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Voll unfääär!

Mit einer Gala geballter Gags ist das Dresdner Comedy-Festival Humorzone zu Ende gegangen und hat Nachwuchs gezeugt.

© Amac Garbe/PR

Von Nadja Laske

Den Unterschied zwischen gefühlter und gefüllter Leere kennt keiner so gut wie Julius Fischer. Mit Knopf im Ohr und Regieanweisung im Hirn spaßt der Poet und Kabarettist das Publikum auf das große Gelächter ein. Dazu gehörten am Sonntagabend im Alten Schlachthof auch Selbstverständlichkeiten wie der Hinweis auf die Regularien der Fernsehaufzeichnung. Der MDR nahm die Abschluss-Gala des Dresdner Comedy-Festivals auf, um noch am gleichen Abend die Wohnzimmer des Sendegebietes zu Humorzonen zu machen. Dass die Live-Gäste jegliche Rechte am eigenen Amüsement an den Sender abtreten, ebenso wie ein Drittel ihres Monatsgehalts, gehörte da zum lachtechnischen Vorspiel.

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Schneller, weiter, höher – verspannter?

Hektik und Stress, das fordert seinen Tribut. Schmerzen im Nacken und Rücken, Überforderung, Unruhe und Anspannungen sind die Folge. 

Was folgte, war eine Überraschung für alle, die bisher haderten: Chris Tall echt witzig. Wer 14 Kilo Gewicht verliert, muss schon mal erklären, wie er das gemacht hat. Das tat der Comedy-Newcomer mit dem Cap höchst anschaulich, um schließlich erschöpft auf die Couch zu fallen: „Ich steige ab vom Mofa und geh direkt aufs Sofa.“ Nicht unbedingt flotter, aber durchaus sozialkritisch dachte Johann König laut über das Zwischenmenschliche nach: über unrechtmäßig verpönte Zeitungsdiebe, Bananenschalen im Briefkasten und eine zu fette Katze mit Hundekacke an der Tatze – das Ganze im Rahmen seiner asozialen Nachbarschaft. In unserem schönen Dresden gibt’s so etwas nicht, nichts von dem, was Ingmar Stadelmann über den Berliner Nahverkehr berichtete. So gereicht der Fluch auf die BVG der DVB zum Segen.

Doch was wäre das poetische Potpourri ohne den Gastgeber Olaf Schubert. Er outete sich dieselskandalös als dreifacher Porschefahrer („Vom Munde abgespart – über Wochen!“), fand für jeden seiner Gäste auf der Bühne einen passenden Witz, zum englischsprachigen Leo Bassi einen Gag und kündigt schließlich den Preisträger des Güldenen August an: Simon Stäblein. Der machte seine eigene luschige Generation zum Obst, die über keine blühende Obstwiese laufen kann, ohne von Allergien niedergestreckt zu werden – junge Leute, die im Freiwilligen Sozialen Jahr bei ehemaligen Kindersoldaten über ihr Einser-Abi jammern und überhaupt alles „voll unfääär“ finden. Zum Beispiel, dass die Leute da in Afrika „ohne Joga mega dünn“ sind. Sehr beruhigend zu wissen: Der Humor bekommt fähigen Nachwuchs.