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Was aus der Lücke am Burglehn wird

Auf der Freifläche am Bautzener Burglehn soll ein aufwendiger Neubau entstehen. An den Plänen tüftelten die Architekten zwei Jahre lang.

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© Visualisierung: www.archlab.de

Von Marleen Hollenbach

Zwei Architekten sitzen in einer Dresdner Bar zusammen. Einer hat eine Idee, der andere ist sofort begeistert. Aus einer Vision werden Skizzen, aus Skizzen handfeste Pläne. Zwei Jahre später stehen eben jene Männer an der Mönchsgasse in Bautzen und blicken zufrieden auf die große Baulücke vor ihnen. Eine Fläche, die sich bis zum Burglehn erstreckt und auf der derzeit noch Autos parken. Anfang September stimmte die Mehrheit der Stadträte für den Verkauf des städtischen Grundstückes an die Firma Hentschke Bau. Für die beiden Architekten, Stefan Siebert und Ruben Harbig, bedeutet das: Ihrem Bauprojekt steht nun nichts mehr im Weg.

34 neue Wohnungen

Grob gesagt planen die Männer den Lückenschluss. Das heißt, der Neubau dockt an die bestehenden Brandwände der Nachbarhäuser an. Das neue Haus soll aus vier Teilen bestehen. Direkt am Burglehn reiht sich das viergeschossige Gebäude in den Straßenzug ein. Die anderen Gebäudeteile in Richtung Brüder- und Mönchsgasse sind kleinteiliger geplant. Damit sie an dieser Seite besser ins Stadtbild passen, haben sie nur zwei oder maximal drei Etagen. Mit dem Bau wollen die Architekten im März starten. Wenn alles klappt, könnte das Haus im Sommer 2019 fertig sein.

Schon jetzt ist klar, für welche Zielgruppe die 34 Wohnungen gedacht sind. In die erste Etage zieht eine Tagespflege ein. Die zweite Etage ist für mehrere Wohnungen und eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke vorgesehen. Die obersten Stockwerke sind ebenfalls für barrierefreie und altersgerechte Wohnungen reserviert.

Wie wollen Menschen leben, wenn sie alt sind? Was benötigen sie? Genau über dieses Thema sprachen die beiden Männer, als sie in der Kneipe saßen. Schnell entstand die Idee, altengerechtes Wohnen mitten im Stadtzentrum zu ermöglichen. „Wir haben dann nach einem passenden Objekt gesucht“, erklärt Stefan Siebert. In Bautzen fanden die Architekten, was sie suchten. Das Klosterhaus an der Petrikirche bot beste Bedingungen. Dort sind sie mit ihren Plänen schon ein ganzes Stück weiter. Derzeit wird das 1722 errichtete Gebäude saniert. Schon im Frühjahr sollen die ersten Mieter in die 18 barrierefreien Wohnungen einziehen. Für die Architekten war aber schon während der Bauzeit klar, dass sie das Angebot des Klosterhauses erweitern wollen und dazu unbedingt noch ein zweites Objekt benötigen. Doch in der unmittelbaren Umgebung fanden sie kein geeignetes Gebäude – dafür eine der letzten Baulücken in Bautzens Innenstadt.

Ruhezone Brüdergasse

Dass sie mit ihren Plänen nicht völlig falsch liegen, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Laut dem Statistischen Landesamt steigt der Anteil der 65- bis 79-Jährigen in Bautzen bis 2030 um zehn Prozent, bei den über 80-Jährigen sogar um 30 Prozent. „Tatsächlich haben wir schon viele Anfragen für das Klosterhaus und auch für den Neubau am Burglehn. Es freut uns, dass unsere Idee gut ankommt“, erklärt Siebert. Vor allem Menschen aus den umliegenden Dörfern melden sich bei dem Architekten. Was sie lockt? Eine 40 bis 60 Quadratmeter große Wohnung im Herzen der Stadt, eine Loggia und ein Aufzug. Zudem wird es auf dem neuen Areal zwei Innenhöfe geben und in jeder Etage Räume, in denen sich die Bewohner treffen können. Betrieben wird der Neubau von der Berliner Firma Zusammen Zuhause und vom Pflegedienst Advita.

Und Architekt Stefan Siebert hat noch eine Idee. Die entstand, als sie von der Fußgängerbrücke hörten, die einmal vom Protschenberg zur Ortenburg führen soll. „Man könnte dann die Brüdergasse zur Spielstraße erklären und die Ecke noch attraktiver für Fußgänger machen“, sagt er. Vielleicht das nächste Thema in der Kneipe.