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Döbeln

Leere im digitalen Wartezimmer

Die Videosprechstunde bei Dr. Danny Nummert-Schulze wird kaum genutzt. Dabei lohnt sich das Angebot ganz besonders für eine Patientengruppe.

Der Bildschirm bleibt für die Videosprechstunde bei dem Harthaer Internisten und Hausarzt Danny Nummert-Schulze fast immer schwarz. Das Angebot wird selten genutzt.
Der Bildschirm bleibt für die Videosprechstunde bei dem Harthaer Internisten und Hausarzt Danny Nummert-Schulze fast immer schwarz. Das Angebot wird selten genutzt. © Dietmar Thomas

Hartha. Zeitraubendes Sitzen im Wartezimmer neben Patienten, die möglicherweise auch noch ansteckende Erkältungsviren verbreiten. Alle unangenehmen Dinge, auf die man sich als Patient bei einem Arztbesuch einstellen muss, sollten eigentlich mit der Einführung der Videosprechstunde der Vergangenheit angehören.

Vor knapp zehn Monaten wurde bei Hausarzt Danny Nummert-Schulze in seiner Praxis quasi der Startschuss zu dem neuen Angebot in der Region gegeben. Die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) war dafür höchstselbst in der Harthaer Praxis zu Gast. „Videosprechstunden sind nur ein erster Schritt. Ich freue mich, dass die Sächsische Landesärztekammer uns diesen ermöglicht hat und dass es engagierte Ärzte und Kliniken gibt, die solche Entwicklungen aufgreifen“, sagte sie damals.

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Seither ist es aber sehr ruhig um das Thema geworden und das digitale Wartezimmer bei Danny Nummert-Schulze ist so gut wie immer leer. Maximal 50 Patientengespräche pro Quartal dürfte er durchführen, so die Maßgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Doch von dieser Anzahl ist der Harthaer Arzt noch meilenweit entfernt. „Etwa einmal in drei Wochen habe ich eine Videosprechstunde“, berichtet Dr. Danny Nummert-Schulze.

Viel zu wenig für seinen Geschmack, schließlich muss der Mediziner für die Videosprechstunde technisch und finanziell einige Bedingungen erfüllen. „Ich musste dafür eine Lizenz erwerben, für die eine monatliche Gebühr fällig wird“, erläutert er. Ein entsprechend schneller Internetanschluss und ein mit Kamera ausgestatteter Laptop oder Computer sind ohnehin nötig. Und rentabel sind die Videosprechstunden somit für den Arzt ohnehin nicht.

Außerdem darf eine Videosprechstunde nur mit entsprechender Genehmigung durch die zuständige Kassenärztliche Vereinigung für gesetzlich versicherte Patienten und nach dem „Einheitlichen Bewertungsmaßstab“ angeboten und abgerechnet werden, teilt Simone Pflug, Pressesprecherin der KVS mit. Diese Genehmigung werde nach entsprechender Prüfung erteilt und registriert. Nur über eine gesicherte Datenverbindung darf der Arzt dann mit seinem Patienten sprechen, die Nutzung des bekannten Video-Telefonie-Anbieters Skype sei keinesfalls gestattet.

Die Vorbereitung für einen digitalen Arztbesuch ist dabei ganz genau so einfach wie in der analogen Welt. „Der Patient macht dafür bei uns einen Termin. Er bekommt per Mail oder SMS eine Pin zugesandt, die er dann pünktlich eingibt. Dann öffnet sich ein entsprechendes Fenster auf dem Bildschirm des Patienten“, erklärt der Mediziner. Ein spezielles Programm oder eine App braucht der Patient dafür nicht.

Dafür aber eine entsprechend schnelle und verlässliche Internetverbindung. „Doch genau daran scheitert es eben vor allem bei denjenigen, die abgeschieden auf dem Land wohnen“, sagt der Internist. Dabei würden gerade diese Leute von der Sprechstunde via Internet besonders profitieren. Lange Anfahrtszeiten könnten sowohl dem Patienten als auch dem Arzt bei Hausbesuchen erspart bleiben.

Für eine weitere Patientengruppe würde sich der Arztbesuch per Video noch mehr lohnen, meint Nummert-Schulze: Bewohner von Pflegeheimen. „Wenn die Schwestern und Pfleger dort mit einem Tablet ausgestattet würden, mit dem sie in ihrem Haus ganz einfach von Patient zu Patient gehen könnten, würden viele Fragen schneller beantwortet und der Aufwand für beide Seiten verringert“, ist er sicher. Doch leider würden sich viele Pflegeheime dagegen noch sehr sperren, bedauert er.

Das moderne Angebot geht aber ohnehin an den Wünschen und dem Interesse von vielen Patienten vorbei. Die Kassenärztliche Vereinigung erklärt dazu, dass in einer Versichertenbefragung der Bundesvereinigung 62 Prozent der Befragten einen Arztbesuch per Video für sich selbst sogar komplett ablehnten. Demnach wünschen sich die meisten Menschen den persönlichen Kontakt zu ihrem Arzt und stehen einer Fernbehandlung oder sogar auch nur einer Videoberatung skeptisch gegenüber. 72 Prozent der Personen, welche die Videosprechstunde ablehnen, nannten als wichtigsten Grund, den direkten Kontakt zum Arzt zu bevorzugen.

Aktuell werde die Videosprechstunde laut KVS von insgesamt 158 Ärzten in Sachsen angeboten. Im ersten Quartal 2019 haben allerdings nur sechs Ärzte in Sachsen mindestens eine Videosprechstunde erbracht. In der Region Döbeln können Patienten außer mit dem Harthaer Hausarzt mit zwei Medizinern im Döbelner MVZ sowie mit neun Fachärzten im Helios-Klinikum Leisnig videotelefonieren.