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Verrückt nach einem flotten Käfer

Acht Jahre Arbeit steckte Mario Aßmann in sein Schmuckstück. Jetzt zeigt er den Wagen beim VW-Treffen in Bautzen.

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© Robert Michalk

Von Miriam Schönbach

Bautzen-Litten. Satt und sonor blubbert der VW Käfer. Mario Aßmann streicht über das Lenkrad im sonnengelben Auto. Er gibt Gas und lässt es aus der Garage in Steindörfel rollen. Seine erste Spritztour mit dem Oldtimer liegt wenige Tage zurück. Ein paar tote Mücken kleben von der Ausfahrt auf der glänzenden Motorhaube. Für das VW-Pfingsttreffen poliert der 30-Jährige nun seinen Schatz noch mal auf. Kurz vor dem blühenden Apfelbaum stellt er ihn ab. Die Sonne strahlt mit dem Gelb um die Wette.

VW-Treffen 2016 in Bautzen

Mario Aßmann steigt aus und streicht über die Karosserie. Vor knapp 16 Jahren hat er diesen VW Käfer 1303 aus dem Baujahr 1973 entdeckt. „Das ist die letzte Evolutionsstufe des Käfers – und ein Sportwagen. Ich musste ihn damals unbedingt haben“, sagt der Maschinenbauer. Sein Käfer-Gen liegt in der Familie. Bereits der Großvater Georg Aßmann macht sich 1958 zu einer Reise nach Westdeutschland auf den Weg und kommt mit einem „Brezel-Käfer“ zurück. Sein Markenzeichen ist die geteilte Heckscheibe. Die Geschichte wird immer wieder gern erzählt.

Begeisterter General

Fortan fährt Georg Aßmann den Pkw, dessen erster Prototyp 1938 zum ersten Mal gebaut wurde. Ferdinand Porsche erhält am 22. Juni 1934 vom Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie einen Entwicklungsauftrag, ein sparsames und preisgünstiges Autos für jedermann zu konstruieren. Allerdings werden davon nur einige Vorführwagen gefertigt. Vier Jahre später legt Adolf Hitler den Grundstein für das Volkswagenwerk in der Nähe Wolfsburgs. Statt ziviler Autos bauen die Mitarbeiter aber bald Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht. Die Pläne für den Volkswagen verschwinden bis zum Kriegsende in den Schubladen. „Ein VW-Mitarbeiter hat dann nach dem Krieg in den Trümmern des Werks zwei, drei Käfer gebaut und sie einem britischen General vorgeführt. Er war so begeistert, dass er für die Armee gleich 10 000 Stück orderte“, sagt Mario Aßmann. Er weiß fast alles über die Erfolgsgeschichte dieses kleinen, runden Autos. Sein Opa übrigens belässt es nicht nur beim ersten Liebling in Blau-metallic. Er holt sich Anfang der 1980er Jahre noch einen zweiten Käfer in der Kfz-Werkstatt Vogt in Bautzen.

Vater Harry Aßmann kommt zu seinem Sohn. Der Betreiber der Gaststätte und des Hotels in Steindörfel schmunzelt über die alten Geschichten. „Das Auto sollte eigentlich jemand anderes bekommen, aber er hatte keinen Motor. Wir hatten aber noch einen zum Austauschen da“, sagt er. So fahren die Aßmanns bis zur Wende mit dem Käfer über Land und in den Urlaub. Nebenbei läuft ihr Antrag auf einen Lada. In der DDR braucht es ja viel Geduld, um ein Auto zu bekommen. Für die Familie ist es 1990 soweit. Sie lehnen dankend ab – tauschen aber wenig später auch ihre langjährigen, vierrädrigen Familienmitglieder gegen neuere VW-Exemplare.

Jetzt wird richtig aufgemotzt

Eigentlich bereuen die Aßmanns schnell ihre Entscheidung. Gleichzeitig beginnt der Sohn an Mopeds in den alten Gewölben unter der Gaststätte, wo einst Bier gebraut wurde, herumzuschrauben. Im Stillen wächst seine Käferleidenschaft, bis zum Tag, als er es gelb über einen Zaun in Niedergurig schimmern sieht. Er restauriert seinen schnittigen Rennkäfer, überholt die alte Innenausstattung, wechselt die Scheibengummis, bringt Armaturenbrett und Rückbank zum Sattler und erneuert den Motor. Im Jahr 2003 meldet er seinen Liebling als Oldtimer mit H-Kennzeichen an. Vier Jahre fährt er so übers Land. Dann nimmt er seinen Käfer aus dem Verkehr. Er will ihn nun richtig aufmotzen. Also schraubt ihn komplett auseinander.

Mario Aßmann öffnet die Motorhaube. Darunter sieht nichts mehr nach Oldtimer aus. „Ich wollte ein paar mehr PS“, sagt er. Je tiefer er in die Materie des Autos hineindringt, desto offensichtlicher werden dessen Jahre. Von der Karosserie holt er den Lack herunter und lackiert ihn in „Porsche-Speed-Gelb“. Er baut ein Porsche-Fünf-Gang-Getriebe ein, eine Porschebremse und einen stärkeren Motor. Acht Jahre Arbeit stecken im Fahrzeug. Zu Pfingsten will er nun seinen getunten Käfer mit den anderen rund 30 000 Autoliebhabern präsentieren. Der Oldie wird dann aber eher ein Exot sein. Erwartet werden zu Deutschlands größtem VW-Treffen, so Eventmanager Sven Lehmann, etwa rund 10 000 Fahrzeuge, meist allerdings jüngeren Datums.

Nächster Käfer steht zur Restaurierung

Für Mario Aßmann geht die Käferleidenschaft nach dem Wochenende weiter. Mit seinem Modell will er bei Rennen antreten. Außerdem steht bereits ein weiterer, restaurierungsbedürftiger Oldtimer für seinen Vater bereit. Das ist ein Ovali, Baujahr 1956, mit rundem Fenster. Bei ihm will er aufs Tuning verzichten und ihn komplett überholen. „Dann wird er himmelblau gespritzt und bekommt eine weiße Ausstattung“, schwärmt der Bastler.

Für die Schönheitskur will sich der Sohn aber nicht wieder acht Jahre Zeit lassen. Doch jetzt bekommt erst einmal sein vierrädriger Schützling die notwendige Zuwendung. Mit Wasser wischt er die toten Mücken vom Porsche-Speed-Gelb – und zuletzt gibt es noch mit einem weichen Lappen Streicheleinheiten für den Renn-Käfer.

www. www.vw-treffen.com