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Versteckte Hilferufe

Die Strehlaer werden keine Mitglieder bei der Schlossrettung. Und um die Riesaer Nudeln wird weiter heftig gestritten. Ein uneinsichtiger Rückblick.

Von Kevin Schwarzbach
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Kevin Schwarzbach
Kevin Schwarzbach © Lutz Weidler

Strehla. Ein Schlossherr hat es nicht leicht, liebe Leserinnen und Leser. So ein Schloss ist groß und verwinkelt, das Gelände herum weitläufig und pompös, die Gesamterscheinung überaus pflegebedürftig. Das kann nur gut gehen, wenn man genügend tüchtiges Personal in seinem Hofstaat hat, das sich bestenfalls allein um die Schönheit des Bauwerks kümmert.

Nun ist Jörg Jeromin (FWG) aber kein König und das Schloss auch nicht in seinem Besitz. Ganz im Gegenteil: Die Stadt Strehla muss, wie viele andere Kommunen auch, seit Jahren ziemlich machtlos zusehen, wie ihr einst prächtigstes Wahrzeichen hilflos vor sich hinvegetiert. Es heißt zwar, dass Schlossbesitzer Georg Thaler willens sei, das Bauwerk auch für die Nachwelt zu erhalten. Manchmal geschieht an dem Gebäude auch was. Wie zu Königs Zeiten glänzt es aber trotzdem nicht. Aber genau dafür gibt es ja heutzutage Fördervereine. Die haben zwar meist noch weniger Geld für das Schloss übrig als die Kommune, aber immerhin Kraft und Lust und Willen und ganz viel Leidenschaft.

Trotzdem will die Schlossrettung in Strehla nicht so wirklich funktionieren. Erst schienen sich zwei Vereine parallel auszubilden, und so mancher Beobachter sah schon ein Kompetenzgerangel am Horizont aufziehen. Jetzt schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung aus, und Bürgermeister Jörg Jeromin fehlen ausreichend Mitglieder zur Gründung besagten Fördervereins. Insgesamt sieben müssen es sein, um die Rettung des Wahrzeichens ins Leben zu rufen. Daran kann es doch nun wirklich nicht scheitern, oder?

Wenn doch die Leute nur einmal das Amtsblatt richtig lesen würden. Dort hat die Stadt die Bürger doch im Dezember klipp und klar dazu aufgerufen, sich als Mitglied oder gar Vorstand in den Förderverein einzubringen. Der handtellergroße Hilferuf war doch auch nur zwischen 32 Seiten Verwaltungsprosa und anderen Informationen versteckt. Und dass ein solcher Aufruf nichts bringt, hätte die Stadtverwaltung vorher auch vom Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) erfahren können. Der kämpft schon seit Längerem mittels Hinweisen im Amtsblatt gegen die uneinsichtigen Falschparker, die die Glaubitzer Gehwege zerstören.

Nicht gerade einsichtig zeigten sich vergangene Woche auch Oliver und André Freidler von der Geschäftsführung der Teigwaren Riesa. Die zogen nämlich kurzerhand ihre zuvor mit der Gewerkschaft NGG getroffene Vereinbarung zurück, als es an die alles besiegelnde Unterschrift ging. Dieses dramatische Ereignis dürften ganz sicher auch die Nudelesser in aller Welt bemerkt haben. Wohl selten in der Geschichte der hiesigen Produktion wurden die Teigwaren auf dem Teller urplötzlich so zappelig. Tomatensoßen-Spritzer inklusive. Ein Glück, dass es tagsüber geschah, wo die meisten Menschen nicht mit Essen beschäftigt sind.

Der Beliebtheit der Riesaer Nudel hat der Hickhack zwischen Betrieb und Gewerkschaft bisher keinen Abbruch getan. Auf der Grünen Woche in Berlin waren die Teigwaren schon nach drei Tagen das erste Mal ausverkauft. Insgesamt wird man wohl acht Tonnen Nudeln unter die Besucher bringen. Hält der Streit um Löhne, Überstunden und Co. aber an, hat das Thema ernsthaftes Potenzial, neuer Dauerbrenner an der Seite der B 169 zu werden.

Diese Woche kann wohl kaum uneinsichtiger werden.