Jetzt soll es weitergehen. Ein Gesundheitscenter soll an der Krankenstation in Singida entstehen. Ein Gebäude mit Platz für 15 stationär aufgenommene Patienten, wo jetzt nur fünf sein können. Mit Arbeit für mehr als die derzeit 25 Angestellten. Der Grundstein für ein großes Krankenhaus, das eines Tages ein Leuchtturm für Tansania sein soll.

Mit John Mafwimbo, dem tansanischen Bischof, verbindet Jens Marcus Albrecht inzwischen eine Freundschaft. Mafwimbo trägt vor Ort seit Beginn die Leitung des Projekts.
Mit John Mafwimbo, dem tansanischen Bischof, verbindet Jens Marcus Albrecht inzwischen eine Freundschaft. Mafwimbo trägt vor Ort seit Beginn die Leitung des Projekts. © privat

Doch: Dazu braucht es Geld. Darum starten Jens Marcus Albrecht und Torsten Roschk vom Verein jetzt eine große Spendenaktion. Etwa 55000 Euro kostet der Bau des Gesundheitscenters in Tansania. Es ist das erdbebensichere Fundament für ein dreistöckiges Hospital, das eines Tages an dieser Stelle stehen soll. 15000 Euro hat der Verein bereits gesammelt, der Rest soll nun zusammenkommen. Ab Freitag wird in der Nieskyer Sparkassenfiliale an der Görlitzer Straße ein großes Plakat der Aktion hängen – mit der Überschrift „Helden gesucht“. „Wir haben diesen Titel bei einer Spendenaktion der Kirchgemeinde Singida mitbekommen“, erzählt Jens Marcus Albrecht, der als Chirurg am Nieskyer Emmaus-Krankenhaus arbeitet. „Dort haben 400 Leute binnen eines Jahres 50000 Euro für die Sanierung einer Kirche zusammenbekommen. Eine Riesensumme für viele Afrikaner, die viel weniger Geld zur Verfügung haben als wir.“ Das Schlagwort Helden, das dort angesichts des Erfolgs kursierte, sprach Albrecht an. „Das müssen wir hier doch auch schaffen können.“ 400 Helden sind es ganz genau, die der Lahfa-Verein nun sucht. Gibt jeder 100 Euro, ist die Bausumme komplett. Als Anreiz hat das Plakat der Aktion 400 kleine Flächen, in die die Namen der Spender gedruckt werden – so diese das auch wollen. Diese Namensliste soll später auch im tansanischen Gesundheitscenter zu sehen sein. Bis Ende August bleibt das Plakat in Niesky hängen und geht danach nach Hoyerswerda und in andere Städte der Region.

Denn Zeit ist etwas, das sich die Menschen hinter Lahfa zu nehmen gelernt haben. Es geht keine Hilfe für Afrika ohne die Afrikaner. Etwas schnell überzustülpen, wie es andere Hilfsorganisationen tun, bringt nach Überzeugung von Albrecht und Roschk nichts. Zu schnell stehen die schicken Gebäude wieder leer. Bei ihrer Krankenstation hingegen arbeiten hauptsächlich Afrikaner, als ärztliche Mitarbeiter wie als Krankenschwestern. Die Deutschen wollen vor allem in Sachen Ausbildung „eingreifen“. Ein junger Mann wird bald auf Kosten des Vereins ein Studium in Tansania beginnen. Auch deswegen sollen nicht mehr als die 15000 Euro vom Vereinskonto in den Bau fließen. Das andere Geld ist für Ausbildung geplant. „Das Gebäude muss ja dann auch gefüllt werden“, sagt Jens Marcus Albrecht. Er hat bereits von vielen Arztkollegen gehört, die für ein paar Wochen nach Tansania reisen und dort ihr Wissen weitergeben wollen.

Die Initiatoren sind optimistisch, dass die erforderliche Bausumme bis Ende des Jahres beisammen ist. Dann könnte das Gesundheitscenter Ende 2017 fertig sein. „Wenn die Afrikaner einmal bauen, geht’s meistens schnell“, sagt Torsten Roschk. Alle Mitglieder der Gemeinde helfen dann mit, werden von ihren Arbeitgebern freigestellt. Ist alles fertig, gibt es für die Afrikaner dort einen großen Qualitätssprung, ist Albrecht sicher. „Es soll sich dann erst mal festigen. Medizin machen und schauen, was gebraucht wird.“ Wann das dreistöckige Hospital als Abschluss des Gesamtprojekts fertig sein soll, wollen die Vereinsmitglieder darum noch gar nicht planen.

Spendenkonto: IBAN: DE98850501003100010964,

Verwendungszweck: 400 Helden