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VW baut den I.D. in Sachsen

Die Entscheidung ist gefallen: Das erste reine Elektro-Auto der nächsten Generation von Volkswagen - Projektname I.D. - wird in Zwickau vom Band laufen. Dabei soll der Stromer nicht mehr als ein Diesel kosten.

© VW

Von Nora Miethke

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Nun steht endgültig fest: Das erste reine Elektroauto der nächsten Generation – Projektname I.D. – wird in Sachsen vom Band laufen. Auf dem Jahresgespräch am Freitag in Wolfsburg sagte Vorstandschef Herbert Diess: „Der I.D. wird als erster Volkswagen mit völlig neuer Elektroarchitektur im Werk Zwickau gefertigt“. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) begrüßten beide die Entscheidung. „Mit dem Auto der Zukunft schafft die Wirtschaft auch die Arbeitsplätze der Zukunft“, betonte Tillich. Dulig wertete sie als Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit unser Zuliefererindustrie“.

Der Wagen ist auch als Bulli mit dem Namen I.D. Buzz geplant
Der Wagen ist auch als Bulli mit dem Namen I.D. Buzz geplant © VW
Dritter im Bunde der I.D.-Familie ist der I.D. CROZZ.
Dritter im Bunde der I.D.-Familie ist der I.D. CROZZ. © VW

Der erste I.D. begründet eine Modellfamilie gleichen Namens. Sie wird vier Mitglieder haben und ab 2020 auf den Markt kommen. Der Stromer in der Größe eines Golfs, der ab 2019 in Zwickau gefertigt werden wird, soll bezahlbar sein und etwa das Gleiche kosten wie ein Golf mit Dieselmotor. Dieser ist heute in der Grundausstattung ab 25 000 Euro zu bekommen. Die Reichweite wird bei vollem Akku zwischen 450 und 500 Kilometer liegen. Das Fahrzeug wird auch als erstes Elektroauto von VW die drahtlose Vernetzung von Auto, Fahrer und Umfeld beherrschen, das heißt, er kann auch autonom fahren.

Mit dem Aufbau der komplett neuen e-Fahrzeugproduktion soll in Zwickau Mitte 2018 begonnen werden. Der Autobauer rechnet mit Produktionsinvestitionen für den ersten I.D. von 300 Millionen Euro. In den kommenden Monaten werde entschieden, wie die Produktion in die schon vorhandenen Werkanlagen integriert werden soll, betonte Diess. Aktuell laufen in dem sächsischen Werk – nach dem Stammwerk in Wolfsburg das zweitgrößte der VW-Marke in Deutschland – täglich rund 1 350 Fahrzeuge der VW-Modelle Golf, Golf Variant und Passat Variant vom Band. VW geht davon aus, dass nach einer Hochlaufphase täglich bis zu 300 I.D. gebaut werden könnten. Die Fertigung soll Ende 2019 parallel zu den schon jetzt produzierten Modellen beginnen. Auch die Karosseriefertigung für den Bentley Bentayga und zukünftig den Lamborghini Urus wird bleiben. Das Werk muss also kein Modell abgeben. Ein Beschäftigungsaufbau ist mit dem I.D. in Zwickau nicht verbunden, er trägt dazu bei, die Arbeitsplätze der aktuell 7 700 Mitarbeiter langfristig zu sichern. Der I.D. auf Golfbasis soll der Volumenbringer in der neuen Elektro-Familie von VW werden und damit auch Vorreiter für die e-Versionen anderer Konzernmarken.

Zwickau und Dresden machen’s

Der VW-Konzern hat insgesamt zwölf Marken. Daher ist es durchaus perspektivisch möglich, dass auch die ersten e-Fahrzeuge zum Beispiel von Seat oder Skoda in Zwickau gebaut werden könnten. Das wäre eine Chance für die Zukunft der Gläsernen Manufaktur in Dresden, dass auch dort weitere e-Modelle endmontiert werden. Die im April angelaufene Produktion des e-Golfs ist nur eine Übergangslösung. Derzeit werden in Dresden täglich 35 e-Golfs montiert. Rund 300 Mitarbeiter der Stammbelegschaft sind zurück in der Manufaktur, noch etwa 150 sind an anderen Standorten beschäftigt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Dresden mit seinen erworbenen Fähigkeiten im Bau von Elektroautos schon im Anlauf des I.D. eingebunden werden kann“, betonte Thomas Ulbricht, Markenvorstand für Produktion und Logistik. Wie konkret, das könne man jetzt noch nicht sagen. Aber die Standorte Zwickau und Dresden würden hervorragend zusammenarbeiten und sich schon jetzt austauschen, so Ulbricht.

VW hält an seinem langfristigen Ziel fest – bis 2025 will der Konzern Weltmarktführer in der Elektromobilität werden und eine Million Elektroautos pro Jahr verkaufen. Die wachsende Konkurrenz – vor allem durch den US-Autobauer Tesla – bereitet Kopfzerbrechen, aber keine Angst. Tesla produziert bislang nur Premiumfahrzeuge, die über 100 000 Euro kosten, bereitet jedoch die Fertigung eines neuen e-Modells im mittleren Preissegment vor, mit dem es den Massenmarkt unter Strom setzen will. Tesla sei in der neuen Autowelt ein „mit Sicherheit ernst zu nehmender Wettbewerber“, so Diess. Aber er sei zuversichtlich, „dass wir Tesla im Volumensegment Einhalt gebieten können“, betonte der Marken-Vorstandschef.

Die Marke Volkswagen ist 2017 deutlich besser gestartet als in den beiden Vorjahren. Bei einem Absatz von 862 000 Fahrzeugen lag der Umsatz bei 19 Milliarden Euro und der Gewinn nach Steuern stieg auf knapp 0,9 Milliarden Euro. In den USA, wo der Dieselskandal um gefälschte Abgaswerte seinen Anfang nahm, konnten die Auslieferungen um zehn Prozent gesteigert werden und haben damit wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Auch in Europa laufen die Geschäfte gut – bis auf den Heimatmarkt in Deutschland. Hier ist der Absatz in den ersten drei Monaten um 6,8 Prozent auf rund 129 000 Fahrzeuge zurückgegangen. Gründe sind der Imageschaden durch den Dieselskandal sowie die anschließende Debatte um Fahrverbote und die Zukunft der Dieseltechnologie. Die sieht Herbert Diess nicht am Ende: „Wir halten den Diesel nach wie vor für sehr relevant.“ Die Kunden in Europa lieben ihn. Und mit dem neuen Abgasbehandlungssystem „gibt es keinen Anlass, ihn aus den Städten zu verbannen“, sagt Diess. Rund drei Viertel der deutschen Dieselfahrzeuge sind bislang umgerüstet worden.