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Was sich für den Tourismus in Dresden alles ändern muss

Hotels und Gastronomie dürfen sich nicht zu sehr im Glanz alter Zeiten sonnen, sondern müssen stärkerauf den Service achten.

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Von Klaus Brähmig

Dresdner Zwinger, Frauenkirche, Semperoper, Grünes Gewölbe, Dresdner Staatskapelle und der Striezelmarkt verbindet man weltweit mit dem touristischen Spitzenprodukt Dresden. Noch heute atmet die Stadt also diesen Glanz, mit dem die sächsischen Herrscher Dresden zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Blüte mit Bedeutung für ganz Europa führten. Kein Wunder, dass sich Dresden vornehmlich als Kunst- und Kulturstadt definiert. Heute, knapp zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, erstrahlt die Stadt in altem Glanz.

Doch der Glanz der Vorfahren allein reicht nicht mehr aus, um das Produkt Dresden auch für die Touristen von heute national und international attraktiv zu machen.

Schädlicher Brückenstreit

Vielmehr empfindet der Gast der Stadt diese kulturellen Schätze zunehmend als Belastung, denn das Strahlen alter Zeiten lassen sich die Verantwortlichen von Hotellerie und Gastronomie heute teilweise teuer bezahlen. Dabei wird nicht immer vergleichbarer Service, wie ihn die internationale Konkurrenz vorzuweisen hat, geboten.

Für mich war es falsch, dass die Marketingverantwortlichen und die Politik glaubten, die „fetten Jahre“ mit der Wiedereröffnung der Frauenkirche im November 2005, der Eröffnung des Grünen Gewölbes und den Feierlichkeiten zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2006 gingen einfach weiter, ohne dass um den Gast gekämpft werden muss. Zusätzlich hat der Streit um den Bau der Waldschlößchen-Brücke der Stadt Dresden auf Jahre hinaus geschadet. In den Medien entstand das Bild einer Kulturstadt, der es an jeglicher Streitkultur fehlt und die zutiefst zerstritten ist. Eine Stadt, die sich so gespalten in der Öffentlichkeit präsentiert, verfügt bei Kulturreisenden über keine hohe Anziehungskraft. Insofern braucht die Stadt Dresden ein tourismuspolitisches Leitbild. Fast 20 Jahre nach dem Fall der Mauer sollte Dresden die jetzige Krise nutzen, um eine tiefgreifende und ehrliche Analyse zu erstellen, die Auskunft darüber gibt, wo die Stadt derzeit steht. Nach einer detaillierten Analyse der Vor- und Nachteile sollte dann ein erreichbares Ziel fixiert werden, wo Dresden in fünf Jahren stehen will.

Dazu müssen Politik, Hotellerie und Gastronomie, Verwaltung, die Kultur und Unternehmen aus Dresden (IHK Dresden, Handwerkskammer Dresden und andere), die direkt und indirekt mit dem Tourismus verbunden sind, in den Leitbildprozess eingebunden werden.

Gleichzeitig sollte dieser Leitbildprozess mit einer Imagekampagne verbunden werden, die für eine sympathische und gastfreundliche Stadt wirbt. In diese Kampagne sollte man dann allerdings auch alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt einbinden, denn alle zusammen bestimmen das Bild von Dresden in der Welt.

Was Dresden für die Zukunft braucht, ist also ein neues „Wir“-Gefühl, um den Tourismus neu zu beleben und der gesamten Region damit eine zusätzliche Chance auf wirtschaftliche Dynamik zu eröffnen. In diesem Zusammenhang sprechen Touristiker immer von einer deutlichen Stärkung des Innenmarketings. Ein stärkeres Innenmarketing ist für Dresden unausweichlich.

Zusätzlich benötigt die neu gegründete Dresden Marketing GmbH (DMG) ein breit gefächertes Marketingkonzept für die Schwerpunktthemen. Ein neues Marketingkonzept sollte jedoch nicht nur auf Kulturreisende setzen, sondern die Kunst- und Kulturstadt Dresden gerade auch für jüngere Menschen und Familien mit neuen Angeboten erschließen.

