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Was heißt Wohnzimmer auf Arabisch?

Seit Januar kümmert sich der Verein „Be-Greifen“ verstärkt um Geflüchtete. Er sorgt mit für mehr Gemütlichkeit im Container.

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© André Braun

Klosterbuch. Ein Wohnzimmer im Container – das klingt erst einmal befremdlich. Doch es kommt auf die Gestaltung an, wie der Verein „Be-Greifen“ mit einem neuen Projekt zeigt.

Arabische Texte mit deutscher Übersetzung – eingerahmt an der Wand, dazu die schlichte Eleganz von bunter Muster- und Farbenfreudigkeit. Auf dem Tisch vor der Couch liegt ein Buch über Kunst im Islam, ein einfaches aber hübsches Waschbecken steht auf einer Ablage am anderen Ende des Raumes.

Es handelt sich um das arabische Wohnzimmer des Vereins „Be-Greifen“. Schirmherrin Elsbeth Pohl-Roux setzt sich seit nunmehr 25 Jahren vor allem für die behindertengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen ein – seit Januar dieses Jahres kümmert sich der Verein auch verstärkt um Geflüchtete. Sechs Geflüchtete nahm man auf, darunter auch den erst 15-jährigen Resa Mohammadi aus Afghanistan.

Er geht in Döbeln zur Schule und als man ihn fragte, was sein Sport sei, sagt Elsbeth Pohl-Roux, da lächelte er nur, sagte nichts, und tat dann etwas sehr Verblüffendes: Er steckte nacheinander beide seiner Füße hinter seinen Kopf und machte derweil auf den Armen Handstütze. Mittlerweile ist Resa bei der Tanzgruppe „Black Diamonds“ in Hartha.

Gemeinsam mit Verrenkungskünstler Resa, den anderen Geflüchteten und Vereinsmitgliedern half Johannes Sommerlade bei der Gestaltung des arabischen Wohnzimmers mit. „Es ist sehr schön geworden, finde ich.“, sagt der 29-Jährige, der beim Verein gerade sein Bundesfreiwilligendienst absolviert.

Es sei einige Arbeit gewesen, den alten Container herzurichten. Er musste geputzt werden, abgeschliffen und neu gestrichen. Aber da für die Geflüchteten ohnehin nur zwei Zimmer zur Verfügung stehen, habe man neuen Raum schaffen wollen. „Hierhin kann sich jeder auch mal zurückziehen, oder es kann hier gemeinschaftlich Zeit verbracht werden.“, sagt Johannes Sommerlade. Gemeinsam mit den Leuten werde sich über Gestaltungsmöglichkeiten abgestimmt.

Ein Rückzugsort im Container. Der Verein „Be-Greifen“ zeigt damit, dass es nicht immer die größten materiellen Mittel sein müssen, um Menschen zu helfen. Manchmal benötigt es auch einfach nur etwas Hingabe. Vielleicht wissen Europäer dann in Zukunft auch einmal, was Wohnzimmer auf Arabisch heißt. (DA/mm)