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Vom Labor ins Klassenzimmer

Am Gymnasium erwerben zurzeit vier Referendare Erfahrungen in der Schulpraxis. Einer ist ein Seiteneinsteiger.

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© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Er ist Doktor der Biologie und hat schon als Forscher an der Uni in Marburg gearbeitet. Jetzt ist er Referendar am Martin-Luther-Gymnasium. Frank Träger (40) ist ein sogenannter Seiteneinsteiger und will seine Begeisterung für die Wissenschaft den Schülern näher bringen. Träger unterrichtet in den Fächern Biologie und Chemie.

Dafür ist er mit seiner Frau und den beiden Kindern (zweieinhalb und eineinhalb Jahre) von Marburg nach Döbeln gezogen. Die Entscheidung sei ihm nicht schwergefallen. Man müsse dorthin ziehen, wo es Arbeit gibt, so Frank Träger. Außerdem wohnen die Schwiegereltern in Mutzschen, sodass der Umzug nach Sachsen auch seine Vorteile hat.

Frank Träger stammt aus Stuttgart und hat dort Technische Biologie studiert. An der Universität in Marburg promovierte er. Doch seine Arbeit in der Forschung brachte viele Unsicherheiten mit sich. „Wenn man eine Familie hat, braucht man Sicherheiten und will nicht ständig den Forschungsprojekten hinterherziehen“, so Frank Träger. Als Biologe und Chemiker hätte er auch als Vertreter arbeiten können. Doch das wollte er nicht. Dann habe er gehört, dass in Sachsen Lehrer gesucht werden und sich beim Kultusministerium beworben. Dort sei er auch sofort angenommen worden.

„Ich kenne beide Seiten“

Die Arbeit bereite im Spaß. Jetzt muss er sein Fachwissen so aufbereiten, dass es die Kinder und Jugendlichen verstehen. Da habe es bisher keine Probleme gegeben. Frank Träger kann sich noch gut an seine eigene Schulzeit erinnern. Während er sich für Naturwissenschaften sehr interessierte, seien Sprachen nicht so sein Ding gewesen. „Ich kenne also beide Seiten. Die des begeisterten Schülers, und die des Jugendlichen, der der Dinge angeht, weil sie gemacht werden müssen“, so der Referendar. Deshalb will er jede Gelegenheit nutzen, um die Schüler mit seinen Unterrichtsthemen zu packen, sodass sie Spaß daran haben. Auf jeden Fall ist dem Biologen anzumerken, dass ihn seine neue Arbeit fasziniert.

Die zweite Referendarin, die in diesem Schuljahr am Gymnasium begonnen hat, ist Paula Obermann. Sie studierte Lehramt für Deutsch und Geografie in Greifswald. Die 25-Jährige wollte schon immer Gymnasiallehrerin werden. Es sei ihr Traumberuf. Er sei abwechslungsreich und vielseitig. „Morgens weiß man nie, was einem so am Tag erwartet. Ja. Man hat einen Plan, aber der ändert sich oft“, so Paula Obermann. Die Arbeit mit den Schülern und im Lehrerteam bereite ihr viel Freude und sei eine Herausforderung zugleich. Die ersten zwei Monate unterrichten die Referendare sechs bis acht Stunden in der Woche und werden dabei von ihren Mentoren begleitet. Hinzu kommen Hospitationen. Ab dem dritten Monat dürfen sie selbstständig zehn bis zwölf Stunden wöchentlich unterrichten.

Beide Referendare loben die gute Organisation am Martin-Luther-Gymnasium. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben und wurden ganz nett empfangen.“ Auch von den Mentoren würden sie sehr gut unterstützt, so Frank Träger und Paula Obermann. Jeden Dienstag besuchen sie ein Seminar in Chemnitz. Hier geht es um die weitere theoretische Ausbildung, Schulrecht, Bildungswissenschaften und die Fachausbildung. Am Ende der Referendarzeit steht das zweite Staatsexamen an.

„Es ist schön, dass wir immer wieder Referendare bekommen. Sie bereichern die Diskussion im Lehrerteam und geben Erfahrungen ihrer Ausbildung weiter“, so Schulleiter Lothar Weisheit. Nicht schön sei, dass die Zeit, die die Referendare als Vorbereitungszeit an der Schule verbringen, immer eine andere sei. Die beiden Lehramtsanwärter, die bereits an der Schule waren, haben eine Referendarzeit von zwei Jahren. Frank Träger und Paula Obermann sind für ein Jahr Referendare und ab 1. Februar 2017 gilt eine Vorbereitungszeit von 18 Monaten. „Wir brauchen für die Übermittlung von praktischem Wissen und für unsere Planung Kontinuität“, sagte der Schulleiter. Ob die Referendare eine Anstellung bekommen, ist fraglich, denn die meisten Stellen an den Gymnasien in Sachsen seien zurzeit besetzt, do Weisheit.