Merken

Vom Gasthaus zum Wohnhaus

Der einstige Gasthof Erbgericht Kreischa wird umgebaut. Ein Blick ins Innere überraschte sogar den Bauherrn.

Von Yvonne Popp
Teilen
Folgen
NEU!
Dem Erbgericht geht es an die Substanz. Damit in dem Denkmal künftig Bewohner einziehen können, müssen massive Wasserschäden behoben und imposante Stuckdecken instand gesetzt werden.
Dem Erbgericht geht es an die Substanz. Damit in dem Denkmal künftig Bewohner einziehen können, müssen massive Wasserschäden behoben und imposante Stuckdecken instand gesetzt werden. © Andreas Weihs

Seit seiner Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts prägt das Erbgericht das Ortsbild im Zentrum Kreischas. Daran änderte sich auch nichts, als das Gebäude ab 2001 leer stand. Nur schön war es da nicht mehr anzusehen, schon fast ein Schandfleck. Nun aber zieht das imposante Gebäude am Haußmannplatz wieder alle Blicke auf sich. Eingerüstet und vom Ausleger eines großen Krans überragt, wird es seit dem vergangenen Jahr umfangreich saniert und umgebaut.

Dazu wäre es aber beinahe nicht gekommen, denn 2010 diskutierte man bereits darüber, Teile des Gebäudes abzureißen zu lassen. Doch dann nahm sich die Schloss Borthen GmbH aus Dohna des Falles an. Sie kaufte das Objekt 2012. Und schließlich konnten nach umfangreichen Planungen die Bauarbeiten dann im vergangenen Jahr endlich beginnen.

„Neben zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss werden 13 Wohnungen entstehen“, sagt Gerhard Bobe von der Firma LLB aus Dresden-Lockwitz. Der 58-Jährige ist derjenige, der auf der Baustelle den Hut auf, beziehungsweise das Sagen hat. Zu jeder Wohnung wird es zudem zwei Stellplätze geben, erklärt er weiter. Dazu sind die alten Nebengebäude abgerissen worden. An ihrer Stelle steht nun der Rohbau eines neuen Wohnhauses mit zwei Wohnungen nebst großer Tiefgarage darunter. 24 Autos sollen dort später einmal Platz finden. Zusätzlich dazu wird ein Carport mit weiteren Stellplätzen gebaut.

Im angrenzenden Altbau sind für den Laien bisher kaum Fortschritte zu erkennen. „Das liegt daran, dass wir bei der Entkernung feststellen mussten, dass die Wasserschäden in Decken und Wänden größer waren, als zunächst erwartet“, erläutert Bobe. Eine Vielzahl morscher Deckenbalken musste entfernt und durch neue ersetzt werden. Aber auch so manche tragende Wand bedurfte einer Instandsetzung.

Gut zu erkennen sind die aufwendigen Stuckarbeiten, mit denen Decken und Wände des Altbaus verziert waren. Sie zu erhalten, war nicht nur Maßgabe des Denkmalschutzes, sondern sei auch dem Bauherrn eine Herzensangelegenheit, betont der Bauleiter. Denn ihm sei sehr daran gelegen, den Charme des ehemaligen Gasthofs zu bewahren. Und so liegen in der ersten Etage Teile der einstigen Deckenverzierungen sauber aufgereiht am Boden. Gerhard Bobe erläutert, dass all die Fragmente, so es denn möglich ist, bei der Rekonstruktion wieder mit verwendet werden.

Gut erhaltene Teile der Stuckverzierung werden aufbewahrt und später wieder verwendet. So soll das Flair des ehemaligen Gasthauses erhalten bleiben.  
Gut erhaltene Teile der Stuckverzierung werden aufbewahrt und später wieder verwendet. So soll das Flair des ehemaligen Gasthauses erhalten bleiben.   © Yvonne Popp

Am vergangenen Dienstag nun wurde ein wichtiger Bauabschnitt im Altbau geschafft. Im großen Saal ist eine Zwischendecke eingezogen worden. An diesem Tag überspannte zusätzlich zum Kran noch ein weiterer Ausleger den Innenhof. Dieser gehörte nicht zu einem Kran, sondern zu einer Betonpumpe. Sie transportierte die flüssige Betonmasse aus den Mischfahrzeugen direkt in den historischen Teil der künftigen Wohnanlage. Seit den frühen Morgenstunden rollten dazu im Halbstundentakt Betonmischer zur Baustelle. „Da muss das Zusammenspiel mit dem Mischwerk klappen“, sagt Gerhard Bobe. Aber nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Mischwerk funktioniert, auch die zwischen den Arbeitern. Während ein Mann den Beton zwischen die stählernen Bewehrungsmatten der Deckenschalung füllt, verdichtet der nächste die Masse mit einem Rüttler. Ein dritter Mann zieht den Beton glatt, ein vierter überprüft mittels Theodolit, ob die Höhen stimmen. Bis zum Mittag sind auf diese Art rund 90 Kubikmeter Beton verarbeitet und die Zwischendecke geschlossen worden. „Nun muss der Beton 28 Tage aushärten“, erklärt Gerhard Bobe. Erst dann können die Arbeiten hier weitergehen. „Betreten kann man die Zwischendecke morgen schon“, fügt er hinzu. Voll belastbar sei sie da aber noch nicht.

Doch was passiert mit der opulenten Stuckdecke des Saales? „Auch sie wird erhalten“, erklärt Bobe. Allerdings würden bei einer Raumhöhe von 2,50 Metern die späteren Bewohner von der Optik der großen Ornamente quasi erschlagen, erklärt der Bauleiter.

Deshalb werden sie nach der Restauration unter glatten Decken verborgen bleiben. Bis die ersten Mieter einziehen können, wird es aber noch etwas dauern. Entgegen anfänglichen Prognosen hat sich die Fertigstellung nach hinten verschoben. Gegen Ende 2019 sollten alle Arbeiten aber abgeschlossen sein.

Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, wird es in diesem Winter auch keine baufreie Zeit auf der Baustelle geben. Bis Weihnachten, so sagt Gerhard Bobe, müssen alle Dächer dicht sein. Eine große Aufgabe sei daneben die Instandsetzung der Außenfläche der Stuckdecke über dem großen Saal. Diese weist im hinteren Teil massive Wasserschäden auf. Je nach Witterung wird auch an der Fassade des Altbaus weiter gearbeitet. Derzeit wird dort der Unterputz aufgebracht. Sollte das Wetter kippen, geht es mit dem Innenausbau im Neubau weiter, welcher dazu dann extra beheizt wird.