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Vier auf einen Streich

Wetterkapriolen mit Trockenheit und Starkregen machen den Störchen auch dieses Jahr zu schaffen. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten.

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© Arvid Müller

Von Sven Görner und Peggy Zill

Radeburg/Moritzburg. Die jungen Störche halten Ausschau nach ihren Eltern. Drei stehen in der sicheren Mitte des Nestes. Der Vierte, offenbar ein besonders Kecker, balanciert dagegen auf den dünnen Zweigen am Rand. Keine ungefährliche Sache. Schließlich kann der Weißstorch-Nachwuchs noch nicht fliegen.

Viel zu tun für Mama und Papa Storch. So viel Nachwuchs gibt es nicht oft. Erst recht nicht, wenn Futtermangel, Nässe und Kälte das Brutgeschäft und die Aufzucht erschweren.
Viel zu tun für Mama und Papa Storch. So viel Nachwuchs gibt es nicht oft. Erst recht nicht, wenn Futtermangel, Nässe und Kälte das Brutgeschäft und die Aufzucht erschweren. © Norbert Millauer

Die vor gut zwei Jahren von ehrenamtlichen Storchen-Kümmerern und der Enso auf einem Strommast in der Siedlung des Prießnitz-Vereins angebrachte Nisthilfe scheint eine gute Investition zu sein. Flogen in den ersten beiden Jahren von dort im Spätsommer jeweils drei Jungstörche mit ihren Eltern in Richtung Süden könnte es in diesem Jahr also sogar noch einer mehr sein. Vorausgesetzt, es geht alles gut.

Die Altstörche in dem neuen Nest in Volkersdorf wären damit die Erfolgreichsten der 13 Neststandorte in der Moritzburger Kleinkuppenlandschaft, um die sich Storchenbetreuer Günter Opitz kümmert. Noch kann aber viel passieren, wie er aus seiner jahrelangen Erfahrung weiß. Aus dem Gröbsten sind die kleinen Adebare am Waldteich indes erst einmal raus.

Doch nicht überall hat es so gut geklappt. Denn auch in diesem Jahr mussten die Störche wieder gegen Wetterunbilden wie Trockenheit auf der einen Seite und Starkregen auf der anderen kämpfen. Ob diese auch der Grund dafür waren, dass das Paar im Radeburger Nest seinen Brutversuch abgebrochen hat, weiß Günter Opitz nicht genau. Möglich auch, dass sie gestört wurden oder es einfach schon zu spät war.

„Normalerweise kommen die zeitigen Störche im März und der Hauptteil im April bei uns an“, sagt der Storchenkenner. „Die beiden in Radeburg habe ich das erste Mal anfang Mai gesehen. Viele fangen da gar nicht mehr an zu brüten, weil die Jungen dann erst Ende August fliegen können, was eigentlich zu spät ist.“ Im Vorjahr waren hier vier Jungstörche ins Winterquartier gestartet.

Auch in Berbisdorf steht jetzt schon fest, dass das dortige Paar nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen kann. Da hatte es drei Junge durchbekommen. Dabei begann alles gut: „Am 26. Mai habe ich drei kleine Störche gesehen, die bei der nächsten Kontrolle am 15. Juni schon gut gewachsen waren. Doch am 1. Juli fehlte dann plötzlich einer.“ Was aus diesem geworden ist weiß der Storchenbetreuer nicht. Ebenso fehlt in Bärnsdorf von zwei Jungen jede Spur. Auch dort hatte Günter Opitz drei im Nest gesehen. „Ende Juni war dann plötzlich nur noch einer da.“ In der Zwischenzeit gab es aber mehrfach sehr starken Regen. Möglicherweise wurde das den kleinen Störchen in Bärnsdorf und Berbisdorf zum Verhängnis. Zwar versuchen die Eltern, ihren Nachwuchs mit dem eigenen Gefieder zu schützen, wenn dieser noch nicht zu groß ist, wenn das Wasser aber nicht richtig aus dem Nest abläuft, hilft das nicht. Im Vorjahr hatte es hier auch nur ein Storchenjunges geschafft. Nicht besetzt wurde in diesem Jahr das Nest in Großdittmannsdorf. „Dort war im Winter der Nestaufbau reduziert worden. Das ist aber sicher nicht der Grund.“

Gute Nachrichten hat der Naturschutzhelfer dagegen von anderen Nestern: In Bärwalde, wo es im Vorjahr keine Brut gab, zählte Günter Opitz diesmal zwei Tiere. Und in der Röderaue bei Ottendorf-Okrilla sind es sogar vier statt zwei. Er hofft, dass alle 15 Tiere, die es derzeit in den Nestern noch gibt, überleben. Dann wären es genau so viele wie im Vorjahr. Das beste Storchenjahr seit 2000 war mit 20 Jungtieren 2008 gewesen. 2013 schafften es nur zwei.

Beim Priesnitz-Verein hat man sich inzwischen an die neuen Bewohner gewöhnt, wie Vereinschef Volkmar Schiekel sagt. Denn so schön die Tiere anzusehen sind, es ist nicht besonders appetitlich, was da manchmal aus dem Nest fällt. „Mäuse, Frösche, Schlangen, Karpfen, Igel“, zählt Schiekel ein paar Tiere auf, die auf dem Speiseplan der Störche stehen. „Und wenn die Jungen noch sehr ungeschickt sind, geht eben auch manches daneben.“