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Vier ausgesetzte Welpen gerettet

Eine Familie hat vier kleine Hunde an einer Brücke in Großhennersdorf gefunden. Das Tierheim Bischdorf hat sie wieder aufgepäppelt.

© Constanze Junghanß

Von Constanze Junghanß

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Großhennersdorf/Bischdorf. Beim Bischdorfer Tierheim steht das Telefon nicht mehr still. Alle paar Minuten klingelt es. Vier Hundekinder sind aktuell die Stars im Tierheim. „Mittlerweile gibt es schon etwa 30 Interessenten für die Kleinen“, sagt Karoline Peuker, Vorstandsmitglied vom Tierschutzverein Löbau-Zittau. Die knuffigen Vierbeiner sorgen derzeit für Schlagzeilen. Ihre Geschichte berührt die Leute im sozialen Netzwerk Facebook. Am Dienstagnachmittag wurde ein Hinweis einer Tierheimmitarbeiterin in den sozialen Medien rund 7 500 Mal geteilt.

Die Welpen wurden offensichtlich von einem Unbekannten ausgesetzt. Entsorgt wie Abfall bei einer Brücke nahe Großhennersdorf im Königsholz unweit der Umgehungsstraße.

Anett Brückner und ihre Tochter Kim drehten am Freitag, den 13. Juli, ihre Hunderunde mit den eigenen Tieren. „Plötzlich liefen Miro und Luna los“, sagt die Oderwitzerin. Sie ist noch immer etwas fassungslos, als sie erzählt, was sie dann vorfanden: „Auf der Überführung standen zwei, unterhalb der Brücke die anderen beiden.“ Weit und breit kein Mensch in Sicht. Mutterseelenallein, ohne ein Krümel Futter, ohne Wasserschale. Die Hundebabys wirkten hungrig und durstig. „Wir waren ziemlich aufgeregt“, sagt die Mutter, der gleich durch den Kopf geschossen sei, wie unmöglich es ist, Tierbabys einfach auszusetzen. Sie vermutet, die Welpen wären gestorben, wenn sie nicht durch Zufall von ihren eigenen Hunden aufgespürt worden wären. Denn lange kann ein so winziges Hundekind nicht in freier Natur überleben. Für Raubtiere sind sie leichte Beute und ohne Wasser und Futter könnte auch ein Jungtier nur kurze Zeit durchhalten. „Wir alarmierten das Tierheim Bischdorf“, schildert Anett Brückner die Situation. Dessen Mitarbeiter waren schnell zur Stelle und nahmen sich der Welpen an. Ein Zwinger wurde vorbereitet, mit Schlafkörbchen und Liegeplätzen eingerichtet. Die „Findlinge“ seien völlig verwurmt und von Zecken befallen gewesen, wie Karoline Peuker sagt. Ebenso dehydriert und ausgehungert. Mittlerweile sind die Welpen tierärztlich behandelt und durchgecheckt worden. Parasiten haben sie keine mehr. Ihr Allgemeinzustand sei zum Glück gut. „Sie kennen definitiv menschliche Zuwendung, da sie sehr zutraulich und kuschelbedürftig sind“, haben Karolin Peuker und die anderen Tierheimmitarbeiter die vergangenen Tage die Erfahrung gemacht. Fraglich sei allerdings, ob alle vier Tiere aus einem Wurf stammen. Bei Zweien sieht es aus, als hätten die Rassen Golden Retriever und Schäferhund ihre Gene weiter gegeben. In den beiden anderen stecke vielleicht ein Jack Russell drin. Anhand der Zahnbegutachtung sei anzunehmen, dass alle in etwa das gleiche Alter haben: Geschätzte acht bis zehn Wochen jung.

Das Tierheim fragt nun, ob jemand sachdienliche Hinweise zu den Hundekinder geben kann. „Wer hat was beobachtet? Wem kommen die Welpen bekannt vor?“, ist auf der Facebookseite vom Tierschutzverein Löbau-Zittau zu lesen. Bei der Einrichtung sollen sich Leute melden, die vielleicht Auskunft geben können. Das Veterinäramt sei zudem informiert worden. „Die Finder aus Oderwitz wollen Anzeige bei der Polizei machen“, heißt es vonseiten des Tierheims.

Es ist nicht das ersten Mal, dass die Einrichtung mit ausgesetzten Tieren zu tun hat. Das komme zwar selten vor, ist aber kein Einzelfall. Vor fast genau zwei Jahren wurden im Gewerbegebiet Zittau-Weinau sechs Hundebabys in einem Karton gefunden. Ebenfalls vor zwei Jahren landeten vier Katzenbabys in einem Karton an einer Bushaltestelle in Rosenbach. Die Tierkinder konnten vermittelt werden. Kein gutes Ende gab es für ein in diesem Jahr ausgesetztes Chinchilla in einem Wald bei Herrnhut und eine weiße Perserkatze. „Das Chinchilla war bereits von Würmern zerfressen und die Katze schwer krank“, sagt Peuker. Beide Tiere mussten von ihrem Leiden erlöst werden.

Das Tierheim hat gerade jetzt in der Sommerzeit kräftig zu rudern. Erfahrungsgemäß werden durch die Urlaubssaison weniger Tiere vermittelt. Kürzlich musste die Einrichtung zudem zusätzlich auf einen Schlag 31 Zwergkaninchen aus einem Dresdner Tierheim aufnehmen. Sie stammen aus einer Kleingartenanlage, wo 130 Zwergkaninchen aus schlechter Haltung gerettet wurden. Mehr als 60 Katzen warten auf ihre Vermittlung, dazu 15 Katzenkinder und 27 Hunde. Das Tierheim ist gerade für die Nager auf Futterspenden angewiesen: Möhren, Kartoffeln und Heu werden gesucht. Ebenso benötigt die Einrichtung finanzielle Unterstützung für die Tierarztkosten der vielen „Notfellchen“. Erst am Dienstag holten die Mitarbeiter eine schwer verletzte Katze vom Tierarzt, die ein Anwohner bei Kittlitz gefunden hatte. Die kleine Mietz mit dem dreifarbigen Fell hatte einen Unfall und musste operiert werden. Der Besitzer ist noch nicht gefunden worden.

Info: Wer Hinweise zu den Hundewelpen geben kann, meldet sich beim Tierheim telefonisch unter 03585 8789408 beziehungsweise außerhalb der Öffnungszeiten unter 0172 2761398; Internet mit Spendenkonto:

www.tierschutzverein-loebau-zittau.de