merken

Verein verlangt Original-Fassade am Neumarkt

Hinter dem Kulturpalast wird ein neues Gebäude an der Frauenstraße gebaut. Um sein Aussehen gibt es Streit.

© Visualisierung: Arte4D/GHND

Von Lars Kühl

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Die Archäologen, die sich bis vor Kurzem hinter dem Kulturpalast noch durch die Jahrhunderte gegraben haben, sind weg. Die Neubebauung der Ecke Galerie-/Frauenstraße durch den Investor USD (Unser Schönes Dresden) könnte also demnächst beginnen. Doch vorab gibt es Ärger.

Anstoß ist ein Entwurf, mit dem die Gesellschaft Historischer Neumarkt überhaupt nicht einverstanden ist. Der Verein beobachtet den Wiederaufbau im Stadtzentrum kritisch, immer mit dem Hintergedanken, bei den Vorhaben möglichst nah an das meist barocke Original heranzureichen. Am Freitag meldete sich Vorstand Torsten Kulke zu Wort. Er verwies auf einen Beitrag des Architekten Alexander Poetzsch, der kürzlich auf seiner Facebook-Seite eine Ansicht gepostet hatte. Die zeigte das neue Gebäude, das anstelle des Hauses, welches 1761 die italienische Kaufmannsfamilie Chiapponi erbauen ließ und das bis zur Bombennacht 1945 hier stand, errichtet werden soll.

Es ist nicht nur das moderne Aussehen der Fassade, die Kulke stört, sondern vor allem die Gebäudemaße. „Nach Überprüfung fehlen dem Grundstück 1,5 bis zwei Meter, um eine Fassadenrekonstruktion des Chiapponischen Hauses umsetzen zu können“, sagt er. „Die Stadt hat anscheinend die entsprechenden Grundstücksgrenzen neu festgelegt.“ Er vermutet eine Schleppkurve als Ursache, die für die Fahrzeuge notwendig ist, die den Kulturpalast anliefern. Zweifel bestehen jedoch, ob die bereits an der Einfahrt zur Frauenstraße in dem Ausmaß beginnen muss.

Kulke verweist auf ein städtebauliches Konzept von 2011, vom Stadtrat beschlossen. Das sah für das Chiapponische Haus noch die dem Original nachempfundene Fassade als bindend vor, obwohl damals schon die Größe der Schleppkurve bekannt gewesen sein musste. Die Gesellschaft fordert die Stadt auf, „den Fehler zu korrigieren, sich an ihr Konzept zu halten und den Grundstücksanteil der USD zu übereignen“. Alternativ wäre ein Überbauungsrecht, welches am Neumarkt bereits mehrfach Eigentümern eingeräumt worden war. „Ein Wiederaufbau des Chiapponischen Hauses ist nicht nur möglich“, erklärt Kulke, „sondern durch seinen Erker auch für das Gesamtensemble Frauenstraße notwendig.“ Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein: Der Beitrag mit dem modernen Entwurf auf der Seite des Architekten Alexander Poetzsch wurde nach wenigen Tagen wieder gelöscht.