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Viel Raum für Fantasie

Freiraum, Geduld und Achtsamkeit. Auch mit der Inneneinrichtung setzt die Kita am Kalkberg auf Individualität.

Gemeinsam mit der Kita-Leitung hat die kultur- und bildungsbegeisterte Tischlerin Conny Matthes einen Ort in der Tagesstätte geschaffen, der den Bedürfnissen aller Kinder gerecht werden soll.
Gemeinsam mit der Kita-Leitung hat die kultur- und bildungsbegeisterte Tischlerin Conny Matthes einen Ort in der Tagesstätte geschaffen, der den Bedürfnissen aller Kinder gerecht werden soll. © Claudia Hübschmann

Meißen. „Du machst jetzt dieses Puzzle, und erst dann wird gespielt!“ Diese oder ähnliche Aufforderungen haben wohl nicht wenige Erwachsene im Kopf, wenn sie sich an ihre eigene Kita-Zeit erinnern. 

Solche Sätze wird man aus dem Mund von Therése Kayser jedoch niemals hören. Seit Anfang Dezember leitet die 34-Jährige die neue Kita Querstraße oben auf dem Meißner Kalkberg. Bis zu 60 Kinder über drei Jahren verbringen hier ihre Zeit, aktuell ist knapp die Hälfte belegt, im Sommer folgt die Krippe.

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„Kinder zu etwas zu zwingen, finde ich furchtbar“, sagt Kayser, die überzeugte Anhängerin eines pädagogischen Konzepts ist, dass sich „Offene Arbeit“ nennt. Immer stärker suchen sich Eltern – nicht nur in Sachsen, sondern bundesweit – bewusst Bildungseinrichtungen aus, die von klassischen Erziehungsvorstellungen abweichen. 

Kayser, die auch schon in Dresden und Riesa Kitas leitete, ist es am Kalkberg besonders wichtig, jedes Kind mit seinen individuellen Eigenarten anzunehmen. „Nehmen wir an, wir haben Clara, die sehr ruhig ist und gerne malt. Und dann ist da Nico, der hat einen ganz hohen Bewegungsdrang und tobt gerne rum. Wenn wir jetzt alle Kinder zusammen für zwei Stunden zum Zeichnen schicken, ist es ja kein Wunder, dass Nico irgendwann vielleicht anfängt, Clara mit Stiften zu piksen und zu ärgern“, argumentiert Therése Kayser.

Viel besser sei es da doch, wenn beide Kinder ihrer Leidenschaft nachgehen können. Deshalb gibt es am Kalkberg keine Gruppen, sondern sogenannte Themenräume. Nach den gemeinsamen Mahlzeiten, die als einzige Aktivitäten verpflichtend sind und zu festen Uhrzeiten stattfinden, wird den Kindern die Qual der Wahl gelassen. 

„Von sieben bis acht gibt es Frühstück, da kann sich jeder Beläge aussuchen und darf auch sein Brot selbst schmieren. Dann schwirren die Kinder aus, gehen vielleicht zur Erzieherin, spielen mit Freunden oder erkunden die Räume“, sagt Kayser.

Sechs verschiedene Themenzimmer gibt es in der Kita. Wer es gerne kuschelig mag, darf im sogenannten Snoezelraum (zu deutsch etwa schnuffeln oder dösen) auf dem Bett liegen und dabei Musik lauschen. Damit die Kinder das Erlebnis mit allen Sinnen wahrnehmen können, hat Kayser extra Subwoofer unter das Bett bauen lassen. So seien auch die Vibrationen vom Bass spürbar, während es aus den Lautsprechern von der Decke dudelt.

Neben dem Snoezelraum gibt es noch ein Kinderrestaurant, ein Atelier, einen Bewegungsraum sowie einen Projektraum, in dem sich Kayser auch vorstellen kann, dass die älteren Kinder dort später an alten Computern schrauben oder auf einer Werkbank sägen lernen. 

Besonders stolz ist die 34-Jährige jedoch auf den Fantasieraum. Gestaltet wurde das Zimmer, in dem die Kinder eine eigene Bühne für Theaterstücke und Rollenspiele haben, von der Klipphausener Tischlerin Conny Matthes. Die war sofort begeistert von Kaysers Idee eines Verwandlungsraums.

In nur zwei Monaten, in denen Kayser und Matthes sich häufig trafen, um Ideen auszutauschen, fräste und bohrte die Tischlerin im Werkstattteam mit dem Azubi eine kindgerechte Theaterlandschaft aus heller Birke zusammen. 

Matthes ist noch immer sehr glücklich über den Auftrag. „Ich habe es geliebt, das zu gestalten, auch für die Kinder. Das war genau mein Ding“, erzählt die zweifache Mutter.

Viele Besonderheiten hat die 46-Jährige in den Raum integriert, eine Ausstattung, die voll auf das bedürfnisgerechte Konzept von Kita-Leiterin Kayser eingeht und deshalb, so Matthes, in dieser Form nicht vom Fließband zu haben ist. 

Überall hat die Tischlerin kleine Löcher in das Holz gefräst. „Die sollen den Kindern neue Perspektiven und immer einen guten Rundumblick bieten“, erklärt Matthes.

Hinter der Bühne befindet sich ein Verkleidungsbereich. Hier hat Matthes Kleiderhaken und eine Kleiderstange für Kostüme, Hüte und weitere Accessoires gebaut. Nebenan ein kleiner Tisch mit Spiegel – der Schminkbereich. 

Die Rückwand des Vorführungsbereichs ist magnetisch, hier können die Kinder Bühnenbilder mit Kreide zeichnen oder anpinnen. Auch ein Kaufladen und ein Puppentheater gehören zum Fantasiepaket dazu. Und weil das Schauspielern auf Dauer müde macht, führt rechts eine Treppe nach oben. 

Dort schläft es sich auf einem Teppich aus Ziegenhaar und Schurwolle besonders gut. Nach dem Aufwachen schaut man durch ein großes Fenster in den Flur. Wer am Steuer sitzt, braucht schließlich einen guten Überblick.