Mehr Kurzreisende locken

Dazu braucht der Standort Dresden allerdings ein schlagkräftiges Team, das die Vermarktung der Zukunft organisiert und das Innenmarketing zu neuer Stärke führt. Nach meinen Informationen will die Dresden Marketing GmbH diese Mammutaufgabe mit nur 14 Mitarbeitern bewerkstelligen.

Persönlich halte ich dieses Unterfangen für äußerst gewagt. Deshalb ist die Dresden Marketing GmbH ein Modell für eine Public-Private-Partnership. Privates Kapital und Fachwissen müssen zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden. Die Stadt Dresden sollte einen Sockelbetrag für qualifiziertes Personal zur Tourismusvermarktung bereitstellen, dass dann von Unternehmen, die direkt oder indirekt am Tourismus verdienen, aufgestockt wird.

Um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Produkt Dresden erfolgreich und effizient zu vermarkten, sollte die DMG deshalb gezielt auf die Suche nach Partnern für Cross-Marketing gehen. Cross-Marketing bezeichnet die unterschiedlichsten Formen der Zusammenarbeit zweier oder mehrerer Partner im Marketing.

Beispielsweise könnte Dresden die Firmen, die in der Stadt ansässig sind, wie etwa Volkswagen, in Werbekampagnen einbinden. Eine hervorragende Möglichkeit wäre eine enge Zusammenarbeit mit VW und der Gläsernen Manufaktur.

Einen weiteren Mangel sehe ich darin, dass sich die frühere Dresden Werbung und Tourismus GmbH nicht intensiv genug um Kurzreisende aus Sachsen und den angrenzenden Bundesländern gekümmert hat. Gerade hier liegt das Potenzial, Familien anzulocken – aber dazu bedarf es thematischer Arbeitsgruppen und entsprechender Angebote. Hier schlummern für Dresden noch Reserven, die in den letzten Jahren nicht genug abgerufen wurden.

Partner aus der Umgebung

Mit der im Sommer gewählten Oberbürgermeisterin Helma Orosz verbinde ich die Hoffnung, dass diese Ressourcen zukünftig ausgeschöpft werden.

Weiterhin sollte die Neuorganisation des Dresdner Marketings und die Neuausrichtung der Marketinginhalte in enger Kooperation mit den Partnern aus der nahen Umgebung wie beispielsweise den Tourismusverbänden Sächsische Schweiz und Sächsisches Elbland erfolgen.

Als Vorsitzender des Tourismusverbandes der Sächsischen Schweiz setze ich mich gerne für einen starken Tourismus in Dresden ein, denn die sächsische Landeshauptstadt ist ein internationaler Anziehungspunkt, und die Touristiker der gesamten Region können von dieser Popularität nur profitieren.

Allerdings sollte Dresden auch akzeptieren, dass seine Umgebung mit dem Nationalpark Sächsische Schweiz, dem Osterzgebirge, dem Weinbau im Sächsischen Elbland, der Uhrenstadt Glashütte oder der Bob- und Rodelbahn in Altenberg zusätzliche Anziehungspunkte hat, die einen Dresden-Urlaub noch attraktiver machen.

Kultur und Landschaft

Auf meine Initiative hin wurde daher 1997 die Touristische Arbeitsgemeinschaft Elbe (TAG Elbe) gegründet. Mitglieder sind seitdem der Tourismusverband Sächsisches Elbland e.V., der Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V., die Dresden Werbung und Tourismus GmbH, die Landesbühnen Sachsen und die Sächsische Dampfschifffahrt.

In den letzten Jahren nutzten die Mitglieder der TAG Elbe die Synergieeffekte aus der gemeinsamen Vermarktung bei großen Messen. Gemeinsam setzen wir damit ein Zeichen gegen die rückwärtsgewandte Kirchturmpolitik vieler Regionalpolitiker. Der Gast will nämlich heute Kultur- und Landschaftserlebnisse und der Wanderurlauber häufig auch kulturelle Highlights oder kulinarische Genüsse im Weinberg.

Nur gemeinsam können wir entsprechende Angebote entwickeln. Wer sich den Wünschen der Gäste allerdings verschließt, wird langfristig auf der Strecke bleiben.