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Vom Schloss in den Plattenbau

Der Wegzug der Lehrerbildung aus Siebeneichen wird als Steuerverschwendung und Bildungskatastrophe gesehen.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. In Kamenz steht das Schweitzerhaus. Dahinter verbirgt sich ein Plattenbaublock mit einer Nutzfläche von 8 200 Quadratmetern. Dorthin solle nicht nur das in Radebeul ansässige Sächsische Bildungsinstitut (SBI) ziehen. Sondern auch das zugehörige Fortbildungs- und Tagungszentrum des Instituts, das seit fast zwei Jahrzehnten im Schloss Siebeneichen zu Hause ist.

Knapp drei Millionen Euro will Finanzminister Georg Unland (CDU) für den Kauf des DDR-Plattenbaus ausgeben. Der Umbau des Gebäudes dürfte noch einmal das Mehrfache dieser Summe kosten. „Nein, nichts gegen Kamenz, aber vom Schloss in den Plattenbau, das ist nicht nachvollziehbar“, schreibt Lehrer Uwe Müller, der selbst zur Fortbildung in Siebeneichen gewesen ist. „Für die Hälfte des Kaufpreises dort, hätte man das Schloss zu einer über die Grenzen Sachsens hinaus begehrten Fortbildungsadresse machen können. Ich kann diesen Prozess nicht nachvollziehen.“

In der Tat dürfte die Entscheidung gegen den Standort Schloss Siebeneichen damit zusammenhängen, dass es dort nicht genügend Übernachtungsmöglichkeiten für die Lehrer gibt. „Das hätte man abstellen können. Da hätte der Freistaat Geld in die Hand nehmen müssen, und es wäre garantiert weniger gewesen als das, was jetzt in Kamenz notwendig ist“, erklärt Stadtarchivar Tom Lauerwald. „Auf der einen Seite sagt der Freistaat, dass er keine Immobilien kauft, und in Kamenz macht er es.“

CDU-Kreischef Dr. Ulrich Reusch sieht in dem für 2022 geplanten Wegzug des Bildungsinstituts aus Schloss Siebeneichen einen „unverständlichen Verschiebebahnhof“, dem „nur nutzungspraktische Erwägungen“ zugrunde liegen. „Es kann doch nicht sein, dass eine aufwendig sanierte geschichtsträchtige Immobilie wie Schloss Siebeneichen – auch noch ohne Nachnutzungskonzept – aufgegeben werden soll, nur um einen überdimensionierten Plattenbau in Kamenz zu füllen.“ Ihm fehle nicht nur als Kommunalpolitiker, sondern auch als Steuerzahler jegliches Verständnis für diese Entscheidung, so Reusch.

Dass Schloss Siebeneichen als Lehrerfortbildungsstätte aufgegeben werden soll, ist für Uwe Müller „für Meißen als Bildungsstandort eine Katastrophe“. Und CDU-Kreischef Ulrich Reusch stellt fest: „Der Landkreis Meißen wird nach der Genehmigung eines mit dem eingeführten Kreisgymnasiums in Nossen konkurrierenden neuen Gymnasium in Wilsdruff durch das Kultusministerium mit diesen jüngsten Entscheidungen erneut brüskiert.“ Nimmt man die Entscheidungen des Kultusministeriums hinzu, der Gemeinde Klipphausen seit Jahren fast jegliche Unterstützung beim Auf- und Ausbau von Grundschulen bzw. einer Oberschule zu verweigern – so muss von einer Ungleichbehandlung des Landkreises Meißen in Sachen Bildungspolitik gesprochen werden.

Reusch kritisiert, dass die landesweite Lehrerfortbildung ausgerechnet an die Peripherie des Freistaates nach Kamenz verlegt wird. Und er kritisiert, „dass es einen Dialog mit den kommunalen Verantwortlichen vor Ort über die jüngsten Entscheidungen wohl ebenso wenig gegeben habe wie überhaupt eine Information“.

Für Uwe Müller steht das Fazit fest: „Nein, nicht dass C & A Meißen verlässt, ist ein schwarzer Tag für unsere Stadt, es ist die Entscheidung, ab 2022 nach Kamenz in den Plattenbau zu gehen.“ Ob es dabei bleibt und ob es seitens des Freistaates irgendeinen Ausgleich für Schloss Siebeneichen geben wird, muss sich zeigen. Am Mittwochabend sind Landrat Arndt Steinbach (CDU) und Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) im Dresdner Finanzministerium gewesen. Es bleibt abzuwarten, was sie von dort mitbringen.