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Feuilleton

Bei Wanda lauert überall die Liebe

Die Wiener Band  pflegt den Italo-Austropop, präsentiert auf dem neuen Album aber auch gewagte Veränderungen.

Marco Michael Fitzthum (M.) und Kollegen wollen es mit der neuen Wanda-Platte auf Platz eins der deutschen Charts schaffen.
Marco Michael Fitzthum (M.) und Kollegen wollen es mit der neuen Wanda-Platte auf Platz eins der deutschen Charts schaffen. © Universal

Von Fabian Nitschmann

Marco Michael Wanda zieht an seiner Zigarette und sagt: „Das Leben ist sehr schwierig und kompliziert, als individuelle Entscheidung natürlich. Aber ich glaube, die Musik und die Texte fordern immer wieder dazu auf, weiterzumachen.“ Drei Alben voller Weltschmerz und Aufbruchstimmung haben die fünf Musiker der österreichischen Band Wanda seit 2014 schon veröffentlicht, jetzt folgte mit „Ciao!“ Nummer vier. Darauf enthalten: einige Überraschungen, die zu einem großen Wagnis werden könnten.

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Die italienischen Zeilen jedenfalls, ein Wanda-Markenzeichen, sind verschwunden. Nicht absichtlich, wie der Sänger betont, Texte schreiben sei ein viel zu unbewusster Prozess. Ihrem Italo-Austropop-Sound haben die Wiener Indie-Rocker zudem neue Elemente hinzugefügt. Thematisch bleiben sich die Österreicher aber treu: Die Fans können sich auch dieses Mal auf viel Melancholie, eingehüllt in angenehm aus der Zeit gefallenen Rock ’n’ Roll, freuen. Und selbst wenn der Begriff nicht fällt: Auch auf „Ciao!“ lauert Amore hinter jeder Ecke.

Mit diesem Grundrezept sind Wanda ohne Zweifel zu einer Größe in der aktuellen deutschsprachigen Rockmusik geworden. Die beiden Alben „Bussi“ (2015) und „Niente (2017) schafften es jeweils auf Platz fünf der deutschen Charts. „Die neue Platte will hoch hinaus, sie will vieles auf einmal“, sagen die Musiker über das aktuelle Werk, das die Band innerhalb weniger Tage unweit der österreichisch-tschechischen Grenze aufgenommen hat. „Wir haben da sehr konzentriert gearbeitet. Wir machen das aber immer schnell, wir wollen nicht, dass das zu verkopft ist“, erklärt der Sänger, der eigentlich Marco Michael Fitzthum heißt. Das Ergebnis ist ein Album vor allem über Beziehungen und Sehnsüchte, das musikalisch über das von Wanda bekannte Spektrum hinausgeht. Die Songs unterscheiden sich teilweise deutlich von den bekannten Ohrwürmern. „Nach Hause gehen“ etwa klingt wie der Versuch, dem Wanda-Sound tanzbare Elemente anzuhängen. Zudem wurde in Anlehnung an die Beatles experimentiert und dem als Telefonseelsorger bekannt gewordenen Jürgen Domian ein Lied gewidmet. Mit den ersten Live-Versuchen auf Festivals im Sommer ist die Band jedenfalls sehr zufrieden. „Wir konnten das gar nicht unterbinden, wir mussten das einfach spielen. Und das Publikum hat das sehr gut aufgenommen“, so der Frontmann.

Mit Blick auf die Texte halten es die fünf derweil schlicht: Ein Refrain aus nur einem oder zwei Sätzen, eingetrichtert durch ständige Wiederholung, ist auf „Ciao!“ keine Seltenheit. „Alles, was man weglässt, ist in Wahrheit lebendig. Und alles, was man formuliert, bringt man gleichzeitig um“, erklärt Fitzthum alias Wanda. „Ich habe lieber zwei Sätze, die passen, als zehn Sätze, die nichts sagen.“ Im Lied „Ein komischer Traum“ klappt das besser als in anderen Fällen, wenn Wanda feststellt: „Du warst viel näher, als wir uns in Wahrheit stehen. Alles war so anders, als wir es in Wahrheit sehen.“ Die Zeile „So versuch ich übertrieben, meinem Leben Sinn zu geben“ dürfte als heimliches Motto des Albums durchgehen.

Ob Wanda mit ihrem vierten Album endlich den Sprung an die Spitze der deutschen Charts schaffen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Österreichische Bands waren in Deutschland jedenfalls selten so erfolgreich wie in den vergangenen Jahren: Wanda und Bilderbuch gehen dabei vorneweg, noch etwas im Hintergrund stehen etwa Seiler und Speer, Voodoo Jürgens, die Indierock-Band The Boys You Know oder der in Österreich als kultig wahrgenommene Nino aus Wien, der im Wanda-Video zu „Ciao, Baby“ in einem alten Benz knutschend absäuft. Marco Michael Wanda führt das aktuelle Hoch der österreichischen Rock- und Pop-Musik auf einen Markteinbruch vor einigen Jahren zurück. „Es gab keine Plattenfirmen mehr, das Radio hat nichts mehr gespielt. Außer Indie-Radios haben sich auch Journalisten nicht wirklich um die Szene gekümmert.“ Daher hätten junge Bands in Österreich vor sich hin experimentieren können. „Wir hatten keine Schranken, es war nicht kommerzialisiert, und es gab auch keinen Traum, berühmt zu werden.“ Und er ergänzt: „Ich glaube nicht, dass das schon das Ende dieser Strömung ist.“ (dpa)

Das Album: Wanda, Ciao! Universal

Das nächste Konzert in Sachsen: 4. März 2020, Haus Auensee, Leipzig